Die Betriebsnachfolge entwickelt sich in Niederösterreich positiv. Im vergangenen Jahr wurden 1.364 Unternehmen übernommen. Das sind um 11,6 Prozent mehr als 2024. Innerhalb von zwei Jahren stieg die Zahl damit um rund 18 Prozent. Bei einem Besuch der Tischlerei Sebastian Hahn in Drosendorf machte sich Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ), ein Bild davon, wie eine Betriebsübernahme in der Praxis gelingen kann.
Vom übernommenen Betrieb zum wachsenden Unternehmen
Sebastian Hahn war knapp 21 Jahre alt, als er eine bestehende Tischlerwerkstatt mit zwei Mitarbeitern von Wolfgang Cerny übernahm. Damit verwirklichte er seinen Wunsch nach einer selbstständigen Tätigkeit als Tischler. Inzwischen ist der Betrieb gewachsen und beschäftigt acht Mitarbeiter:innen. Zwei Lehrlinge werden in Tischlerei und Tischlereitechnik ausgebildet.
"Für mich war die Übernahme die Chance, früh Verantwortung zu übernehmen und meinen eigenen Weg zu gehen", sagt Hahn. Er habe auf einer bestehenden Werkstatt aufbauen und gleichzeitig seine eigenen Vorstellungen von Qualität, Nachhaltigkeit und einem fairen Miteinander verwirklichen können. Besonders freue ihn, dass mittlerweile zwei Lehrlinge ausgebildet werden und das Tischlerhandwerk damit an die nächste Generation weitergegeben werde.
18 Prozent mehr Übernahmen innerhalb von zwei Jahren
Auch die niederösterreichweiten Zahlen zeigen einen Aufwärtstrend. Nachdem die Zahl der Unternehmensübernahmen von 1.155 im Jahr 2023 auf 1.222 im Jahr 2024 gestiegen war, folgte 2025 ein weiterer deutlicher Zuwachs. Mit 1.364 Übernahmen waren es um 142 beziehungsweise 11,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Über den Zeitraum von zwei Jahren ergibt sich ein Plus von rund 18 Prozent.
Für WKNÖ-Präsident Ecker geht es bei Betriebsübergaben um mehr als einen Eigentümerwechsel. "Jede gelungene Nachfolge bewahrt etwas, das über Jahre aufgebaut wurde: Kundenbeziehungen, Wissen, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung", so Ecker. Zugleich würden die neuen Eigentümer:innen zusätzliche Ideen und neuen Unternehmergeist einbringen. Die kontinuierlich steigende Zahl an Übernahmen sei daher ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich.
Niederösterreich mit 16,6 Prozent aller Übernahmen
Von den österreichweit 8.202 Unternehmensübernahmen des Jahres 2025 entfielen 1.364 auf Niederösterreich. Das entspricht einem Anteil von 16,6 Prozent. Rechnerisch wechselte damit im Laufe des Jahres etwa jedes 85. aktive niederösterreichische Unternehmen den:die Eigentümer:in. Bei den übernommenen Einzelunternehmen betrug der Frauenanteil 42,3 Prozent.
Ein wesentlicher Vorteil einer Übernahme liegt laut Ecker in den bereits vorhandenen Strukturen. Wer einen bestehenden Betrieb übernehme, müsse nicht bei null beginnen. Ein erprobtes Geschäftsmodell, vorhandene Kund:innen sowie erfahrene Beschäftigte würden ein solides Fundament bilden. Dadurch bestehe die Möglichkeit, Bewährtes fortzusetzen und gleichzeitig eigene Vorstellungen in das Unternehmen einzubringen.
Übernommene Betriebe investieren und schaffen Arbeitsplätze
Welches wirtschaftliche Potenzial in Unternehmensnachfolgen steckt, verdeutlichen laut WKNÖ österreichweite Untersuchungen. Demnach konnten 61 Prozent der Nachfolger:innen den Umsatz erhöhen. 60 Prozent investierten mehr als ihre jeweiligen Vorgänger:innen. Bei 36 Prozent der übernommenen Unternehmen wurde zusätzliches Personal eingestellt.
Die meisten Betriebsübernahmen gab es österreichweit im Bereich Gewerbe und Handwerk mit einem Anteil von 30,5 Prozent. Dahinter folgten Tourismus und Freizeitwirtschaft mit 25,1 Prozent sowie der Handel mit 19,9 Prozent.
Die Suche nach geeigneten Nachfolger:innen dürfte künftig noch wichtiger werden. Bis 2034 stehen österreichweit rund 52.500 kleine und mittlere Unternehmen vor dieser Aufgabe. Gelingt deren Übergabe, können den Angaben zufolge rund 705.000 Arbeitsplätze abgesichert werden.
Frühzeitige Planung soll Übergabe erleichtern
Eine erfolgreiche Nachfolge braucht nach Ansicht der Wirtschaftskammer ausreichend Vorbereitungszeit. "Eine Betriebsübergabe ist kein einzelner Stichtag, sondern ein Prozess, der gut vorbereitet werden muss", erklärt Ecker. Je früher sich Unternehmer:innen mit dem Thema auseinandersetzten, desto besser seien die Aussichten auf eine tragfähige Lösung.
Die Wirtschaftskammer NÖ unterstütze dabei sowohl bisherige Eigentümer:innen als auch potenzielle Nachfolger:innen. Dass entsprechender Beratungsbedarf besteht, zeigen die rund 450 Nachfolgeberatungen, die 2025 durchgeführt wurden.
Neue Veranstaltungsreihe zur Betriebsnachfolge
Mit der Veranstaltungsreihe "Nachfolge 2026+" will die WKNÖ ihre Informations- und Beratungsangebote verstärkt in die Regionen bringen. Behandelt werden sollen die zentralen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Übergabe sowie rechtliche, steuerliche und finanzielle Fragestellungen. Auch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten einer Betriebsübergabe und das mitunter schwierige Loslassen durch bisherige Eigentümer:innen stehen auf dem Programm.
Die nächsten Termine sind für den 21. September 2026 in der WKNÖ-Bezirksstelle Amstetten sowie für den 3. November 2026 in der WKNÖ-Außenstelle Purkersdorf vorgesehen. Beide Veranstaltungen finden von 18.30 bis 21 Uhr statt und sollen Fachvorträge mit der Möglichkeit, individuelle Fragen mit Expert:innen zu besprechen, verbinden.
Weitere Unterstützung gibt es im Rahmen von Gründerland NÖ, einer gemeinsamen Initiative des Landes Niederösterreich und der Wirtschaftskammer NÖ, sowie durch die NÖ Bürgschaften und Beteiligungen GmbH (NÖBEG). Ergänzend stehen Nachfolgeberatungen, ein Leitfaden zur Betriebsnachfolge und die Roadmap "Einfach Nachfolgen" zur Verfügung.
Weitere Informationen finden Sie hier und hier.
www.wko.at/noe
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