"Cross Pulse Pannonia – The Sound of Hope"
Priester-DJ brachte 5.000 Menschen auf der Seebühne Mörbisch zum Tanzen

Der international gefeierte Padre Guilherme aus Portugal brachte seinen ungewöhnlichen Mix aus katholischem Glauben und Techno erstmals in den deutschsprachigen Raum. Das Vorprogramm bestand aus einem Gottesdienst.

Auf der Seebühne Mörbisch ist man große Inszenierungen gewohnt. Neben den traditionellen Seefestspielen, die heuer den Musicalhit "Ein Käfig voller Narren" zeigten (LEADERSNET berichtete), gastieren am Neusiedler See regelmäßig auch internationale Stars wie etwa Stargeiger David Garrett (LEADERSNET berichtete). Was sich nun aber vergangenen Samstag auf der Seebühne abspielte, war eine echte Premiere: Im Rahmen von "Cross Pulse Pannonia – The Sound of Hope" stellte sich erstmals ein katholischer Priester ans DJ-Pult und brachte rund 5.000 Menschen zum Tanzen.

Vom Gottesdienst direkt ans DJ-Pult

Hinter dem ungewöhnlichen Auftritt stand der portugiesische Geistliche Guilherme Peixoto, der unter seinem Künstlernamen Padre Guilherme international bekannt geworden ist. Für ihn war das Konzert in Mörbisch zugleich der erste Auftritt im deutschsprachigen Raum. Bevor er seine Kopfhörer aufsetzte, war er auf derselben Bühne allerdings noch in seiner ursprünglichen Funktion gefragt.

Den Auftakt des Festivals bildete nämlich eine Heilige Messe um 17 Uhr, an der laut Diözese Eisenstadt rund 1.000 Menschen teilnahmen. Die Leitung des Gottesdienstes übernahm Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics persönlich, während Pater Manuel Sandesh für die Predigt verantwortlich zeichnete – und diese teils in Rap-Form vortrug. Padre Guilherme hingegen zelebrierte die Messe gemeinsam mit den anderen Geistlichen, bevor er später selbst mit einem Techno-Set das musikalische Hauptprogramm übernahm.

@maxmarkus3 #padreguilherme #dj #fy #eisenstadt #@Padre Guilherme #thesoundofhope ♬ Originalton - Max Markus

Ziel des ungewöhnlichen Veranstaltungskonzepts sei laut der Diözese gewesen, zu zeigen, wie sich religiöse Botschaften auch außerhalb klassischer Kirchenräume vermitteln lassen, um vor allem auch junge Menschen anzusprechen. Gegenüber ORF Burgenland erklärte Bischof Zsifkovics zudem, man habe dafür "ein bisschen den Muff und den Staub der Geschichte abgelegt", um sich zu öffnen und insbesondere jüngere Menschen zu erreichen. Dass Musik und Tanz mit dem Glauben vereinbar sein können, begründete der Veranstalter zudem mit Psalm 150, in dem es heißt: "Lobt ihn [Gott] mit Trommel und Tanz, lobt ihn mit Saiten und Flöten."

Vom Militärseelsorger zum internationalen DJ

Was in Mörbisch wie ein ungewöhnliches Experiment wirkte, gehört für Padre Guilherme längst zum beruflichen Alltag. Der Portugiese wurde 1999 zum Priester geweiht und war unter anderem als Militärseelsorger tätig. Während eines Aufenthalts in Afghanistan begann er 2010, Veranstaltungen für Soldat:innen zu organisieren und sich intensiver mit dem Auflegen zu beschäftigen. Zurück in Portugal besuchte er eine DJ-Schule und nutzte Musikveranstaltungen zunächst auch, um Geld für seine Pfarre zu sammeln, wie Reuters berichtete.

International bekannt wurde Padre Guilherme spätestens beim Weltjugendtag 2023 in Lissabon. Dort spielte er am frühen Morgen vor der Abschlussmesse von Papst Franziskus für Hunderttausende junge Pilger:innen. Seither tritt er sowohl bei kirchlichen Großveranstaltungen als auch in bekannten Clubs und auf internationalen Festivals auf. Seine Sets verbinden elektronische Musik mit religiösen Liedern, Friedensbotschaften und eingespielten Reden bekannter Persönlichkeiten. Auf diese Weise will er vor allem Menschen erreichen, die über traditionelle kirchliche Angebote kaum noch angesprochen werden.

@die_dorftrulla Richtig geiles Konzert von @Padre Guilherme ❤️ #padreguilherme #supermario #techno #mörbisch ♬ Originalton - ✨️DieUnsympathische✨️

Wie weit ihn dieses Konzept mittlerweile trägt, zeigte sich im April 2026 in Buenos Aires. Auf der Plaza de Mayo veranstaltete der Priester einen frei zugänglichen Rave zu Ehren des verstorbenen Papstes Franziskus. Dabei kombinierte er laut Associated Press religiöse Elemente mit Musik von Queen und Bad Bunny sowie eigenen Produktionen.

Gänzlich unumstritten ist diese Verbindung von Glauben und Clubkultur nicht. Vor einem Auftritt in Beirut versuchten mehrere christliche Vertreter gerichtlich, sein Konzert verhindern zu lassen, weil sie darin eine Verfälschung religiöser Traditionen sahen. Der Antrag wurde abgewiesen. Peixoto selbst versteht das Auflegen nicht als Gegensatz zu seiner Tätigkeit als Priester, sondern als zusätzliche Möglichkeit, seine Botschaften zu vermitteln.

Ob Techno und Liturgie für alle zusammenpassen, bleibt also wohl Ansichtssache. Ob solche Formate junge Menschen auch langfristig wieder näher an die Kirche heranführen, lässt sich an einem einzelnen, gut besuchten Abend allerdings nicht ablesen.

www.seefestspiele-moerbisch.at

www.martinus.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV