Forderung nach niedrigeren Kosten und weniger Bürokratie
Sommerfest der IV Tirol im Zeichen der Standortpolitik

| Redaktion 
| 30.08.2026

Beim traditionellen Treffen am Achensee kamen rund 180 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Medien, Wissenschaft und Kultur zusammen. 

Rund 180 Gäste kamen am Donnerstagabend zum traditionellen Sommerfest der Industriellenvereinigung Tirol bei Entners am See am Achensee zusammen. Bei dem Sommerabschluss der Tiroler Industrie trafen Unternehmer:innen auf Vertreter:innen aus Politik, Medien, Wissenschaft und Kultur.

Auftakt für die politische Arbeit 

Für die IV Tirol markiert die Veranstaltung zugleich den Auftakt für die politische Arbeit im Herbst. Präsident Max Kloger nutzte den Abend daher für eine Bilanz der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Aus seiner Sicht stehen die heimischen Industriebetriebe international gut da, werden jedoch zunehmend durch Standortnachteile belastet.

"Unsere Industriebetriebe bringen alles mit, um sich international zu behaupten. Der Standort hält mit ihrer Qualität nicht mehr Schritt. Die Unternehmen senken Kosten, automatisieren und digitalisieren – sie tun, was sie selbst beeinflussen können. Jetzt muss die Politik jene Nachteile abbauen, die kein einzelner Betrieb korrigieren kann", sagte Kloger.

Mattle hebt Stellenwert der Industrie hervor

Auch Tirols Landeshauptmann Anton Mattle ging in seinen Grußworten auf die wirtschaftliche Bedeutung der Industrie ein. Trotz der schwierigen Situation würden die Unternehmen weiter investieren und mit Engagement an ihrer Entwicklung arbeiten. Die Politik müsse dafür entsprechende Rahmenbedingungen schaffen.

"Sie sind tatsächlich eine tragende Säule der Tiroler Wirtschaft, eine tragende Säule auch des Tiroler Wohlstands", so Mattle.

Industrie soll 2026 überdurchschnittlich wachsen

Die Tiroler Industrie entwickelt sich laut einer im Auftrag der IV Tirol erstellten Prognose der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung stärker als die Gesamtwirtschaft. Für die Industrie ohne Bau wird 2026 ein reales Wachstum von 1,6 Prozent erwartet. Für die gesamte Tiroler Wirtschaft liegt die Prognose bei 0,6 Prozent.

Weniger positiv fällt der Geschäftsklimaindex der IV Tirol aus. Dieser ging im zweiten Quartal 2026 von 33 auf 24 Punkte zurück. Während sich die Auftragslage verbessert hat, haben sich die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden sechs Monate deutlich verschlechtert.

Österreich verliert im internationalen Vergleich an Boden

Neben der konjunkturellen Entwicklung sieht die IV Tirol vor allem die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts als Herausforderung. Im IMD World Competitiveness Ranking ist Österreich innerhalb von vier Jahren vom 20. auf den 29. Platz zurückgefallen.

Hinzu kommt die Entwicklung der Arbeitskosten. Laut Eurostat erhöhten sich die nominellen Lohnstückkosten in Österreich zwischen 2022 und 2025 um rund 21 Prozent. Damit lag der Anstieg sechs Prozentpunkte über jenem im Euroraum.

Welche Folgen diese Entwicklung für Unternehmen haben könnte, zeigt eine österreichweite Befragung von 270 Industriebetrieben. Demnach planen 82 Prozent weitere Maßnahmen zur Kostenreduktion und Effizienzsteigerung. 43 Prozent halten es für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre Teile ihrer Produktion oder Fertigung zu verlagern. Unter diesen Unternehmen führen 96 Prozent Personal- und Lohnkosten als einen der wichtigsten Gründe an.

IV Tirol verlangt weitergehende Reformen

Kloger fordert deshalb Entlastungen, die mit strukturellen Veränderungen verbunden werden. Zu den von der IV seit Längerem verlangten Maßnahmen zählen der angekündigte Industriestrompreis sowie die für 2028 geplante Senkung des FLAF-Beitrags. Nach Ansicht der Interessenvertretung müssen diese Entlastungen tatsächlich bei den Unternehmen ankommen und dürfen nicht durch zusätzliche Belastungen ausgeglichen werden.

Als weiteres Problem nennt die IV Tirol die hohe Steuer- und Abgabenquote. Diese liegt 2025 bei 43,9 Prozent und soll bis 2028 auf 44,4 Prozent steigen. Damit würde der höchste Wert seit 30 Jahren erreicht. Um die Belastung langfristig reduzieren zu können, sieht die IV insbesondere bei großen staatlichen Ausgabenbereichen wie dem Pensionssystem Reformbedarf.

Digitale Verfahren sollen Bürokratie reduzieren

Handlungsbedarf sieht Kloger außerdem bei Verwaltungsverfahren. Lange Verfahrensdauern würden Investitionen verzögern und damit wirtschaftliches Wachstum behindern. Mit dem Tirol-Konvent soll in diesem Bereich angesetzt werden.

Eine vom Land Tirol gemeinsam mit der IV Tirol und der Wirtschaftskammer Tirol entwickelte digitale Verfahrensplattform befindet sich derzeit bei der Bezirkshauptmannschaft Schwaz im Testbetrieb für gewerbliche Betriebsanlagenverfahren. Den ersten Rückmeldungen zufolge laufen die Verfahren dadurch bereits schneller und effizienter.

Aus Sicht Klogers reicht die Digitalisierung allein allerdings nicht aus. Gefordert sei auch eine grundsätzlich andere Rolle der Verwaltung, die industrielle Vorhaben stärker unterstützen soll.

Zum Abschluss formulierte der IV-Tirol-Präsident seinen Anspruch für die kommenden Monate: "Wir haben in Tirol oft genug bewiesen, was möglich ist, wenn unternehmerische Kraft und politische Verantwortung zusammenkommen. Daran wollen wir anknüpfen. Dann wird aus unserer Stärke wieder ein Vorsprung – und unser Industriestandort kommt dorthin, wo er hingehört: ganz nach vorne."

www.tirol.iv.at

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