"Schatten-KI" im Büro
Jeder sechste Berufstätige nutzt Künstliche Intelligenz heimlich im Job

| Larissa Bilovits 
| 10.09.2026

Wo klare Vorgaben fehlen, greifen Beschäftigte zu Tools, die niemand freigegeben hat. Ein großer Teil der heimischen Belegschaften lässt die Technologie dagegen komplett links liegen.

Chatbots formulieren Mails, fassen Besprechungsnotizen zusammen und liefern binnen Sekunden brauchbare Textentwürfe. Was im Privaten längst Routine geworden ist, hält auch in österreichischen Büros Einzug – nur eben nicht immer mit dem Wissen der Vorgesetzten. Rund 17 Prozent der Berufstätigen im Land – also rund jeder Sechste – greifen zu KI-Assistenten, ohne dass ihr Unternehmen davon erfährt. Lediglich 23 Prozent arbeiten ausschließlich mit Anwendungen, die offiziell freigegeben wurden. Gleichzeitig lassen 42 Prozent komplett die Finger von KI, wie eine repräsentative Erhebung von Tieto Austria gemeinsam mit TQS Research & Consulting unter 795 Berufstätigen (siehe Infobox) zeigt.

Ohne Richtlinien bleibt die Technologie ungenutzt

Die Gründe für die Zurückhaltung liegen selten an der Technik selbst. Knapp ein Viertel der Befragten (24 %) verzichtet auf KI-Assistenten, weil im eigenen Betrieb schlicht nicht geregelt ist, was erlaubt ist und was nicht. Weitere 18 Prozent halten sich fern, weil sie den Resultaten der Systeme nicht ausreichend über den Weg trauen. Beide Motive laufen auf dasselbe hinaus: Beschäftigte bleiben bei Word, Excel und Co., obwohl sie privat längst mit KI hantieren.

GRAFIK 1: Wie nutzen Sie KI-Assistenten im Arbeitsalltag?Nutzung von KI-Assistenten im Arbeitsalltag. © Tieto

"Der KI-Einsatz im Job schreitet schneller voran, als Arbeitgeber mithalten können. Beschäftigte wollen ihre gewohnte private KI-Nutzung auch beruflich einsetzen, um produktiver zu arbeiten. Doch bei den technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen hinken heimische Unternehmen hinterher", meint Robert Kaup, Geschäftsführer des Tech-Consulting-Dienstleisters Tieto Austria.

Jüngere Beschäftigte greifen am häufigsten zur Schatten-KI

Wer keine klaren Vorgaben bekommt, macht sich oft einfach seine eigenen. Am ausgeprägtesten zeigt sich das bei den 16- bis 29-Jährigen, von denen 24 Prozent unerlaubt auf KI-Tools zugreifen. Auch geografisch fällt das Bild ungleichmäßig aus: Im Burgenland liegt der Anteil der Nutzung von "Schatten-KI" bei 27 Prozent, in Salzburg lediglich bei zehn Prozent.

GRAFIK 2: Regionale Unterschiede - Nutzung von genehmigten KI-Assistenten im Arbeitsalltag versus Nutzung ohne Wissen oder Zustimmung des ArbeitgebersRegionale Unterschiede bei Nutzung von genehmigten KI-Assistenten vs. Schatten-KI. © Tieto

Für Unternehmen ist dieser inoffizielle Weg ein zweischneidiges Schwert. Er verschafft Tempo, entzieht sich aber jeder Kontrolle, sobald interne Unterlagen in frei zugängliche Plattformen wandern. "Schatten-KI ist ein Damoklesschwert für Unternehmen: Sie treibt die Produktivität, riskiert aber Datenschutzverletzungen, sobald Mitarbeitende vertrauliche Firmendaten in öffentliche KI-Plattformen eingeben. Wer jetzt keine klaren Regeln schafft, verliert die Kontrolle", warnt Kaup.

Jeder fünfte Arbeitgeber nimmt das Restrisiko in Kauf

Wie die Chefetagen mit dem Thema umgehen, hat Tieto Austria in einer zweiten TQS-Befragung erhoben. Dafür wurden 100 KI-Verantwortliche aus mittleren (ab 250 Mitarbeitenden) und großen (ab 500 Mitarbeitenden) heimischen Unternehmen interviewt. Insgesamt setzt die Mehrheit von 62 Prozent demnach auf Vorbeugung, also auf schriftliche Richtlinien und ein definiertes Set an freigegebenen Werkzeugen.

GRAFIK 3: Wie geht Ihr Unternehmen mit dem potenziellen Risiko um, dass Mitarbeitende nicht-autorisierte KI-Tools einsetzen?Reaktion der Arbeitgeber auf Schatten-KI. © Tieto

Ein beachtlicher Teil verzichtet allerdings bewusst auf Gegenmaßnahmen: 19 Prozent der Arbeitgeber kalkulieren ein Restrisiko ein und dulden die "Schatten-KI" in ihrem Haus. Ob Mitarbeitende tatsächlich zu nicht genehmigten Anwendungen greifen, überprüft überhaupt nur knapp die Hälfte der Betriebe (46 %) mit technischen Mitteln.

Burgenland liegt bei KI-Nutzung insgesamt klar voran

Trotz der offenen Fragen ist die Technologie im Arbeitsalltag definitiv angekommen. Zählt man die genehmigte und die heimliche Nutzung zusammen, arbeiten insgesamt bereits rund 40 Prozent der Berufstätigen mit KI-Assistenten. Männer sind mit 44 Prozent dabei häufiger vertreten als Frauen mit 36 Prozent.

Deutlich stärker als das Geschlecht wirken sich Wohnort und Ausbildung aus. Im Burgenland nutzen zwei Drittel der Arbeitnehmer:innen (66 %) entsprechende Programme, in Salzburg und Kärnten ist es mit je 34 Prozent nur rund ein Drittel. Ähnlich klafft die Schere beim Bildungsgrad auseinander, der von 31 Prozent bei Personen ohne Matura über rund 53 Prozent bei Maturant:innen bis zu rund 66 Prozent bei Studienabsolvent:innen reicht.

"KI-Assistenten sind in Österreichs Betrieben angekommen – aber oft durch die Hintertür. Das ist ein Warnsignal. Beschäftigte brauchen klare Richtlinien, genehmigte KI-Tools und gezielten Kompetenzaufbau. Nur so wird KI zum Produktivitätsfaktor statt zum unkontrollierten Risiko", resümiert Kaup.

www.tieto.com

Über die Studie

Die Ergebnisse stammen aus einer Umfrage von Tieto Austria und TQS Research & Consulting. Die Erhebung erfolgte mittels CAWI (Computer Assisted Web Interviews). Befragt wurden 1.000 Österreicher:innen repräsentativ nach Geschlecht, Alter, Bundesland und Bildung, davon 795 Berufstätige.

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Über die Studie

Die Ergebnisse stammen aus einer Umfrage von Tieto Austria und TQS Research & Consulting. Die Erhebung erfolgte mittels CAWI (Computer Assisted Web Interviews). Befragt wurden 1.000 Österreicher:innen repräsentativ nach Geschlecht, Alter, Bundesland und Bildung, davon 795 Berufstätige.

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