Wie langlebig sind Batterien von Elektroautos tatsächlich? Erst kürzlich zeigte eine Auswertung von knapp 10.000 gebrauchten Stromern, dass die Akkus nach 100.000 Kilometern im Durchschnitt noch 92,4 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität aufweisen. LEADERSNET berichtete ausführlich über die Ergebnisse und die offenbar langsamere Alterung bei steigender Laufleistung.
Nun legt der österreichische Batteriediagnosespezialist Aviloo, dessen Diagnosetechnik bereits bei jener Untersuchung zum Einsatz kam, erheblich umfangreichere Daten vor. Für den neuen "Certified EV Battery Report" wurden mehr als 500.000 unabhängige Tests von Gebrauchtwagen aus den Jahren 2022 bis 2026 ausgewertet. Berücksichtigt werden 20 gängige E-Auto-Modelle aus Nord- und Südamerika, Europa, Australien und Asien.
Zunächst bestätigen die Ergebnisse die grundsätzlich erfreuliche Botschaft: Die Batteriegesundheit gebrauchter Elektroautos erweist sich insgesamt als robust. Gleichzeitig zeigt die Analyse jedoch, warum Durchschnittswerte beim Gebrauchtwagenkauf mit Vorsicht zu genießen sind.
Gleiches Modell, deutlich anderer Akku
Neben Unterschieden zwischen einzelnen Modellen fällt laut den Expert:innen insbesondere die Streuung innerhalb derselben Baureihe auf. Bei identischer Laufleistung können zwischen dem besten und dem schlechtesten getesteten Fahrzeug eines Modells Aviloo zufolge bis zu 13,5 Prozentpunkte beim State of Health (SoH) liegen.
Der SoH gibt an, welcher Anteil der ursprünglich nutzbaren Batteriekapazität noch vorhanden ist. Ein Wert von 95 Prozent bedeutet vereinfacht, dass noch rund 95 Prozent der ursprünglichen Kapazität zur Verfügung stehen.
Mit zunehmender Laufleistung geht nicht nur der Median zurück, gleichzeitig wird die Bandbreite zwischen gut und schlecht erhaltenen Akkus größer. Das zeigen die Auswertungen bei 50.000, 100.000 und 150.000 Kilometern besonders deutlich.
Batteriegesundheit nach 100.000 Kilometern
Unter den 20 untersuchten Modellen weisen die Medianwerte nach 100.000 km bereits erhebliche Unterschiede auf:
| Fahrzeug |
SoH |
| Hyundai Ioniq 5 |
95,27 Prozent |
| Mercedes-Benz EQA |
95,01 Prozent |
| BMW i4 |
94,34 Prozent |
| Hyundai Kona EV |
94,31 Prozent |
| Volvo XC40 Recharge |
93,66 Prozent |
| Ford Mustang Mach-E |
93,45 Prozent |
| Polestar 2 |
93,36 Prozent |
| Audi Q8 e-tron |
93,13 Prozent |
| Cupra Born |
92,95 Prozent |
| VW ID.3 |
92,83 Prozent |
| Škoda Enyaq iV |
92,67 Prozent |
| VW ID.4 |
92,54 Prozent |
| Audi Q4 e-tron |
92,35 Prozent |
| Peugeot e-208 |
91,98 Prozent |
| Opel Corsa-e |
91,96 Prozent |
| Tesla Model Y |
91,89 Prozent |
| Tesla Model 3 |
90,81 Prozent |
| Mini Cooper SE |
90,12 Prozent |
| Renault Zoe |
88,87 Prozent |
| Nissan Leaf ZE1 |
88,27 Prozent |
Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass die Werte allerdings keine klassische Rangliste über die Qualität der Modelle sind. Batteriegröße, Nutzung, Alter, Ladeverhalten, Klima und weitere Faktoren unterscheiden sich. Hinzu kommt, dass bei manchen Modellen mehrere Batterievarianten in die Datenbasis einfließen.

Mit steigender Laufleistung wächst die Spanne zwischen den Fahrzeugen (Reihung: alphabetisch) © Aviloo
Vier Modelle zeigen die Unterschiede besonders deutlich
Für vier populäre E-Autos schlüsselt Aviloo die Entwicklung zusätzlich nach Reichweite auf.
Beim Hyundai Ioniq 5 liegt die mediane Batteriegesundheit laut Report nach 50.000 Kilometern bei rund 97,2 Prozent und nach 150.000 Kilometern noch bei rund 92,8 Prozent. Die anhand des Realverbrauchs berechnete Reichweite geht dabei von rund 335 auf 319 Kilometer zurück.
Der VW ID.4 kommt auf etwa 95,3 Prozent nach 50.000 und rund 90,6 Prozent nach 150.000 Kilometern. Gleichzeitig kann die Batteriegesundheit einzelner Fahrzeuge bei höheren Laufleistungen um elf bis zwölf Prozentpunkte auseinanderliegen. Das entspreche einem Reichweitenunterschied von rund 45 Kilometern.
Auch beim Tesla Model Y bleibt der Median vergleichsweise hoch: Von 94,5 Prozent bei 50.000 Kilometern sinkt der Wert bis 150.000 Kilometer auf rund 90,3 Prozent. Zwischen einzelnen Fahrzeugen desselben Modells können laut Aviloo dennoch bis zu elf Prozentpunkte beziehungsweise rund 46 Kilometer reale Reichweite liegen.
- Kleinere Batterie altert im Vergleich stärker
Am deutlichsten fällt der Kapazitätsverlust bei den vier näher betrachteten Fahrzeugen beim Nissan Leaf ZE1 mit 40-kWh-Batterie aus. Der mediane SoH geht laut Report von 91,1 Prozent nach 50.000 Kilometern auf rund 86,3 Prozent nach 150.000 Kilometern zurück.
Batteriegesundheit und reale Reichweite bei 50.000, 100.000 und 150.000 km © Aviloo
Aviloo sieht darin einen Hinweis auf einen grundsätzlichen Zusammenhang: Kleinere Batterien müssen für dieselbe gefahrene Strecke häufiger geladen werden und durchlaufen dadurch mehr Ladezyklen. Sie können deshalb tendenziell schneller degradieren.
Beim Leaf zeigt sich zugleich die größte Streuung. Nach 150.000 Kilometern können zwischen einzelnen Fahrzeugen bis zu 13,5 Prozentpunkte beim SoH liegen.
Bisherige Untersuchungen zeichneten ebenfalls positives Bild
Dass Elektroauto-Batterien oftmals länger halten als ursprünglich befürchtet, deckt sich mit mehreren Untersuchungen, über die LEADERSNET bereits berichtet hat. Beim ADAC-Dauertest verfügte etwa ein VW ID.3 nach gut 160.000 Kilometern noch über rund 91 Prozent seiner ursprünglichen Batteriekapazität. Dabei war das Fahrzeug im Testbetrieb sogar überdurchschnittlich häufig schnell- und auf 100 Prozent geladen worden. Auch andere Extremtests hatten bereits für überraschend gute Ergebnisse gesorgt.
Gleichzeitig zeigen Untersuchungen zu Plug-in-Hybriden, dass deren kleinere Akkus teilweise stärker altern können (LEADERSNET berichtete) – ein Befund, der zum nun von Aviloo beobachteten Zusammenhang zwischen Batteriegröße, Ladehäufigkeit und Degradation passt.
Mit dem aktuellen Report werden diese Erkenntnisse nun um einen entscheidenden Faktor erweitert: Zwei Fahrzeuge mit identischem Modell und ähnlichem Kilometerstand müssen keineswegs über einen vergleichbaren Batteriezustand verfügen.
Für Gebrauchtwagenkäufer besonders relevant
Genau diese Streuung könnte mit dem wachsenden Gebrauchtmarkt für Elektroautos zunehmend an Bedeutung gewinnen. Während bei Verbrennern Kilometerstand, Wartungshistorie und mechanischer Zustand zu den zentralen Kriterien zählen, kommt beim Elektroauto mit der Traktionsbatterie eine besonders teure Komponente hinzu.
"Durchschnittswerte verschleiern eine Menge", sagt Aviloo-CEO Marcus Berger. E-Auto-Batterien würden zwar besser altern, als ihr Ruf vermuten lasse. Entscheidender sei aber, dass sich der Zustand zwischen Modellen und noch stärker zwischen einzelnen Fahrzeugen unterscheiden könne. "Zehn oder fünfzehn Prozentpunkte Unterschied beim State of Health bedeuten einen echten Unterschied bei Reichweite, Wert und Verlässlichkeit", so Berger.
Aviloo plädiert deshalb naturgemäß für eine unabhängige Messung beim Gebrauchtwagenkauf. Beim unternehmenseigenen Flash Test wird der SoH nicht einfach aus dem vom Fahrzeug ausgegebenen Wert übernommen, sondern anhand verschiedener Batteriedaten und eines statistischen Modells berechnet.
www.aviloo.com
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