Gesundheit, finanzielle Absicherung und Lebensqualität sind wichtige Themen für Beschäftigte in Mittel- und Osteuropa. Welche Zusatzleistungen Unternehmen ihren Mitarbeiter:innen dafür zur Verfügung stellen, fällt je nach Land allerdings sehr unterschiedlich aus. Das geht aus der internationale Health & Benefits CEE Studie von Greco hervor.
Für die Untersuchung wurden 932 HR-Verantwortliche in Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien und der Türkei befragt (siehe auch Infobox). Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich Benefit-Konzepte nicht ohne Weiteres von einem Markt auf einen anderen übertragen lassen. International tätige Unternehmen könnten zwar gemeinsame strategische Leitlinien verfolgen, müssten deren konkrete Umsetzung jedoch an die jeweiligen nationalen Voraussetzungen und Bedürfnisse anpassen.
Private Gesundheitsangebote besonders verbreitet
Ein verbindendes Element vieler untersuchter Märkte sind private Gesundheitsleistungen. Besonders hoch ist deren Verbreitung in der Türkei. Dort bieten rund 92 Prozent der befragten Unternehmen eine private medizinische Versorgung an. In Bulgarien liegt der Anteil bei 81 Prozent und in Rumänien bei 72 bis 75 Prozent. In Polen und Ungarn stellt jeweils etwa die Hälfte der Unternehmen entsprechende Leistungen zur Verfügung.
Hinter diesen Zahlen stehen jedoch unterschiedliche Voraussetzungen. In der Türkei bilde die private medizinische Versorgung den Kern zahlreicher Benefit-Pakete, während in Bulgarien und Rumänien steuerliche Anreize die Verbreitung solcher Angebote unterstützten.
Für Unternehmen mit Niederlassungen in mehreren Ländern bedeutet das: Gesundheit kann zwar als übergreifendes Thema in der Benefit-Strategie verankert werden. Wie die Leistungen finanziert, ausgestaltet und gegenüber den Beschäftigten kommuniziert werden, hängt jedoch stark vom jeweiligen Markt ab.
Österreich setzt zusätzliche Schwerpunkte
Auch in Österreich gewinnen Gesundheitsangebote laut Greco an Bedeutung. Die Diskussion über betriebliche Zusatzleistungen ist hier allerdings breiter angelegt. Neben kurzfristig nutzbaren Leistungen spielt auch die langfristige finanzielle Absicherung im Alter eine Rolle.
Joachim Schuller, Competence Center Manager Health and Benefits bei Greco, sieht unterschiedliche Bedürfnisse als wesentlichen Faktor für die Entwicklung von Zusatzleistungen: "Benefits entwickeln sich dort besonders stark, wo Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen den größten Handlungsbedarf sehen."
Während in zahlrechen CEE-Ländern vor allem Gesundheitsleistungen im Zentrum stünden, beschäftige man sich in Österreich zunehmend mit der Verbindung von Gesundheit und langfristiger Altersvorsorge, so Schuller.
Deutliche Unterschiede bei der Altersvorsorge
Weniger stark verbreitet ist in weiten Teilen der untersuchten Region die betriebliche Altersvorsorge. Außerhalb Polens bieten lediglich 20 bis 43 Prozent der befragten Unternehmen ergänzende Pensionslösungen an.
Polen hebt sich deutlich von den übrigen untersuchten Ländern ab. Dort erreichen betriebliche Vorsorgelösungen eine Verbreitung von 87 Prozent. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das 2019 eingeführte System der Arbeitnehmer-Kapitalpläne, das sogenannte PPK-System. Nach Einschätzung von Greco verdeutlicht das polnische Beispiel, welchen Einfluss gesetzliche Rahmenbedingungen auf die Verbreitung von Benefits haben können.
Studienautorin Ewelina Jaworska-Bień, Head of People Solutions in Mittel- und Osteuropa bei Greco, verweist auf den Unterschied zwischen Gesundheitsangeboten und Altersvorsorge: "Gesundheitsleistungen sind in vielen CEE-Märkten bereits fest etabliert. Bei der betrieblichen Altersvorsorge besteht dagegen weiterhin erheblicher Aufholbedarf."
Gerade angesichts alternder Bevölkerung verdiene diese Entwicklung besondere Aufmerksheit, so Jaworska-Bień.
Große Unterschiede auch innerhalb der Region
Die Ergebnisse sprechen zudem gegen die Vorstellung eines einheitlichen Benefit-Marktes in Mittel- und Osteuropa. Unterschiede bestehen nicht nur zwischen Österreich und den untersuchten Ländern, sondern ebenso zwischen den einzelnen CEE-Märkten.
Das zeigt sich beispielweise bei Gruppen-Lebensversicherungen. In Polen gehören diese bei 82 Prozent der befragten Unternehmen zum Angebot. In der Türkei liegt der entsprechende Anteil dagegen bei lediglich zwölf Prozent. Auch bei privaten Gesundheitsleistungen reicht die Bandbreite laut Greco von rund 50 Prozent in Polen und Ungarn bis zu 92 Prozent in der Türkei.
Noch vergleichsweise wenig verbreitet sind Angebote rund um Wellbeing und mentale Gesundheit. Der Studie zufolge sind entsprechende Leistungen bislang bei zehn bis 30 Prozent der Unternehmen etabliert.
Lokale Bedingungen bestimmen die Ausgestaltung
Für international tätige Unternehmen ergibt sich daraus die Herausforderung, übergeordnete Ziele mit den Bedingungen in den einzelnen Ländern zu verbinden. Nationale Sozial-, Gesundheits- und Steuersysteme müssen ebenso berücksichtigt werden wie die Erwartungen der jeweiligen Mitarbeiter:innen.
Besonderes Entwicklungspotenzial sieht Schuller bei der langfristigen finanziellen Absicherung. "Die größte Herausforderung der kommenden Jahre könnte nicht der weitere Ausbau von Gesundheitsbenefits sein, sondern die Frage, wie betriebliche Altersvorsorge breiter verankert werden kann", so Schuller.
Entscheidend sei dabei, die jeweiligen Rahmenbedingungen und Erwartungen vor Ort einzubeziehen. Auf diese Weise könnten Unternehmen entsprechende Leistungen gezielter einsetzen und deren Relevanz für ihre Belegschaft erhöhen.
www.greco.services
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