Am 2. September ist im Bio-Weingut Gruber-Röschitz der 31. Weinherbst Niederösterreich eröffnet worden. Vertreter:innen aus Tourismus, Gastronomie, Weinwirtschaft und Medien nahmen an der Veranstaltung im Weinviertel teil. Im Mittelpunkt des diesjährigen Programms stehen erstmals kuratierte Weinreisen, die durch alle acht niederösterreichischen Weinbaugebiete führen.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bezeichnete den Weinherbst bei der Eröffnung als Beginn der "fünften Jahreszeit" in Niederösterreich. Sie betonte: "Der Weinherbst Niederösterreich ist nicht irgendeine Show, kein Disneyland – unser Weinherbst ist authentisch und echt – eine ganz besondere Mischung aus Genuss, Landschaft und Lebensfreude."
Neue Weinreisen verbinden Kulinarik und Bewegung
Nach Angaben der Landeshauptfrau öffnen Winzer:innen im Rahmen von rund 1.000 Festen in den niederösterreichischen Regionen ihre Betriebe für Besucher:innen. Das Programm reicht dabei von Verkostungen und Weintaufen über Kellergassenfeste bis zu Riedenwanderungen.
Mit den neuen, kuratierten Weinreisen will die Niederösterreich Werbung zudem Gäste Anregungen für mehrtägige Aufenthalte geben. Die Angebote führen durch Kamptal, Wagram, Kremstal, Wachau, Themenregion Wienerwald, Weinviertel, Carnuntum und Traisental. Neben Weingütern und regionaler Gastronomie beziehen sie unter anderem Wander- und Radtouren sowie kulturelle Ausflugsziele ein. Michael Duscher, Geschäftsführer der Niederösterreich Werbung, sieht darin ein Instrument zur touristischen Positionierung der Regionen. "Und mit unseren neuen, kuratierten Weinreisen bieten wir individuelle Erlebnisse und Authentizität und können so unsere Destinationen noch besser positionieren", sagte Duscher. Wein sei mittlerweile auch ein Lifestyle-Thema. Wo Kultur, Wein und Kulinarik zusammenkämen, entstehe ein besonderes "Weinherbst-Lebensgefühl".
Trockenheit begleitet den Beginn der Weinlese
Der Auftakt fällt in ein für den Weinbau herausforderndes Jahr. Mikl-Leitner verwies auf Dürre und Trockenheit, mit denen die Betriebe während der laufenden Weinlese konfrontiert seien. Diese Einschätzung wird durch aktuelle Klimadaten unterstützt: Laut GeoSphere Austria fiel in Niederösterreich im August 2026 im Flächenmittel um 50 Prozent weniger Niederschlag als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. In weiten Teilen des Bundeslandes lag das Defizit zwischen 50 und 70 Prozent. Mikl-Leitner dankte den Winzer:innen, "die ihr Handwerk auch in herausfordernden Zeiten von Dürre und Trockenheit verstehen und qualitätsvolle Weine machen".
Leopold Müller, Vizepräsident des Weinbauverbandes Niederösterreich, hob ebenfalls die Bedeutung der nun beginnenden Phase hervor. Für die Winzer:innen sei die Zeit der Weinlese besonders arbeitsintensiv. Gleichzeitig böten sich vielerorts kulinarische Angebote: "Während die Weinlese auf Hochtouren läuft, öffnen vielerorts Heurige und Weinkeller ihre Türen und laden zur Verkostung der edlen Weine", so Müller.
Niederösterreich prägt Weinproduktion des gesamten Landes
Niederösterreich ist das mengenmäßig bedeutendste Weinbaubundesland Österreichs. Nach den jüngsten abgeschlossenen Daten von Statistik Austria wurden hier 2025 rund 1,70 Millionen Hektoliter Wein produziert. Das entsprach etwa zwei Drittel der österreichweiten Erzeugung von insgesamt 2,56 Millionen Hektolitern. Gegenüber dem schwachen Weinjahr 2024 stieg die niederösterreichische Produktion um 44 Prozent und lag zugleich um 14 Prozent über dem Fünfjahresmittel.
Weinbaupräsident Reinhard Zöchmann ging bei der Eröffnung auf die unterschiedlichen Profile der niederösterreichischen Weinbaugebiete ein. Zudem dankte er dem Land Niederösterreich "für die Unterstützung zum Erhalt der Kellergassen". Diese sollen nach den Plänen der Landeshauptfrau auch künftig gemeinsam mit Gemeinden und Winzer:innen erhalten werden. Mikl-Leitner sprach in diesem Zusammenhang von rund 1.300 Kellergassen im Bundesland. Zudem soll die Verbindung zwischen Weinwirtschaft und Kultur weiter ausgebaut werden. Als Beispiel nannte die Landeshauptfrau das Format "Kultur bei Winzerinnen und Winzern". Eine weitere Möglichkeit, die Weinwirtschaft über einzelne Regionsgrenzen hinaus sichtbar zu machen, sieht sie in der für 2030 geplanten Niederösterreichischen Landesausstellung im Weinviertel.
Wein, Kulinarik und Musik beim Auftakt
Beim Eröffnungsabend präsentierten neben dem gastgebenden Bio-Weingut Gruber-Röschitz auch die Weingüter Edlinger, Frischauf, Krottendorfer, Berger und Respiz-Hof Kölbl sowie ausgezeichnete Betriebe des Wein-Niederösterreich-Salons ihre Weine. Kulinarisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Wirtshaus Goldenes Bründl aus Oberrohrbach und von "Pollaks Klein und Fein" des ehemaligen Wirtshauskultur-Obmanns Harald Pollak.
Gastgeberin Maria Wegscheider, die das Bio-Weingut gemeinsam mit ihren Brüdern Ewald und Christian Gruber betreibt, kam ebenso zu Wort wie die niederösterreichische Weinkönigin Marie I., Marie Huber. Für das musikalische Programm sorgten Die Strottern mit Wienerliedern, Poesie und zeitgenössischen Klängen. Anschließend verband DJ Helin elektronische Musik mit Violine.
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