LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Dobretsberger, sehr geehrter Herr Horn, womit beschäftigt sich JLP Health genau und welches Ziel verfolgen Sie als Unternehmen?
Johannes Dobretsberger: JLP Health ist ein Biotechnologieunternehmen aus Wien, das eine innovative Methode entwickelt hat, um mithilfe genetischer Untersuchungen neue Angriffspunkte für Medikamente zu entdecken.
Moritz Horn: Ziel ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Therapieansätze und innovative Behandlungsstrategien für Krebserkrankungen sowie ausgewählte Infektionskrankheiten umzusetzen.
LEADERSNET: Im Mittelpunkt Ihrer Arbeit steht das Glioblastom. Was macht diese Form von Hirntumor so gefährlich und warum sind neue Behandlungsmöglichkeiten dringend notwendig?
Dobretsberger: Das Glioblastom ist der aggressivste Hirntumor bei Erwachsenen. Es wächst schnell und infiltriert gesundes Hirngewebe, weshalb es meist nicht vollständig entfernt werden kann. Trotz Operation, Bestrahlung und Chemotherapie kommt es häufig zu Rückfällen. Die mediane Überlebenszeit liegt heute bei nur etwa zwölf bis 15 Monaten. Aktuelle Standardbehandlungsprotokolle sind im Kern etwa 20 Jahre alt. Umso dringender brauchen wir neue Therapieansätze, die gezielt verbliebene Tumorzellen bekämpfen, Rückfälle verhindern und das Überleben sowie die Lebensqualität der Betroffenen verbessern können.
LEADERSNET: JLP Health arbeitet an einem neuen Therapieansatz. Wie lässt sich Ihre Idee erklären und worin unterscheidet sie sich von bisherigen Behandlungen?
Horn: Unser Ansatz kombiniert zwei Komponenten: Eine lokale Therapie markiert die verbliebenen Tumorzellen gezielt, damit sie anschließend durch die zweite Komponente eliminiert werden können. Ziel ist es, eine Rückkehr des Tumors möglichst zu verhindern. Die lokale Therapie wird direkt während der Operation in die Wunde eingebracht und verursacht damit keine zusätzliche Belastung durch einen weiteren Eingriff. Unser Ansatz greift dabei eine neue Achillesferse des Tumors an und lässt sich nahtlos mit dem aktuellen Therapieprotokoll kombinieren. Dadurch könnte er grundsätzlich flächendeckend einsetzbar sein und Patient:innen eine maximale Chance auf eine Verbesserung ihrer Lebensqualität bieten.
LEADERSNET: Wo stehen Sie derzeit bei der Entwicklung und welche Ergebnisse stimmen Sie bislang besonders zuversichtlich?
Horn: Wir befinden uns in den letzten Entwicklungsschritten der lokal eingesetzten Therapiekomponente. Den gewünschten therapeutischen Effekt konnten wir sowohl in direkt aus Patiententumoren gewonnenen Zellen als auch in patientennahen Organoidmodellen mit Tumoranteil nachweisen. Besonders zuversichtlich stimmt uns, dass beide Wirkstoffkomponenten bereits klinisch eingesetzt werden. Die dort gewonnenen Erfahrungen unterstützen unser Therapiekonzept und zeigen zugleich, dass die Wirkstoffe beim Menschen gut verträglich sind.
LEADERSNET: Welche Schritte sind noch notwendig, bevor die Therapie erstmals bei Patient:innen eingesetzt werden kann?
Horn: Wir arbeiten aktuell mit Hochdruck an der finalen Optimierung und Produktion unserer lokalen Therapiekomponente. Nach einer abschließenden Sicherheitsprüfung, der wir sehr zuversichtlich entgegensehen, wäre der Weg für den Start der klinischen Testung frei.
Dobretsberger: Wir konzentrieren uns derzeit auf die letzten entscheidenden Schritte vor dem Eintritt in die klinische Entwicklung. Parallel dazu schaffen wir die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen für den Start der klinischen Entwicklung. Wir sehen hier eine klar definierte Entwicklungsstrecke vor uns. Sobald diese letzten Voraussetzungen erfüllt sind, wollen wir den nächsten wichtigen Schritt gehen und unseren Therapieansatz erstmals im klinischen Umfeld untersuchen. Dafür suchen wir auch gezielt nach Investor:innen, die bereit sind, die weitere Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten und potenziell hochrelevanten Therapieansatzes langfristig zu begleiten.
LEADERSNET: Medizinische Forschung ist langwierig und kostenintensiv. Wie finanziert JLP Health die weitere Entwicklung und wie hoch ist der Kapitalbedarf für die nächsten Schritte?
Dobretsberger: Für die nächsten Entwicklungsschritte konzentrieren wir uns insbesondere auf private Investor:innen und strategisch orientierte Kapitalgeber:innen, die einen langfristigen Bezug zu Forschung, Innovation und Biotechnologie haben. Entscheidend ist für uns dabei nicht nur die Finanzierung des nächsten einzelnen Entwicklungsschrittes, sondern eine möglichst solide Ausfinanzierung der weiteren präklinischen und anschließend klinischen Entwicklung. Dafür planen wir mit einem mehrjährigen Entwicklungshorizont – damit wollen wir unserem wissenschaftlichen Team die notwendige Planungssicherheit geben. Für Investor:innen bietet sich damit die Möglichkeit, ein innovatives Biotechnologieprojekt bereits in einer vergleichsweise frühen Entwicklungsphase zu begleiten und an der weiteren Wertentwicklung eines potenziell neuen Therapieansatzes mitzuwirken.
LEADERSNET: Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden Jahren erreichen und wann könnte Ihre Forschung im besten Fall einen konkreten Unterschied für Betroffene machen?
Horn: Unser Ziel ist es, möglichst schnell zu zeigen, dass unser neuer Therapieansatz sicher ist und die Lebensqualität sowie die Lebenserwartung von Glioblastompatient:innen verbessern kann. Wenn die klinische Entwicklung erfolgreich verläuft, könnte daraus bereits in wenigen Jahren eine breit verfügbare neue Therapieoption für Patient:innen entstehen, die sie wirklich dringend benötigen. Gleichzeitig haben wir weitere vielversprechende Projekte in unserer Pipeline, die wir anschließend konsequent vorantreiben wollen, mit dem Ziel, auch Patient:innen mit anderen schweren Erkrankungen neue Behandlungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Dobretsberger: Unser unmittelbares Ziel ist es, unserem Forschungsteam die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, um unser Hauptprojekt konsequent bis in die klinische Entwicklung weiterzuführen. Dafür müssen wir jetzt die letzten präklinischen Schritte abschließen, die Produktion vorbereiten, die Finanzierung sicherstellen und anschließend die klinische Entwicklung starten. Unser Anspruch ist dabei bewusst langfristig: Wir wollen nicht nur einen einzelnen Wirkstoff entwickeln, sondern eine wissenschaftliche Plattform aufbauen, aus der weitere innovative Therapieansätze entstehen können. Das Glioblastom ist dabei unser derzeit wichtigstes Fokus-Projekt. Genau deshalb ist es für uns jetzt wichtig, die richtigen wissenschaftlichen, strategischen und finanziellen Partner:innen zu gewinnen, die diesen Weg gemeinsam mit uns gehen.
LEADERSNET: Vielen Dank!
www.jlphealth.com
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