Von 14. bis 19. September
Vienna Fashion Week 2026 verbindet Mode, Handwerk und gesellschaftliche Fragen

Von wiederverwerteten Erinnerungsstücken über iranische Modepositionen bis zu psychologisch inspirierter Couture reicht das Programm der diesjährigen Modewoche. Begleitet werden die Shows von zahlreichen Gästen aus Kultur, Wirtschaft und Society.

Von 14. bis 19. September 2026 wird die Halle E+G im MuseumsQuartier erneut zum Schauplatz der Vienna Fashion Week. Rund 40 österreichische und internationale Designer:innen und Labels sollen laut Veranstalter:innen ihre Kollektionen auf dem Laufsteg, in der Shopping Area und in Pop-up-Stores präsentieren. Inhaltlich reicht das Spektrum von lokal gefertigter Mode und traditionellem Textilhandwerk bis zu Arbeiten über Alter, kulturelle Identität und psychische Erfahrungen.

Den Auftakt bildet am 14. September eine Opening Show. Das reguläre Laufstegprogramm beginnt am darauffolgenden Tag und erstreckt sich bis Samstag, den 19. September. Ergänzend sind Fashion Talks vorgesehen, darunter Veranstaltungen zu wirtschaftlichen Entwicklungen in der Modebranche, Wiederverwertung und künftigen Trends.

Alter und Weiblichkeit als Teil der Modeerzählung

Am 15. September steht unter anderem Fashion Reloaded powered by Pensionist:innenklubs für die Stadt Wien auf dem Programm. Die Kollektion "fenWomenal" umfasst 57 Looks, die aus ausgedienten Kleidungsstücken und persönlichen Erinnerungsstücken gefertigt wurden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Mode gängige Vorstellungen von Alter, Weiblichkeit und Schönheit aufbrechen kann. Der eigens entwickelte Titel verbindet das englische Wort "phenomenal" mit "women". Die Entwürfe sollen Frauen sichtbar machen, die ihre Biografien und ihr Erscheinungsbild selbst bestimmen. Dabei treffen Methoden der Wiederverwertung auf Elemente aus Kunst und Couture.

Ebenfalls am Dienstag präsentiert die Atena Neuhuber Fashion Academy das Ergebnis ihrer Masterclass. Unter dem Titel "1001 Night – Tonight" entstanden Arbeiten von 26 iranischen Designer:innen. Die Kollektion ist in fünf Kapitel gegliedert, die sich thematisch von Isfahan über Märkte und Gärten bis zu Wüsten- und Nachtszenen bewegen. Transformation, Widerstandskraft und Neubeginn bilden die inhaltliche Klammer. Die Darstellung, die gesamte Kollektion sei "mitten im Krieg" entstanden, stammt aus dem Projektmaterial. 

Zum weiteren Dienstagprogramm gehören das Wiener Streetwear-Label Laura Grüner, die Häkelmode von Mariella Elsa, Aquanauta, Artista, km/a und Ni-ly. Während Laura Grüner mit dekonstruierten Schnitten und lokaler Kleinserienproduktion arbeitet, verwendet km/a unter anderem ehemalige Fallschirme, Zeltplanen und andere Materialien mit Gebrauchsspuren. Artista widmet sich mit "Beauty in Chaos" dem Spannungsfeld zwischen Ordnung und Unberechenbarkeit. Dekonstruierte Silhouetten, Verzierungen und Materialkontraste treffen dabei auf Prints, die auf Gemälden des in Budapest lebenden französischen Künstlers Ludovic Thiriez basieren.

Zwischen Textiltradition und visueller Psychologie

Am 16. September präsentiert Karim Temimi seine dritte Kollektion "The Room Behind the Mirror". Der Designer greift "Alice im Wunderland" nicht als Kindermärchen, sondern als psychologischen Raum auf. Übersteigerte Proportionen, Maskierungen, fragile Oberflächen und enge Silhouetten übersetzen Zustände wie Angst, Identitätsverlust, Kontrollverlust und verzerrte Wahrnehmung in Kleidung.

Einen anderen Zugang wählt Palla Vienna. Das Wiener Label von Alexandra Palla arbeitet mit Materialien, die in der österreichischen Alltags- und Handwerkskultur verankert sind. Leinen, Loden, Waffelpiqué, Karos und gewebte Bänder werden durch Schnitt und Proportion in einen zeitgenössischen Kontext gestellt.

Mit dreizehn ist zudem ein Berliner Studio vertreten, das ausgemusterte Textilien verarbeitet. Charakteristisch sind rote Nähte, die Reparatur und menschliche Arbeit sichtbar machen sollen. Die Entwürfe basieren weitgehend auf rechteckigen Formen und sind darauf ausgerichtet, sich unterschiedlichen Körpern anzupassen.

Komplettiert wird das Mittwochsprogramm durch SYLGV presented by Toblerone, Pitour sowie das Nachwuchsformat The Next Generation. Letzteres bringt drei aus einem Bewerbungsverfahren ausgewählte Designer:innen auf einen gemeinsamen Laufsteg. Pitour stellt in seiner Winterkollektion "Rebell" den Mantel ins Zentrum und arbeitet mit Kontrasten zwischen Understatement und bewusster Inszenierung.

Internationale Labels zeigen unterschiedliche Zugänge zum Handwerk

Am 17. September folgen sechs weitere Modepositionen. Das Wiener Mutter-Tochter-Label Meijerhof setzt auf limitierte Womenswear-Kollektionen, zeitlose Schnitte und eine Abgrenzung von kurzfristigen Trends. Die in Berlin ansässige Textil- und Modedesignerin Elisabeth Bauer verbindet analoge Techniken mit digitalen Verfahren. So werden handgefertigte Vorlagen digital weiterentwickelt und anschließend durch Stickerei oder Quilting erneut physisch bearbeitet.

Frank Weeneggsinn greift historische Handwerkstechniken auf und überträgt sie in skulpturale, geschlechtsübergreifend konzipierte Entwürfe. Das thailändische Label Nichp verbindet moderne Schnitte mit klassischer Verarbeitung, während Rose Mars Denim zum Ausgangspunkt seiner Unisex-Kollektion "Mars’s Moon" macht.

Auch Helmet N Armour ist an diesem Tag zu sehen. Das Label kombiniert nach eigenen Angaben österreichisch beziehungsweise europäisch geprägte Schnitte mit afrikanischen Textilien. Jedes Modell soll nur einmal gefertigt werden. Darüber hinaus kündigt die Marke Initiativen zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen in Ghana an. Konkrete Projektpartner:innen oder bereits erzielte Ergebnisse werden bislang jedoch nicht genannt.

Nachwuchs, gesellschaftliche Grenzen und große Tüllroben

Am 18. September präsentieren die Studierenden des Kollegs der Modeschule Michelbeuern unter dem Titel "Nahtschatten" ihre aktuellen Kollektionen. Die Arbeiten beruhen auf persönlichen Erfahrungen und individuellen gestalterischen Zugängen. Materialien, Silhouetten und sichtbare Nähte dienen dabei nicht nur der Konstruktion, sondern auch als Ausdruck unterschiedlicher Haltungen.

Das in Sambia tätige Empowerment Studio gibt mit "Community of Common Destiny" sein Debüt bei der Vienna Fashion Week. Ausgangspunkt ist die Regenzeit in Sambia: Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen suchen gemeinsam Schutz, während Beruf, Status und Herkunft vorübergehend in den Hintergrund treten. Entworfen und gefertigt wurde die Kollektion nach Angaben des Labels im eigenen Atelier in Sambia.

Nachhaltige Produktionsansätze prägen auch die Arbeiten von Fröhlich, Plural und Roee. Fröhlich lässt Kleinserien in sozialökonomischen Betrieben in Wien fertigen und verwendet laut Eigendarstellung Stoffe aus europäischen Überproduktionen sowie Vintage-Materialien. Plural arbeitet mit monochromen Looks, geradlinigen Oversize-Schnitten und überwiegend zertifizierten Bio- und Naturmaterialien.

Den Abschluss des Tages bildet Nicolas Dudek mit "Les 101 Dalmatiens". Der 19-Jährige nimmt laut Veranstalter:innen zum fünften Mal in Folge teil und ist der jüngste Designer des diesjährigen Line-ups. Seine Kollektion überträgt Motive aus "101 Dalmatiner" in voluminöse Tüllsilhouetten: Weiß und Schwarz stehen für die gepunkteten Hunde, Rot, Schwarz, Capes und skulpturale Rüschen für deren Gegenspielerin Cruella de Vil. 2025 nahm die deutsche Vogue Dudeks Label in eine Auswahl von 25 österreichischen Modemarken auf.

Von Fibonacci bis zum Korsett

Am 19. September zeigt Liudmila Lugbauer ihre in einem Atelier in Oberndorf an der Melk gefertigte Mode. Die Designerin näht nach eigenen Angaben jedes Stück selbst und verbindet tragbare Schnitte mit femininen und verspielten Details.

Die in Bratislava ansässige Designerin Marina Žiaková präsentiert mit ihrem Label Mariná die Kollektion "Growth". Sie orientiert sich an der Fibonacci-Folge, der Fibonacci-Spirale und dem Goldenen Schnitt. Mathematische Prinzipien werden dabei in Proportionen und Schnittführungen übertragen.

Zum Samstagsprogramm zählen außerdem Elke Freytag, Grünschnabel & Gänseblümchen, Kokoknit und Kiki Korsett. Elke Freytag fertigt limitierte Atelierstücke und kleine Serien in Wien. Grünschnabel & Gänseblümchen verbindet Trachtenelemente mit persönlichen Fotografien, die auf Schürzen oder in den Rückenteilen von Gilets verarbeitet werden. Kokoknit setzt auf handgefertigte Häkelmode, während Kiki Korsett Rauleder mit italienischer Seide kombiniert. Das Korsett bildet dabei den Ausgangspunkt für unterschiedliche Tages- und Abendlooks.

Zahlreiche Gäste aus Kultur, Wirtschaft und Society angekündigt

Neben den Designer:innen werden zahlreiche bekannte Gäste erwartet. Nach Angaben der Veranstalter:innen haben sich unter anderem die Schauspieler:innen Patricia Aulitzky, Stefano Bernardin, Christoph Dostal, Diana Gold, Adriane Gradziel, Gitti Kren und Grischka Voss angekündigt.

Aus der Musik- und Kulturszene werden unter anderem Ruth Brauer-Kvam, Dorretta Carter, Kim Cooper, Lukas Fendrich, Peter Legat, Sandra Pires, Cesar Sampson, Wolfgang Schlögl, Daniel Serafin und Mario Rossori erwartet. Ebenfalls auf der vorläufigen Gästeliste stehen Gery Keszler, Patricia Kaiser, Martina Kaiser, Sabine Karner, Andrea Kdolsky, Alexandra Palla, Martina Reuter, Lou-Anne Gleissenebner, Martina Gleissenebner-Teskey, Linda Lawal, Kerstin Lechner und Fadi Merza. Weitere Zusagen könnten laut Veranstalter:innen folgen.

Einen Eindruck von der Vienna Fashion Week aus dem vergangenen Jahr können Sie mittels Galerie hier, hier, hier, hier, hier und hier gewinnen.

www.viennafashionweek.com

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