Die Geschichte der k.u.k. Hofzuckerbäckerei Zauner reicht bis ins Jahr 1832 zurück. Damals holte der kaiserliche Leibarzt Franz de Paula Wirer den Wiener Zuckerbäcker Johann Zauner nach Bad Ischl, wo dieser eine Konditorei eröffnete. In der Kaiserzeit entwickelte sich das Haus zu einer bekannten Adresse der österreichischen Kaffeehaus- und Mehlspeisekultur. Zu den bekanntesten Kreationen zählt der 1905 entstandene Zaunerstollen, der heuer im Mai bereits zum zehnmillionsten Mal verkauft wurde (LEADERSNET berichtete).
Nun, 194 Jahre nach der Gründung, wagte das Familienunternehmen erstmals den Schritt über Bad Ischl hinaus und eröffnete am 1. September 2026 einen rund 40 Quadratmeter großen Pop-up-Store im Innsbrucker Stadtquartier Das Raiqa (LEADERSNET berichtete). Dort werden etwa 60 Produkte aus dem Sortiment sowie wechselnde saisonale Spezialitäten angeboten. "Noch während wir den Store eingeräumt haben, wollten die ersten Passant:innen bereits bei uns einkaufen", erzählt Philipp Zauner, der das Familienunternehmen in siebter Generation führt. "Ein schöneres Willkommen in Innsbruck hätten wir uns kaum wünschen können."
Beim Durchschneiden des roten Bandes (v.l.n.r.) Philipp und Josef Zauner mit Mariella Lutz, Thomas Wass und Johannes Anzengruber © Luca Jaenichen für Zauner
Produktion bleibt in Bad Ischl
Zum Sortiment in Innsbruck gehören unter anderem der Zaunerstollen, Confisserieprodukte und Gebäck. Produziert wird laut Unternehmensangaben ausschließlich in der Zauner-Backstube in Bad Ischl, von wo aus die Waren nach Innsbruck geliefert werden. Ergänzt wird das Angebot durch saisonale Produkte. Rund um Allerheiligen soll etwa ein mit karamellisierten Walnüssen und kandierten Früchten verfeinerter Striezel erhältlich sein. Für die Vorweihnachtszeit kündigt das Unternehmen Adventkalender und Lebkuchenhäuser an, zum Jahreswechsel sollen traditionelle Glücksbringer folgen. Ein Schaustück im Store soll zudem Einblicke in die handwerkliche Fertigung geben.
"Wir möchten nicht einfach ein fixes Sortiment nach Innsbruck bringen, sondern immer wieder neue Gründe schaffen, bei uns vorbeizuschauen", so Zauner. "Wer heute kommt und einige Wochen später wieder, wird Neues entdecken."
Persönliche Verbindung zu Innsbruck
Bei der Wahl des ersten eigenen Standorts außerhalb Bad Ischls spielte neben der Lage des Raiqa auch die persönliche Biografie des Geschäftsführers eine Rolle. Philipp Zauner studierte Betriebswissenschaft an der Universität Innsbruck und übernahm im Herbst 2020 die Geschäftsführung des Familienunternehmens. "Innsbruck ist für mich daher nicht irgendeine Stadt. Ich habe hier eine wichtige Zeit meines Lebens verbracht und sehr positive Erinnerungen daran", sagt Zauner. "Als sich diese außergewöhnliche Möglichkeit ergeben hat, hat Vieles zusammengepasst: die Lage, das Konzept – und meine persönliche Beziehung zu Innsbruck."
Auch Innsbruck Bürgermeister Johannes Anzengruber sieht in der Ansiedlung eine Verbindung von Tradition und Stadtentwicklung. "Zauner und Innsbruck – das passt perfekt: Tradition trifft auf alpine Urbanität. Wir heißen dieses traditionsreiche Haus herzlich willkommen. Dass es große Namen und Marken nach Innsbruck zieht, zeigt die Strahlkraft und Attraktivität unserer Stadt", so das Stadtoberhaupt.
Raiqa nährt sich dem Vollbetrieb
Das von der Raiffeisen-Landesbank Tirol entwickelte Raiqa umfasst rund 23.000 Quadratmeter Nutzfläche und verbindet unter anderem Bankwesen, Büros, Handel, Gastronomie, Hotellerie und Kultur. Das Quartier fungiert zugleich als Verbindung zwischen dem Innsbrucker Hauptbahnhof und der Innenstadt. Zu den bereits eröffneten Einrichtungen zählen unter anderem ein Radisson RED Hotel mit 161 Zimmern, das Rooftop-Lokal loft9, das Frieda Qultbistro, die Kunstbrücke sowie die neue Bankstelle der Raiffeisen-Landesbank Tirol. Der Pop-up-Bereich ist für wechselnde Anbieter:innen und Konzepte vorgesehen.
"Tradition, Handwerk und ein hochwertiges Produkterlebnis treffen hier auf ein modernes, urbanes Umfeld. Dieses wird nun um eine süße Nuance mit Spezialitäten aus Bad Ischl bereichert", sagt Thomas Wass, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Landesbank Tirol.
Der Zauner Pop-Up-Store im Raiqa © Luca Jaenichen für Zauner
Zehnmillionster Zaunerstollen im Mai
Zauner blickt auf eine 194-jährige Geschichte zurück. Heute leitet Philipp Zauner den Betrieb in siebenter Generation. Neben dem Stammhaus in der Pfarrgasse betreibt das Unternehmen in Bad Ischl das Grand Café und Restaurant Zauner an der Esplanade.
Die bekannteste Spezialität des Hauses, der Zaunerstollen, entstand, wie eingangs erwähnt, 1905. Der Unternehmenschronik zufolge entwickelte sich der Zaunerstollen aus zerbrochenen Ischler Oblaten, die mit einer Haselnuss-Schokoladenmasse vermischt, in eine längliche Form gepresst und mit Schokolade überzogen wurden. Im Mai meldete das Unternehmen den Verkauf des zehnmillionsten Zaunerstollens. Nach eigenen Angaben werden jährlich rund 200.000 Stück hergestellt und verkauft.
Pilotprojekt eines Traditionsunternehmens
Ob aus dem Innsbrucker Pilotprojekt ein langjähriges Engagement entsteht, ist derzeit noch offen. Zunächst will das Unternehmen beobachten, wie der neue Standort bei Einheimischen und Gästen angenommen wird.
"Wir sind sehr gespannt, wie die Innsbruckerinnen und Innsbrucker sowie die zahlreichen Touristen unser Angebot annehmen. Die ersten Reaktionen beim Einräumen haben jedenfalls schon Lust auf mehr gemacht", sagt Philipp Zauner abschließend.
www.zauner.at
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