Halbjahresergebnisse 2026
VIG erzielt im ersten Halbjahr kräftigen Ergebnissprung

| Larissa Bilovits 
| 26.08.2026

Der Versicherungskonzern legte in nahezu allen Ländern des Kernmarktes CEE zu, senkte die Schaden-Kosten-Quote und hält an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest. Die übernommene Nürnberger ist in den Zahlen noch gar nicht enthalten.

Die Vienna Insurance Group (VIG) hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres bei sämtlichen zentralen Kennzahlen zugelegt. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 20,7 Prozent auf 641,5 Millionen Euro, die versicherungstechnischen Erträge aus ausgestellten Versicherungsverträgen erreichten 6.849,9 Millionen Euro und damit um 7,1 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Die verrechneten Prämien summierten sich auf 9.031,6 Millionen Euro, ein Zuwachs von 5,4 Prozent. Getragen wurde diese Entwicklung von Zentral- und Osteuropa, wo gleich mehrere Landesgesellschaften zweistellig wuchsen.

Alle Segmente steuerten ein Plus bei

Für den Sprung beim Vorsteuerergebnis sorgten vor allem das Gesamtkapitalveranlagungsergebnis und die günstigere Netto Combined Ratio. Kein einziges Segment rutschte in die Verlustzone. Die kräftigsten prozentuellen Zuwächse verbuchten die Erweiterte CEE (+98,0 %), die Spezialmärkte (+35,4 %) und Österreich (+11,2 %).

"Mit den Ergebnissen des ersten Halbjahres 2026 setzt die Vienna Insurance Group ihren profitablen Erfolgskurs sowie ihr dynamisches Wachstum im Kernmarkt CEE fort. Es ist gelungen, alle wesentlichen Kennzahlen zu steigern und auch nach dem Erwerb der Nürnberger Versicherung eine hohe Kapitalausstattung auszuweisen. Damit bestätigen wir unseren Ausblick, für das Gesamtjahr 2026 ein Ergebnis vor Steuern innerhalb einer Bandbreite von 1,25 bis 1,30 Mrd. Euro (exklusive Nürnberger) zu erzielen", so Hartwig Löger, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Vienna Insurance Group.

Sieben Märkte wuchsen zweistellig

Über dem Gruppenschnitt von 7,1 Prozent lagen bei den versicherungstechnischen Erträgen die Segmente Spezialmärkte (+10,9 %), Erweiterte CEE (+9,2 %) und Tschechien (+8,7 %). Noch stärker fiel das Plus in einzelnen Ländern aus: Die Ukraine legte um 18,5 Prozent zu, Bosnien-Herzegowina um 16,2 Prozent, die Türkei um 14,2 Prozent, Ungarn um 13,6 Prozent, Albanien um 13,2 Prozent, Kroatien um 12,6 Prozent und Bulgarien um 11,3 Prozent.

Aufgeschlüsselt nach Sparten führte die Lebensversicherung ohne Gewinnbeteiligung mit einem Zuwachs von 18,2 Prozent das Feld an. Dahinter folgten die fonds- und indexgebundene Lebensversicherung (+10,7 %) sowie die Krankenversicherung (+8,8 %).

Prämienplus vor allem in Polen und Tschechien

Auch beim Prämienvolumen erwies sich die Lebensversicherung ohne Gewinnbeteiligung als Zugpferd, sie steigerte sich um 18,4 Prozent. Regional lagen die Wachstumsraten des Kernmarktes CEE über dem Gruppendurchschnitt: Polen kam auf ein Plus von 8,3 Prozent, Tschechien auf 8,1 Prozent und die Erweiterte CEE auf 6,4 Prozent. Österreich trug 3,6 Prozent zusätzliche Prämien bei.

Innerhalb des Segments Erweiterte CEE stachen Ungarn (+15,1 %), Bulgarien (+12,0 %), Serbien (+9,7 %), Kroatien (+9,3 %) und die Slowakei (+7,0 %) hervor. Einzig im Spezialmarkt Türkei gingen die Prämien um 2,6 Prozent zurück. Dort hatte der Konzern das Geschäft in der Kfz-Haftpflichtversicherung angesichts der Marktlage bewusst zugunsten der Profitabilität gebremst.

Geringere Schadenbelastung drückte die Combined Ratio

Die Netto Combined Ratio verbesserte sich auf 91,4 Prozent, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch bei 91,9 Prozent gelegen war. Der Rückgang um 0,5 Prozentpunkte geht überwiegend auf geringere Schadenbelastungen zurück.

Die Vertragliche Servicemarge (CSM) belief sich per 30. Juni 2026 auf 6.323,1 Mio. Euro und lag damit um 1,4 Prozent über dem Wert von Ende 2025. Sie speist sich im Wesentlichen aus dem langfristigen Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft, der Anstieg resultiert aus dem höheren Zinsniveau und dem Neugeschäft.

Solvenzquote blieb über 270 Prozent

Zum Halbjahresende wies die Gruppe eine Solvenzquote von 272 Prozent inklusive Übergangsmaßnahmen aus. Gegenüber dem Jahresultimo 2025 mit 296 Prozent bedeutet das einen Rückgang, der im Wesentlichen aus der vereinfachten Berücksichtigung der Nürnberger Beteiligungs-AG in der Solvenzkapitalberechnung resultiert, die zum 30. Juni 2026 noch nicht konsolidiert war. Neben der aufsichtsrechtlichen Eigenmittelausstattung verweist der Konzern auf das "A+"-Rating von Standard & Poor's, dessen Ausblick am 23. Oktober 2025 auf "positiv" angehoben worden war.

Das Gesamtkapitalveranlagungsportfolio wuchs zum Stichtag auf 49,1 Mrd. Euro, nach 47,2 Mrd. Euro Ende 2025. Der Anstieg um 4,1 Prozent erklärt sich vorrangig durch höhere Marktwerte bei den zum Zeitwert bewerteten Investments sowie durch hohe Neuveranlagungen.

Nürnberger fließt erst in den Jahresabschluss ein

Mit Ausnahme der Solvenzquote wurden sämtliche Halbjahreszahlen ohne die kürzlich übernommene Nürnberger Beteiligungs-AG (LEADERSNET berichtete) ermittelt. In den Konzernabschluss einbezogen wird die deutsche Gesellschaft erstmals zum Jahresende 2026. Den Vollzug des Erwerbs und damit die größte Transaktion der Unternehmensgeschichte hatte die VIG am 18. Mai bekanntgegeben. Auf Basis der Entwicklung des ersten Halbjahres hält das Management an seiner Gesamtjahresprognose fest.

An der Neuausrichtung des deutschen Zukaufs arbeitet der Konzern bereits mit. "Die Nürnberger bereichert unser breites Portfolio an Gesellschaften mit ihrer starken Marke und unterstützt unsere nachhaltige Wachstumsstrategie im Kernmarkt CEE durch die höhere Diversifikation über den deutschen Markt. Beim eingeschlagenen Transformationskurs der Nürnberger legen wir einen besonderen Fokus auf die Erarbeitung und Implementierung einer IT-Transformations-Strategie. Ziel ist, Kund:innen sowie Vertriebspartner:innen damit noch leistungsstärkere, nachhaltige Produkte und Services zu bieten", betont Löger.

www.group.vig

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