Wenn der Duft von Backwaren und deftigen Speisen durch die Stammersdorfer Straßen zieht, Gläser mit Wiener Wein gefüllt werden und historische Traktoren zwischen den Buschenschanken Aufstellung nehmen, stehen in Floridsdorf wieder die Stammersdorfer Weintage auf dem Programm. Im Rahmen dessen präsentierten auch heuer am 29. und 30. August lokale Winzer:innen und Gastronomiebetriebe ihre Erzeugnisse und verwandelten das Grätzel am Fuße des Bisambergs in einen Treffpunkt für Bevölkerung, Wirtschaft und Politik.
Bereits im Vorfeld hatten die Veranstalter:innen mit rund 15.000 Besucher:innen gerechnet. Gerhard Spitzer, Gemeinderat und Mitglied des Kulturvereins Lebenswertes Floridsdorf, zeigte sich mit dem Zulauf zufrieden: "Tolle Stimmung, riesig tolles Wetter und unglaublich viel Publikum, die sich mit uns freuen, dass wir auch heuer wieder die Stammersdorfer Weintage über die Bühne gehen lassen."
Premiere für die Kinder-Traktorparade
Zu den Fixpunkten des zweitägigen Festes zählte erneut die Oldtimer-Traktorparade. Rund 30 historische Fahrzeuge wurden für die Fahrt durch die Stammersdorfer Straße erwartet. Eine Premiere gab es zudem am Sonntag. Erstmals wurde eine eigene Kinder-Traktorparade veranstaltet. Rund 200 Teilnehmer:innen waren im Vorfeld erwartet worden. Bevor sie mit Bobbycars, Trettraktoren und Dreirädern durch die Straße rollten, konnten sie ihre Fahrzeuge an einer eigens eingerichteten "Pimp-Station" dekorieren.
Live-Musik, Volkstanz, Kinderangebote und eine Kreativmeile ergänzten das Programm. Die offizielle Eröffnung begleitete der Musikverein Stammersdorf und der Stammersdorfer Männergesangsverein.
Wein und Gastronomie "untrennbar" verbunden
Im Mittelpunkt standen die Stammersdorfer Winzer:innen, Buschenschanken und Gastronomiebetriebe. Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien, sieht Wein und Gastronomie als eng miteinander verbunden:
Stammersdorf zählt zu den prägenden Weinbauorten im Norden Wiens. Die sandigen Lössböden und die südlich beziehungsweise südöstlich ausgerichteten Hänge bieten Bedingungen für den Anbau von Weiß- und Rotweinreben. Die Landwirtschaftskammer Wien führt für den Ort mehr als 20 Weinbau- und Buschenschankenbetriebe an.
In ganz Wien wird laut Stadtverwaltung auf rund 700 Hektar Wein angebaut. Etwa 80 Prozent der Flächen entfallen auf Weißwein-, rund 20 Prozent auf Rotweinsorten. Die Stadt spricht von ungefähr 400 Weinbaubetrieben und einer jährlichen Produktion von rund 20.000 Hektoliter. Hans Arsenovic, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Wien sowie Landtagsabgeordneter und Gemeinderat, schrieb Veranstaltungen wie den Weintagen wirtschaftliche Bedeutung zu: "Die Stammersdorfer Weintage haben einen immensen Mehrwert. Einerseits natürlich für die Gastronomie selbst, für den Wiener Wein, für die Weinbauer:innen, aber was man nie vergessen darf, auch für den Tourismus."
Barbara Prilisauer, stellvertretende Obfrau der Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer Wien, hob vor allem den Begegnungscharakter hervor: "Die bringen die Leute zusammen. Erstensmal ist es eine Riesenwerbung für den Wiener Wein und die Leute haben kurz vor Schulanfang noch einmal die Gelegenheit, ordentlich zu feiern."
Wirtschaftskammer setzt auf Präsenz im Grätzel
Neben dem kulinarischen Programm dienen die Weintage auch als Treffpunkt für Vertreter:innen der lokalen Wirtschaft und der Wirtschaftskammer. Für Peschta ist die Arbeit der Bezirksvertretung dabei von besonderer Bedeutung: "Es ist wichtig, dass man nah an den Betrieben ist, dass man die Ohren ganz nah an den Betrieben hat, den Finger am Puls. Es ist wichtig, die Probleme, die es gibt, anzusprechen, sie mitzunehmen und dann Lösungen zu suchen."
Auch Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, betonte die Präsenz bei den Unternehmen: "Die Bezirksvertretung im Grätzel ist für mich ganz bedeutend, denn wir wollen vor Ort sein. Wir wollen bei den Betrieben sein und mit ihnen ihre Anliegen reflektieren und auch entsprechende Maßnahmen treffen."
Martina Haslinger-Spitzer, stellvertretende Obfrau der Fachgruppe Gastronomie, verwies auf die Funktion solcher Begegnungen für die regionale Vernetzung: "Die Vertretung WKO im Bezirk Floridsdorf ist ganz wichtig, weil es ein großes Netzwerk ist von verschiedenen Betrieben, die zusammenkommen, wo man wirklich von dem einen oder vom anderen merkt: Was machen die, was tun die? Und es finden sich ganz einfach Firmenkontakte. Das ist gut, wenn auch die Arbeit und die Aufträge in Floridsdorf bleiben." Über Floridsdorf hinaus sollte eine Kooperation mit der Bezirksvertretung der Wirtschaftskammer in Simmering zusätzliche Kontakte ermöglichen. Marie-Louise Prinz, WK-Wien-Bezirksobfrau in Simmering, erklärte, der Fokus liege auf Synergien zwischen den beiden Bezirken und der Vernetzung innerhalb der Wiener Wirtschaft.
Sponsorin sorgte für mobile Bankomaten
Erstmals standen bei den Stammersdorfer Weintagen zwei mobile Bankomaten zur Verfügung. Bereitgestellt wurden sie von der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, die als Hauptsponsorin der Veranstaltung auftrat. Christiane Flehberger, Vorstandsdirektorin für Privatkund:innen und KMU bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, bezeichnete das Fest als Gelegenheit, den Kontakt zu Kund:innen vor Ort zu pflegen: "Für uns ist die Nähe zu den Kund:innen nicht nur am Papier wichtig, sondern auch, dass wir das live leben dürfen und erleben können. Und da ist das Stammersdorfer Weinfest natürlich eine großartige Gelegenheit."
Begegnungen über politische Grenzen hinweg
Vertreter:innen verschiedener politischer Parteien nutzten die Weintage ebenfalls zum Austausch. Marcus Schober, Landtagsabgeordneter, Gemeinderat und Vorsitzender des Wiener Bildungsausschusses, sah darin eine verbindende Funktion: "Alle Fraktionen sind hier, die Wirtschaft ist hier, die Bevölkerung ist hier. Ich glaube, ganz wichtig ist, dass man zusammenkommt, redet, die eine oder andere Meinung austauscht und dann einen Konsens findet. Es macht Spaß." Ähnlich äußerte sich Leonore Gewessler, Nationalratsabgeordnete und Bundessprecherin der Grünen: "Ob es eine Jause ist oder ein Glas Wein zum Trinken, das bringt die Menschen ins Gespräch, das bringt die Menschen zusammen, und davon brauchen wir in der Zeit, wo es so viel Spaltung gibt, einfach mehr. Deswegen komme ich immer gerne auf so ein Fest."
Damit reichten die Stammersdorfer Weintage auch 2026 über ein klassisches Weinfest hinaus. Zwischen Gläsern, Traktoren und Musik rückten sie nicht nur den Wiener Wein ins Zentrum, sondern boten lokalen Betrieben, Interessenvertretung, Politik und Bevölkerung Raum für Gespräche.
Im Video zu sehen
Neben Thomas Peschta (Obmann Fachgruppe Gastronomie WKW), Margarete Kriz-Zwittkovits (Präsidentin WKW & Obfrau Wirtschaftsbund Wien), Hans Arsenovic (Vizepräsident WKW, Landtagsabgeordneter & Gemeinderat), Barbara Prilisauer (Obmann-Stv., Fachgruppe Gastronomie WKW), Martina Haslinger-Spitzer (Obmann-Stv., Fachgruppe Gastronomie WKW), Christiane Flehberger (Vorstandsdirektorin für Privatkunden & KMU, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien AG), Marcus Schober (Landtagsabgeordneter, Gemeinderat & Vorsitzender, Wiener Bildungsausschuss SPÖ), Marie-Louise Prinz (WK Wien-Bezirksobfrau Simmering), Leonore Gewessler (Nationalratsabgeordnete, Bundessprecherin & Klubobfrau Die Grünen) und Gerhard Spitzer (Landtagsabgeordneter, Gemeinderat & Mitglied Kulturverein Lebenswertes Floridsdorf) holte LEADERSNET.tv auch Gerhard Grimm (Team Organisation, Verein VolXfest) und Christian Meidlinger (1. Landtagspräsident) vor die Kamera.
Darüber hinaus können Sie sich mittels Galerie einen Eindruck von den heurigen Stammersdorfer Weintagen machen.
www.wko.at
www.volxfest.at
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