WKO veröffentlicht Rekordbilanz
So viele Betriebe wie noch nie wechselten in Österreich den Eigentümer

Hierzulande wurde bei den Betriebsübernahmen 2025 ein neuer Höchststand erreicht. Bis 2034 stehen laut Wirtschaftskammer weitere 52.500 KMU mit insgesamt rund 705.000 Arbeitsplätzen vor der Nachfolgefrage.

In Österreich haben im vergangenen Jahr 8.202 Betriebe den:die Eigentümer:in gewechselt. Das waren laut Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) um 5,3 Prozent mehr als 2024 und gleichzeitig so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1998. Auch über einen längeren Zeitraum zeigt sich die Dynamik: Seit 2021 wurden österreichweit bereits mehr als 37.000 Betriebe übergeben. In den kommenden Jahren dürfte das Thema noch deutlich an Bedeutung gewinnen.

Und die nächste große Übergabewelle steht bereits bevor. Denn in den kommenden Jahren suchen zehntausende heimische Unternehmen neue Eigentümer:innen.

705.000 Arbeitsplätze betroffen

Bis 2034 stehen laut Wirtschaftskammer rund 52.500 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zur Übergabe an. Ein-Personen-Unternehmen sind darin nicht berücksichtigt. Das entspricht rund 23 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe in Österreich.

Die Dimension zeige sich der WKO zufolge insbesondere bei der Beschäftigung: In diesen Unternehmen sind demnach insgesamt rund 705.000 Arbeitsplätze angesiedelt. Dass Österreichs Mittelstand vor einer historischen Nachfolgewelle steht, zeigte zuletzt auch eine Studie von Creditreform Österreich und CH Consult, laut der 45 Prozent der heimischen Unternehmen bis 2030 eine Nachfolgelösung benötigen (LEADERSNET berichtete). 

"Jetzt müssen wir alles daransetzen, dass möglichst viele dieser Betriebe erfolgreich übergeben und weitergeführt werden", so WKÖ-Präsidentin Martha Schultz am Samstag (21. August).

Gleichzeitig verliere die klassische Übergabe innerhalb der Familie an Bedeutung. Derzeit erfolgen zwar noch rund 55 Prozent der Betriebsübergaben familienintern, der Anteil ist laut WKO jedoch rückläufig.

Nachfolger:innen investieren häufig mehr

Eine Übernahme kann Unternehmen auch neue Wachstumsimpulse geben. Laut einer Studie der KMU Forschung Austria steigern 61 Prozent der Nachfolger:innen nach der Übernahme den Umsatz. 60 Prozent investieren mehr als ihre Vorgänger:innen.

Auch bei der Beschäftigung zeigt die Untersuchung überwiegend stabile beziehungsweise positive Auswirkungen: Bei rund der Hälfte der übernommenen Unternehmen bleibt die Zahl der Mitarbeiter:innen konstant, 36 Prozent bauen zusätzlich Personal auf.

Gastronomie mit den meisten Übernahmen

Die meisten Betriebsübergaben entfielen 2025 auf Gewerbe und Handwerk. Der Bereich kam auf einen Anteil von 30,5 Prozent, gefolgt von Tourismus und Freizeitwirtschaft mit 25,1 Prozent sowie dem Handel mit 19,9 Prozent.

Information und Consulting machten 17,6 Prozent der Übernahmen aus, Transport und Verkehr 6,5 Prozent und die Industrie 0,3 Prozent. Auf Ebene der einzelnen Branchen lag die Gastronomie mit 1.575 Betriebsübernahmen an der Spitze.

Wirtschaftskammer fordert steuerliche Erleichterungen

Angesichts der bevorstehenden Übergabewelle fordert die Wirtschaftskammer bessere steuerliche Rahmenbedingungen. Unter anderem soll der Freibetrag für Veräußerungsgewinne von derzeit 7.300 auf 45.000 Euro steigen. Zudem spricht sich die WKÖ für eine niedrigere Altersgrenze beim sogenannten Hälftesteuersatz aus.

Zur Erleichterung der Finanzierung schlägt die Kammer außerdem einen Beteiligungsfreibetrag vor. Private Beteiligungen an Betriebsübernahmen von bis zu 100.000 Euro sollen demnach über fünf Jahre steuerlich absetzbar werden.

www.wko.at

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