Österreich leidet unter Teuerung
Inflation steigt auf 3,2 Prozent, Dieselpreis erreicht Rekordhoch

| Redaktion 
| 17.09.2026

Die Teuerung hat im August wieder an Fahrt aufgenommen. Vor allem Treibstoffe und Heizöl sorgten für höheren Preisdruck, Lebensmittel wirkten hingegen dämpfend. Angesichts der aktuellen Entwicklung an den Tankstellen werden die Rufe nach Entlastung lauter.

Die Teuerung in Österreich hat im August 2026 laut Statistik Austria wieder an Dynamik gewonnen. "Wie in der Schnellschätzung Anfang September erwartet, ist die Inflation in Österreich im August 2026 auf 3,2 Prozent gestiegen. Im Juli 2026 hatte sie 2,8 Prozent betragen", sagt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria. Höhere Treibstoff- und Heizölpreise hätten die Teuerungsrate nach oben gedrückt. Wichtigster Inflationstreiber sei allerdings weiterhin der Dienstleistungsbereich gewesen.

Treibstoffpreise legen kräftig zu

Besonders deutlich zeigte sich die Teuerung im Verkehrsbereich. Die Preise lagen hier im August um durchschnittlich 7,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der Beitrag zur gesamten Inflationsrate belief sich damit auf 1,10 Prozentpunkte. Im Juli war im Verkehr noch eine Jahresteuerung von 6,4 Prozent verzeichnet worden.

Entscheidend für die Entwicklung waren die Treibstoffe. Diese kosteten im Schnitt 26,3 Prozent mehr als im August 2025 und steuerten 0,77 Prozentpunkte zur Inflationsrate bei. Im Juli hatte der Preisanstieg noch 17,6 Prozent betragen. Besonders kräftig fiel die Verteuerung bei Diesel aus: Laut Detailauswertung von Statistik Austria lag der Preis um 32,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Superbenzin verteuerte sich um 18,2 Prozent.

Diesel erreicht neuen Höchstwert

Der Preisdruck bei Kraftstoffen setzte sich auch im September fort. Nach Angaben des ÖAMTC wurde am 16. September 2026 bei Diesel mit 2,268 Euro ein neuer Tages-Höchstwert erreicht. Damit ist der bisherige Spitzenwert von 2,245 Euro von Ende März 2026 übertroffen worden. Bei Super hat der Preis hingegen noch 14 Cent unter dem bisherigen Höchststand von 2,099 Euro aus dem Juni 2022 gelegen.

Angesichts dieser Entwicklung verweist der ÖAMTC erneut auf den Vorstoß mehrerer europäischer Finanzminister:innen, darunter auch Österreich, für eine EU-weite Übergewinnsteuer auf steigende Profite der Mineralölindustrie. Nach Vorstellung des Mobilitätsclubs könnten entsprechende Einnahmen dafür eingesetzt werden, die Mineralölsteuer und die CO₂-Bepreisung zu senken und damit Autofahrer:innen finanziell zu entlasten.

"Die Konsument:innen sind an der Zapfsäule mit Höchstpreisen konfrontiert und Konzerne erzielen außerordentliche Gewinne", so Martin Grasslober, Verkehrswirtschaftsexperte des ÖAMTC. Es sei an der Zeit, jene Menschen zu entlasten, die auf das Auto angewiesen seien. Mit einer europäischen Übergewinnsteuer könnten laut Grasslober die Mineralölsteuer und die CO₂-Bepreisung gesenkt und dadurch der Kostendruck reduziert werden.

Darüber hinaus bekräftigt der ÖAMTC seine Forderung nach einer kritischen Untersuchung und stärkeren Regulierung der internationalen Preisnotierungen für Diesel und Super. Verlässliche Notierungen seien nach Auffassung des Mobilitätsclubs eine Voraussetzung für faire Preise an europäischen Tankstellen.

Reparaturen teurer, Gebrauchtwagen günstiger

Neben den Kraftstoffen verteuerten sich auch andere Ausgaben rund um die Mobilität. Reparaturen privater Verkehrsmittel kosteten 4,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei neuen Pkw betrug das Plus 1,0 Prozent. Gebrauchtwagen waren hingegen um 2,0 Prozent günstiger. Bei Flugtickets schwächte sich der Preisauftrieb deutlich ab. Sie verteuerten sich im Jahresvergleich um 6,8 Prozent, nachdem im Juli noch ein Plus von 15,5 Prozent verzeichnet worden war.

Heizöl um 48,1 Prozent teurer

Auch im Bereich Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe nahm der Preisdruck zu. Die Preise stiegen gegenüber August 2025 um durchschnittlich 3,3 Prozent, nach 2,8 Prozent im Juli. Haushaltsenergie verteuerte sich insgesamt um 1,3 Prozent. Im Vormonat war sie noch um 0,6 Prozent günstiger gewesen.

Besonders stark fiel die Entwicklung bei Heizöl aus. Hier registrierte Statistik Austria einen Preisanstieg von 48,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gas verteuerte sich um 7,9 Prozent, feste Brennstoffe um 13,9 Prozent und Fernwärme um 1,2 Prozent.

Anders entwickelte sich der Strompreis, der um 10,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau lag. Nach Angaben von Statistik Austria wirkten unter anderem die seit Jänner 2026 geltenden Reduktionen der Elektrizitätsabgabe und des Erneuerbaren-Förderbeitrags preisdämpfend. Zusätzliche Effekte seien seit April durch den Sozialtarif für von der ORF-Gebühr befreite Haushalte sowie durch den Sommer-Netztarif entstanden. Letzterer sieht bis einschließlich September zwischen 10 und 16 Uhr ein um 20 Prozent reduziertes Netzentgelt vor.

Mieten steigen um 4,4 Prozent

Auch bei den Wohnkosten blieb die Teuerung spürbar. Die Mieten lagen um 4,4 Prozent über dem Vorjahresniveau und stiegen damit genauso stark wie bereits im Juli. Für die Instandhaltung von Wohnungen mussten Haushalte 3,6 Prozent mehr bezahlen, nach einem Plus von 3,5 Prozent im Vormonat.

Gastronomie- und Beherbergungsdienstleistungen verteuerten sich im Jahresvergleich um insgesamt 4,7 Prozent. Bei Gastronomiedienstleistungen betrug das Plus ebenfalls 4,7 Prozent. Beherbergungsdienstleistungen wurden um 3,7 Prozent teurer und damit etwas weniger stark als im Juli, als der Anstieg noch bei 3,9 Prozent gelegen hatte.

Dienstleistungen insgesamt verteuerten sich laut den Sonderaggregaten von Statistik Austria um 4,4 Prozent. Ihr Beitrag zur Inflationsrate belief sich auf 2,184 Prozentpunkte. Die Kerninflation wurde für August mit 3,0 Prozent ausgewiesen.

Freizeit und Reisen ebenfalls teurer

Mehr bezahlen mussten Konsument:innen auch für Freizeit, Sport und Kultur. Die Preise lagen hier durchschnittlich 2,5 Prozent über dem Niveau von August 2025. Im Juli hatte die Teuerung noch 1,9 Prozent betragen.

Zu dieser Entwicklung trugen unter anderem Pauschalreisen bei, die sich im Jahresvergleich um 3,2 Prozent verteuerten. Einen Monat zuvor hatte das Plus lediglich 1,5 Prozent betragen. Auch bei Freizeitdienstleistungen verstärkte sich der Preisauftrieb von 3,6 Prozent im Juli auf 4,1 Prozent im August.

Lebensmittel wirken preisdämpfend

Entlastung gab es dagegen beim Einkauf von Lebensmitteln. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kosteten im August durchschnittlich 0,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auch die Nahrungsmittel allein lagen um 0,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Statistik Austria führt diese Entwicklung unter anderem auf die seit Juli geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 10 auf 4,9 Prozent zurück.

Zwischen den einzelnen Lebensmittelgruppen gab es allerdings deutliche Unterschiede. Obst verteuerte sich gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent. Getreide und Getreideerzeugnisse wurden hingegen um 0,7 Prozent günstiger, Milch und Eier um 3,8 Prozent sowie Speisefette und -öle um 13,3 Prozent. Bei Gemüse gingen die Preise um 0,7 Prozent zurück. Fleisch, das von der Steuersenkung nicht betroffen ist, verteuerte sich um 1,2 Prozent.

Alkoholfreie Getränke kosteten im Durchschnitt 0,6 Prozent weniger. Ausschlaggebend dafür war laut Statistik Austria unter anderem Kaffee, dessen Preis um 1,4 Prozent zurückging. Bei einzelnen Produkten fielen die Rückgänge noch deutlicher aus: Butter war laut Detailauswertung um 25,8 Prozent und Gouda um 7,7 Prozent günstiger als im August 2025.

Auch im Euroraum zieht die Teuerung an

Der stärkere Preisauftrieb ist nicht nur in Österreich zu beobachten. Auch auf europäischer Ebene beschleunigte sich die Teuerung im August. Nach Angaben von Eurostat stieg die jährliche Inflationsrate im Euroraum auf 3,2 Prozent, nachdem sie im Juli noch bei 2,9 Prozent gelegen hatte. Im August 2025 waren es 2,0 Prozent. In der gesamten Europäischen Union erhöhte sich die Rate ebenfalls auf 3,2 Prozent, nach 3,0 Prozent im Juli und 2,4 Prozent ein Jahr zuvor.

Zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten bestanden allerdings erhebliche Unterschiede. Die niedrigsten jährlichen Teuerungsraten verzeichneten Schweden mit 0,3 Prozent, Estland mit 1,3 Prozent und Tschechien mit 1,5 Prozent. Am anderen Ende der Skala standen Rumänien mit 6,3 Prozent, Litauen mit 5,6 Prozent und Zypern mit 5,2 Prozent. Gegenüber Juli ging die jährliche Inflationsrate in sechs Mitgliedstaaten zurück, in einem blieb sie unverändert und in 20 Ländern nahm sie zu.

www.statistik.at

www.ec.europa.eu/eurostat

www.oeamtc.at

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