Im BMW Group Werk Steyr nimmt die Vorbereitung auf die künftige Produktion von Brennstoffzellensystemen (LEADERSNET berichtete) konkrete Formen an. Während Prototypen des iX5 Hydrogen ein umfassendes Erprobungsprogramm durchlaufen, ist die dritte Generation des Brennstoffzellensystems in die nächste Prototypenbauphase gestartet. Parallel werden in Oberösterreich Prüfstände, Produktionsanlagen und spätere Serienprozesse vorbereitet.
Steyr übernimmt dabei sowohl Entwicklungs- als auch Produktionsaufgaben. Die Teams arbeiten gemeinsam mit dem BMW-Kompetenzzentrum für Wasserstoff in München an der Technologie und sollen Prüf- und Fertigungsprozesse für die spätere Serienproduktion entwickeln.
Vom V8 zur Brennstoffzelle
Besonders deutlich wird der Wandel des Standorts in der Produktion. Denn die künftige Fertigung der Brennstoffzellensysteme entsteht auf einer Fläche, die bislang für die Montage von V8-Benzinmotoren genutzt wurde. Das bisherige Fertigungskonzept wird dafür grundlegend angepasst. Erste Prüfstände wurden laut BMW bereits aufgebaut und Produktionsanlagen adaptiert. Parallel beginnt die Qualifizierung der Beschäftigten für die neuen Aufgaben.
"Die besondere Stärke unseres Standorts liegt im direkten Zusammenspiel von Entwicklung und Produktion", sagt Helmut Hochsteiner, Leiter E-Antriebsproduktion im BMW Group Werk Steyr. Die Erfahrungen aus Diesel- und E-Antrieben würden nun auch in die Industrialisierung der Wasserstofftechnologie einfließen.
Dritte Generation soll effizienter und kompakter werden
Beim Brennstoffzellensystem selbst konzentriert sich BMW derzeit auf die Absicherung der Technologie, die Finalisierung der Prüfmethoden und die Vorbereitung der Serienfertigung. Die dritte Generation soll gegenüber bisherigen Entwicklungsständen effizienter, kompakter und leistungsfähiger sein. Getestet wird das System in Steyr unter unterschiedlichen Betriebsbedingungen.
"Wir befinden uns aktuell in einer entscheidenden Phase der Industrialisierung", sagt Oliver Fürst, Projektleiter Brennstoffzellensystem im Entwicklungszentrum in Steyr. Die Entwicklungsarbeit verlagere sich zunehmend in Richtung Serienabsicherung.
Wasserstoff soll Batterieantrieb ergänzen
BMW sieht die Brennstoffzelle nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum batterieelektrischen Antrieb. Der iX5 Hydrogen kombiniert Brennstoffzellensystem, Elektromotor, Hochvoltbatterie und Wasserstoffspeicher. Nach Angaben des Herstellers soll die Technologie insbesondere für Anwendungen interessant sein, bei denen hohe Reichweiten, kurze Betankungszeiten und hohe Einsatzflexibilität gefragt sind.
Für Steyr bedeutet das Projekt eine weitere Erweiterung seines Antriebsspektrums. Rund 4.700 Beschäftigte produzieren dort jährlich mehr als 1,2 Millionen Benzin-, Diesel- und Elektromotoren. Die Serienproduktion von E-Antrieben startete im Sommer 2025 - zuletzt wurde sie stark hochgefahren (LEADERSNET berichtete). Künftig sollen am oberösterreichischen Standort auch die Brennstoffzellensysteme für das erste Wasserstoff-Serienfahrzeug der BMW Group gefertigt werden.
Wasserstoffantrieb bleibt umstritten
Der Einsatz von Wasserstoff in Pkw ist allerdings umstritten. Zahlreiche Expert:innen sehen batterieelektrische Fahrzeuge aufgrund ihrer höheren Energieeffizienz im Vorteil, da bei Herstellung, Speicherung und Umwandlung von Wasserstoff zusätzliche Energieverluste entstehen. Hinzu kommt die bislang dünne Tankstelleninfrastruktur. Größeres Potenzial wird Wasserstoff daher häufig in Bereichen zugeschrieben, die sich schwieriger direkt elektrifizieren lassen – etwa im Schwerverkehr, in der Schifffahrt oder perspektivisch in der Luftfahrt.
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