Fotos aus Alpbach
Van der Bellen forderte "selbstbewussten Europa-Patriotismus"

Beim zweitägigen Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter in Innsbruck und Alpbach standen Europas Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit und demokratische Grundwerte im Mittelpunkt. 

Bereits in den ersten Tagen des European Forum Alpbach 2026 jagte ein Programmpunkt den nächsten. Beim gemeinsamen Cocktail-Empfang brachten ORF und Joyn Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Medien zusammen (LEADERSNET berichtete), die "Erste European Night" rückte wiederum Europas wirtschaftliche Zukunft in den Mittelpunkt (LEADERSNET berichtete) und beim A1 CEO Lunch sprach Politikwissenschaftler Ivan Krastev über geopolitische Entwicklungen und die Bedeutung des europäischen Binnenmarkts (LEADERSNET berichtete). Parallel widmeten sich die Gäste beim Netzwerkabend der Energie AG der Versorgungssicherheit (LEADERSNET berichtete), während die ASFINAG zu einem "kleinen Infrastrukturgipfel" lud (LEADERSNET berichtete). 

Am 1. und 2. September erhielt das Forum schließlich hohen politischen Besuch. Bundespräsident Alexander Van der Bellen kam mit Amtskolleg:innen, darunter der belgische König Philippe, der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, Luxemburgs Großherzog Guillaume sowie der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, nach Alpbach. Nach den Beratungen sprach er sich in seiner "Alpbacher Erklärung zur Gegenwart und Zukunft Europas" für einen stärkeren politischen Zusammenhalt und einen "selbstbewussten Europa-Patriotismus" aus, denn "wir können stolz sein auf alles, was wir sind", so der Bundespräsident. 

Mehr europäische Eigenständigkeit gefordert

Im Mittelpunkt der Erklärung des Bundespräsidenten stehen Frieden, Wohlstand, Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit. Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und veränderter internationaler Bündnisse sieht Van der Bellen den europäischen Zusammenhalt unter Druck. "Ein paar hundert Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt herrscht Krieg. Allianzen, die wir lange Zeit für unumstößlich gehalten hatten, existieren in dieser Form nicht mehr. Der europäische Zusammenhalt wird getestet", erklärte der Bundespräsident.

Europa müsse sich nach Ansicht Van der Bellens stärker gegen politische und wirtschaftliche Abhängigkeiten absichern. "Wir müssen alles tun, um unabhängiger von der Willkür fremder Regierungen zu werden", betonte er. Konkret nannte er die Energieversorgung, die digitale Welt und die europäische Verteidigungsfähigkeit. Gleichzeitig gelte es, Gesellschaften widerstandsfähiger gegen Einflussversuche von außen zu machen.

Zusammenarbeit als Grundlage für Wohlstand

Auch die wirtschaftliche Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit hob der Bundespräsident hervor. Europa sei einer der größten Wirtschaftsräume der Welt und beruhe auf Vertrauen, Verlässlichkeit und wirtschaftliche Verflechtung. Die vergangenen Jahre hätten zugleich gezeigt, welche Folgen politische Unberechenbarkeit und instabile Rahmenbedingungen für die Wirtschaft haben könnten. 

Als Grundlage des europäischen Zusammenlebens bezeichnete Van der Bellen die Rechtsstaatlichkeit. Sie schütze vor Machtwillkür und garantiere Gleichberechtigung, Selbstbestimmung sowie eine liberal-demokratische Ordnung. "Europa ist für uns da, wenn wir für Europa da sind", fasste der Bundespräsident seine Position zusammen. Herausforderungen wie Klimanotstand, Energiepolitik, Arbeitslosigkeit, Armut, Krieg, Migration und digitale Transformation seien nur gemeinsam zu bewältigen.

Gespräche mit Stipendiat:innen in Alpbach

Am zweiten Tag des Treffens wurde die Delegation vom Forum-Alpbach-Präsidenten Othmar Karas, Tirols Landeshauptmann Anton Mattle und Alpbachs Bürgermeister Markus Bischofer begrüßt. Auf dem Programm stand eine Arbeitssitzung zum Thema "How Europe Wins". Anschließend trafen die Staatsoberhäupter mit Stipendiat:innen des European Forum Alpbach zusammen. 

Auftakt am Bergisel und Besuch auf dem Gletscher

Begonnen hatte das Treffen am Dienstag in Innsbruck. Nach der Begrüßung vor dem Tirol Panorama kamen die Staatsoberhäupter zu einem Arbeitsmittagessen im Restaurant 1809 am Bergisel zusammen. Anschließend führte das Programm auf den Stubaier Gletscher. Mit der Eisgratbahn und der Schaufeljochbahn gelangten die Teilnehmer:innen zur Aussichtsplattform "Top of Tyrol" auf 3.210 Meter Seehöhe. Bundespräsident Van der Bellen nutzte die Gelegenheit, um den Klimaschutz in den Mittelpunkt zu rücken:

Am Abend wurden die Staatsgäste bei einem landesüblichen Empfang vor der Innsbrucker Hofburg von Landeshauptmann Anton Mattle und Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber begrüßt. Ehrenformationen der Tiroler Traditionsverbände gestalteten den zeremoniellen Teil.

Zum Abschluss seines Resümees verband Van der Bellen die europäischen Errungenschaften mit einem Appell für die Zukunft: "Wir müssen unsere Köpfe nutzen und handeln: weitblickend. Mutig. Friedvoll. Konsequent. Gemeinschaftlich." Europa verfüge über alle Voraussetzungen, die kommenden Herausforderungen zu bewältigen. Seine Schlussfolgerung: "Denn Europa ist die beste Idee der Welt."

Einen Eindruck vom hohen Besuch in Alpbach können Sie mittels Galerie gewinnen.

www.bundespraesident.at

www.alpbach.org

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