ZFAC Executive Pulse
Top-Managerinnen fordern weniger Bürokratie und mehr Tempo

| Larissa Bilovits 
| 31.08.2026

Eine aktuelle Erhebung von Zukunft.Frauen zeigt, warum Managerinnen auf schnellere Verfahren und niedrigere Lohnnebenkosten drängen, wo es beim KI-Einsatz hakt und welche Strukturen Frauen den Aufstieg an die Spitze erschweren.

Rund die Hälfte der heimischen Top-Managerinnen stellt dem Standort Österreich ein schlechtes Zeugnis aus: 47 Prozent halten ihn für "nicht handlungsfähig", weitere vier Prozent für "gar nicht handlungsfähig". Das geht aus dem aktuellen "ZFAC Executive Pulse" hervor, mit dem der Zukunft.Frauen Alumnae Club einmal pro Quartal ein Stimmungsbild unter seinen 450 Mitgliedern einholt. Die aktuelle Ausgabe dreht sich um drei Themen, die derzeit auf jeder Führungsagenda stehen: den Wirtschaftsstandort, den Umgang mit Künstlicher Intelligenz und den Aufstieg von Frauen in Spitzenpositionen.

Bürokratie gilt als größte Wachstumsbremse

Auffällig ist in den Ergebnissen vor allem der Kontrast zwischen Außen- und Binnensicht. Während die Befragten dem Standort wenig zutrauen, bewerten 68 Prozent die Aussichten des eigenen Unternehmens als positiv oder sehr positiv. Verantwortlich für den Vertrauensverlust machen die Managerinnen vor allem die Bürokratie (43 %) und die hohen Lohnnebenkosten (38 %). "Die Ergebnisse sind mehr als ein Stimmungsbild. Sie beschreiben eine zentrale Herausforderung für Österreich: Unternehmen und Führungskräfte wollen gestalten, erleben das Umfeld aber häufig als zu langsam, zu komplex und zu wenig entscheidungsfähig", kommentiert Karen Fanto, Vorstandsvorsitzende des Zukunft.Frauen Alumnae Clubs (ZFAC) und Direktorin der internationalen Märkte bei Berndorf Bäderbau.

Um die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, verlangen 72 Prozent einen konsequenten Bürokratieabbau, 44 Prozent fordern niedrigere Lohnnebenkosten und 36 Prozent mehr Mittel für Bildung und Fachkräfte. Niedrigere Energie- und Standortkosten sowie zusätzliche Innovationsinvestitionen nennen jeweils 33 Prozent. "Wenn Bürokratie zur größten Wachstumsbremse wird, ist Entlastung keine Detailfrage mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Österreich hat großes Potenzial. Aber Potenzial allein schafft weder Wachstum noch Arbeitsplätze. Entscheidend sind wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und konsequente Umsetzung", so Fanto.

Künstliche Intelligenz verändert die Führungsarbeit

In den Chefetagen des Netzwerks ist KI kein Zukunftsthema mehr, sondern Tagesgeschäft. 81 Prozent der Befragten greifen täglich oder mehrmals pro Woche darauf zurück, 83 Prozent rechnen damit, dass sich die Führungsarbeit binnen drei Jahren dadurch stark oder zumindest spürbar verändert. Am meisten bringt die Technologie aus ihrer Sicht bei Produktivität und Effizienz sowie beim Abarbeiten von Routineaufgaben. Organisatorisch hinkt die Praxis dieser Nutzung allerdings hinterher: Lediglich 38 Prozent der Unternehmen haben verbindliche Regeln für den KI-Einsatz festgelegt. Als größte Hürden gelten Datenschutz und rechtliche Unsicherheit, fehlendes Know-how und das Fehlen einer klaren Strategie.

Parallel dazu rückt die IT-Sicherheit auf die oberste Führungsebene. Für das eigene Unternehmen sieht mehr als die Hälfte der Befragten ein hohes bis sehr hohes Cyberrisiko. 61 Prozent berichten, dass das Thema regelmäßig in der Geschäftsführung oder im Vorstand behandelt wird.

Gläserne Decke bremst qualifizierte Frauen

Beim Thema Frauen in Führung fallen die Antworten deutlich aus. 56 Prozent der Befragten geben an, dass in ihrem Unternehmen auf allen Ebenen genügend qualifizierte Frauen vorhanden sind. Als Hauptgrund dafür, dass sie trotzdem selten an der Spitze ankommen, nennen 64 Prozent die gläserne Decke und informelle Machtstrukturen. 45 Prozent kritisieren, dass sich Karriere und Care-Arbeit nicht vereinbaren lassen, 42 Prozent verweisen auf unbewusste Biases in Besetzungsprozessen, 23 Prozent auf traditionelle Rollenbilder. Von der Entgelttransparenz allein erwarten die Managerinnen wenig: Nur 26 Prozent rechnen mit einem positiven Effekt, und auch das nur in Kombination mit Kultur- und Führungsmaßnahmen.

"Wir müssen aufhören, Frauen ständig für bestehende Strukturen fit zu machen. Wir müssen Strukturen schaffen, in denen Leistung fair erkannt und gefördert wird. Entgelttransparenz allein schafft noch keine Fairness. Sie wirkt nur dann nachhaltig, wenn auch Führung, Kultur und Karriereentscheidungen nachvollziehbar werden", ist Jutta Perfahl-Strilka, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des ZFAC und CEO von Hokify, überzeugt.

Fünf Impulse für den Aufschwung

Über alle drei Themenfelder hinweg leitet der Club fünf Empfehlungen ab. Der Standort brauche schnellere Verfahren und weniger Bürokratie, Betriebe müssten finanziell entlastet werden, um in Innovation investieren zu können. KI und Cybersecurity gehören auf die Führungsagenda, wobei es neben der Technologie auch Bewusstsein, klare Verantwortlichkeiten und eine Kultur brauche, die Risiken früh erkennt. Für Chancengleichheit fordert der Club transparentere Aufstiegswege, aktives Sponsorship und mehr Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen. Der fünfte Impuls zielt auf Europa: Kapital, Technologie, Energie, Talente und Sicherheit sollen gemeinsam und auf europäischer Ebene gedacht werden.

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

www.zukunftfrauen.club

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