Editorial des Herausgebers
Die Alternative wäre schlimmer

Redaktion 
| 01.09.2026

Ein möglicher Einstieg von Rewe bei MPreis sorgt für Diskussionen. Natürlich kann man darin den nächsten Schritt der Konzentration im Lebensmittelhandel sehen. Man kann aber auch einen Blick auf die wirtschaftliche Realität werfen. Und die ist komplizierter.

Noch ist nichts entschieden. Doch Rewe prüft offenbar eine Beteiligung an MPreis. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre das zweifellos eine Zäsur für das Tiroler Familienunternehmen und auch für den österreichischen Lebensmittelhandel.

Man kann darüber klagen. Noch ein großer Konzern, noch mehr Konzentration, noch weniger unabhängige Player. Nach dem Ende von Unimarkt wäre MPreis der nächste kleinere Marktteilnehmer, bei dem einer der ganz Großen zumindest einen Fuß in der Tür hätte. Das klingt zunächst nicht unbedingt nach einer guten Nachricht für die Vielfalt im heimischen LEH.

Man kann aber auch realistisch bleiben.

MPreis sucht nicht zum Spaß nach einem strategischen Partner. Das Unternehmen steht wirtschaftlich unter Druck. Auf einen Umsatz von rund 907 Millionen Euro kam 2024 ein Verlust von 7,3 Millionen Euro. Auch die beiden Jahre davor waren negativ. Wer unter diesen Voraussetzungen einen Investor sucht, tut das normalerweise nicht, weil gerade alles wunderbar läuft.

Und wer soll dieser Investor sein? Ein internationaler Handelskonzern ohne Österreich-Erfahrung wird sich den Einstieg in einen der konzentriertesten und wettbewerbsintensivsten Lebensmittelmärkte Europas wohl zweimal überlegen. Der heimische Markt ist komplex, regional geprägt und wird von einigen hervorragend aufgestellten Unternehmen dominiert. Einfach ein paar hundert Millionen auf den Tisch zu legen und anschließend auf das Beste zu hoffen, dürfte kaum jemanden überzeugen.

Damit landet man zwangsläufig bei jenen Unternehmen, die den österreichischen Markt kennen. Rewe gehört dazu.

Natürlich wäre eine Beteiligung für die Kölner strategisch attraktiv. Gerade im Westen könnte Rewe seine Position gegenüber Spar deutlich stärken. MPreis wiederum könnte von Kapital, Einkaufsmacht, Logistik und den Strukturen eines europäischen Handelsriesen profitieren. Das wäre keine Liebesheirat. Es wäre eine Interessengemeinschaft.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob eine Rewe-Beteiligung die Konzentration im österreichischen Lebensmittelhandel weiter erhöht. Natürlich würde sie das zumindest ein Stück weit tun. Die entscheidende Frage lautet: Was ist die realistische Alternative?

Wenn MPreis frisches Kapital benötigt und keinen Partner findet, könnte es irgendwann nicht mehr um 25 Prozent gehen. Dann könnte das Unternehmen als eigenständiger Marktteilnehmer insgesamt zur Disposition stehen. Nach dem Ende von Unimarkt wäre das für den Wettbewerb die denkbar schlechteste Entwicklung.

Manchmal bedeutet Wettbewerbspolitik deshalb auch, zwischen mehreren nicht perfekten Möglichkeiten abzuwägen. Ein finanziell stabilisiertes MPreis mit einem starken Minderheitseigentümer könnte für die Vielfalt im österreichischen Lebensmittelhandel am Ende jedenfalls wesentlich besser sein als gar kein MPreis mehr.

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