Fotos der Präsentation der iföw-Studie
Bauwirtschaft erweist sich als wichtiger Wirtschaftsmotor

Rund 20 Prozent der heimischen Wirtschaftsleistung sind direkt oder indirekt mit dem Sektor verbunden. Zugleich hängen knapp 1,1 Millionen Arbeitsplätze davon ab. Das zeigt eine aktuelle iföw-Studie.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Bau- und Immobilienbranche in Österreich fällt einer neuen Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) zufolge größer aus, als bisherige Statistiken erkennen lassen. Die Untersuchung wurde im Auftrag der Initiative Pro Bauen & Sanieren durchgeführt, hinter der die WKO Fachgruppe Wien der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, der Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie (FBI) und der Verband der Baustoffhändler Österreichs (VBÖ) stehen.

Direkte Wertschöpfung 

Nach den Berechnungen beträgt die direkte Wertschöpfung der Branche 52,1 Milliarden Euro. Werden zusätzlich Effekte durch Zulieferer:innen, wirtschaftliche Verflechtungen und Konsum berücksichtigt, erhöht sich der Wert auf 84,8 Milliarden Euro. Das entspricht laut Studie rund einem Fünftel der österreichischen Wirtschaftsleistung.

Für die Untersuchung wurde die von Eurostat für vergleichbare Analysen empfohlene Methode eines Satellitenkontos eingesetzt. Dadurch fließen insgesamt 30 Wirtschaftssektoren in die Berechnung ein. Neben Hoch- und Tiefbau sowie dem Baunebengewerbe berücksichtigt die Analyse unter anderem Baustoffe, Maschinen, Architektur, Handel, Ausbildung und die öffentliche Hand.

Studienautorin Anna Kleissner sieht darin einen wesentlichen Unterschied zu bisherigen Betrachtungen: "Als Wirtschaftsmotor und in der amtlichen Statistik wird die Branche demnach systematisch unterschätzt."

Knapp 1,1 Millionen Arbeitsplätze mit Branche verbunden

Auch für den Arbeitsmarkt weist die Studie eine erhebliche Bedeutung aus. Im Referenzjahr 2023 waren demnach rund 624.000 Menschen unmittelbar in der Branche beschäftigt. Unter Einbeziehung der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette seien knapp 1,1 Millionen Arbeitsplätze mit der Bauwirtschaft verbunden. Darüber hinaus würden rund 27 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben generiert.

Eine besondere Rolle spielen laut den Verantwortlichen kleine und mittelständische Unternehmen. Rund ein Viertel der Beschäftigten arbeite in Betrieben mit weniger als zehn Personen. VBÖ-Vizepräsident Andreas Fetter betont, diese Unternehmen seien regional verankert und würden auch außerhalb der Ballungszentren Arbeitsplätze schaffen. Der Baustoffhandel wiederum stehe in enger Verbindung mit Bauhaupt- und Baunebengewerbe und trage zur Versorgung und zu stabilen Lieferketten bei.

Wohnbau bleibt unter Druck

Gleichzeitig verweist die Studie auf die schwierige Entwicklung im Wohnbau. Für Wien seien für 2026 ursprünglich 12.600 Wohneinheiten geplant gewesen, laut angeführter Prognose würden davon jedoch lediglich 9.600 fertiggestellt. Michael Pisecky, ehemaliger Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien, der am Dienstag beim Wiener Immobilientag die Staffel an seine Nachfolgerin Nicole Fürntrath übergab (LEADERSNET berichtete), rechnet nach eigener Einschätzung sogar mit höchstens 8.000 Einheiten.

Pisecky fordert vor diesem Hintergrund verlässlichere Rahmenbedingungen. "Nur verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen (Mietrecht), ausreichende Finanzierungen mit erfüllbaren Konditionen und Planungssicherheit können das bestehende Ungleichgewicht beheben", so Pisecky.

Bauinvestitionen gingen mehrere Jahre zurück

Die Untersuchung verweist zudem auf die schwache Entwicklung der vergangenen Jahre. Zwischen 2022 und 2025 sei der Bau vier Jahre in Folge geschrumpft. Besonders deutlich fiel der Rückgang 2024 mit 5,9 Prozent aus. Für 2026 habe das WIFO seine Erwartung im Juni von einem Wachstum von 0,1 Prozent auf einen Rückgang um 0,2 Prozent korrigiert. Erst für 2027 werde wieder ein Plus bei den Bauinvestitionen von 1,0 Prozent prognostiziert.

Die Studie berechnet außerdem verschiedene hypothetische Entwicklungspfade. In einem Szenario wird angenommen, dass sich der Bau zwischen 2022 und 2027 im Gleichschritt mit der österreichischen Gesamtwirtschaft entwickelt hätte. Über diesen Zeitraum hätte dies den Berechnungen zufolge 25,3 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung im Bau und unter Berücksichtigung vor- und nachgelagerter Branchen 60,3 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung in Österreich ergeben. Knapp 54.000 Arbeitsplätze im Bau beziehungsweise rund 130.000 österreichweit wären demnach gesichert oder geschaffen worden. Bei diesen Zahlen handelt es sich somit um Ergebnisse eines Studienszenarios und nicht um tatsächlich realisierte Effekte.

Sanierung als weiteres Studienszenario

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Sanierung bestehender Gebäude. Laut Studie generiert die Gebäudesanierung derzeit jährlich eine Bruttowertschöpfung von insgesamt 5,5 Milliarden Euro. FBI-Vorstandsvorsitzender Georg Bursik erklärte, fehlende Planbarkeit und bürokratische Hürden würden die Mobilisierung privaten Kapitals für Investitionen bremsen. Notwendig sei aus seiner Sicht ein Regulierungs- und Fördersystem, das planbar, finanzierbar, sozial umsetzbar und rechtlich praktikabel sei.

"Nur so wird aus Potenzial tatsächliche Wertschöpfung und Wohlstand", sagt Bursik. Bei Maßnahmen zur Gebäude- und Energieeffizienz solle seiner Ansicht nach die thermische Sanierung am Beginn stehen.

Die Studie modelliert zudem die möglichen Folgen einer Verdoppelung der Sanierungsrate von 1,5 auf 3 Prozent zwischen 2026 und 2040. Daraus könnte den Berechnungen zufolge eine Bruttowertschöpfung von insgesamt rund 124 Milliarden Euro entstehen. Gleichzeitig könnten rund 130.500 Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen werden.

Studie berechnet Effekte einer geschlossenen Wohnbaulücke

Ein drittes Szenario beschäftigt sich mit der Wohnbautätigkeit. Würde Österreich wieder das Fertigstellungsniveau der Jahre 2021 und 2022 erreichen, wären laut Studie zusätzliche Investitionen von jährlich 7,8 Milliarden Euro erforderlich. Daraus könnte eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von insgesamt 4,6 Milliarden Euro entstehen.

Die Untersuchung basiert auf Daten aus dem Jahr 2023. Mithilfe einer multiregionalen Input-Output-Analyse wurden neben direkten wirtschaftlichen Effekten auch Auswirkungen auf vorgelagerte Lieferketten sowie Effekte aus Konsum und Investitionen berücksichtigt. Auftraggeber der Untersuchung war die Initiative Pro Bauen & Sanieren.

LEADERSNET war bei der Pressekonferenz. Einen Eindruck können Sie sich hier machen.

www.probauensanieren.at

www.wko.at

www.ifoew.at

www.fbi-forschungsverband.at

www.vboe.eu

Über die Studie

Die iföw-Studie "Die volks- und regionalwirtschaftliche Bedeutung der Bauwirtschaft in Österreich" wurde im Auftrag der Initiative Pro Bauen & Sanieren (FBI, VBÖ, WKO Wien) durchgeführt.

Die Studie untersucht die volks- und regionalwirtschaftliche Bedeutung der Bauwirtschaft mit der Methode eines Satellitenkontos, die auch Eurostat für vergleichbare Analysen empfiehlt. Analysiert wurden Daten aus dem Jahr 2023. Die Berechnungen basieren auf einem Satellitenkonto Bauwirtschaft, das alle baurelevanten Bereiche – insgesamt 30 Wirtschaftssektoren – zusammenführt und mit einer multiregionalen Input-Output-Tabelle verknüpft. Mittels Impakt- bzw. Input-Output-Analyse können sodann nicht nur die unmittelbar in der Bauwirtschaft entstehenden Effekte (direkte Effekte) erfasst, sondern auch die Wirkungen in der vorgelagerten Lieferkette (indirekte Effekte) sowie jene Effekte, die aus dem Konsum und den Investitionen der direkt und indirekt erzielten Einkommen und Gewinne entstehen (induzierte Effekte), quantifiziert werden.

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Über die Studie

Die iföw-Studie "Die volks- und regionalwirtschaftliche Bedeutung der Bauwirtschaft in Österreich" wurde im Auftrag der Initiative Pro Bauen & Sanieren (FBI, VBÖ, WKO Wien) durchgeführt.

Die Studie untersucht die volks- und regionalwirtschaftliche Bedeutung der Bauwirtschaft mit der Methode eines Satellitenkontos, die auch Eurostat für vergleichbare Analysen empfiehlt. Analysiert wurden Daten aus dem Jahr 2023. Die Berechnungen basieren auf einem Satellitenkonto Bauwirtschaft, das alle baurelevanten Bereiche – insgesamt 30 Wirtschaftssektoren – zusammenführt und mit einer multiregionalen Input-Output-Tabelle verknüpft. Mittels Impakt- bzw. Input-Output-Analyse können sodann nicht nur die unmittelbar in der Bauwirtschaft entstehenden Effekte (direkte Effekte) erfasst, sondern auch die Wirkungen in der vorgelagerten Lieferkette (indirekte Effekte) sowie jene Effekte, die aus dem Konsum und den Investitionen der direkt und indirekt erzielten Einkommen und Gewinne entstehen (induzierte Effekte), quantifiziert werden.

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