Besorgniserregende Analyse der OeNB
Zahlungsbetrüger erbeuten 115 Millionen Euro – eine Masche ist besonders teuer

| Tobias Seifried 
| 20.08.2026

Immer häufiger bringen Kriminelle ihre Opfer dazu, Zahlungen selbst freizugeben. In Einzelfällen registrierte die Oesterreichische Nationalbank Schäden von mehr als einer Million Euro.

Betrug im unbaren Zahlungsverkehr hat 2025 in Österreich einen deutlich höheren finanziellen Schaden verursacht. Insgesamt belief sich die Schadenssumme laut einem aktuellen Report der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) auf 115,4 Millionen Euro und damit um 17,6 Prozent mehr als im Jahr davor.

Demnach wurden rund 351.000 betrügerische Transaktionen registriert. Über sämtliche Zahlungsarten hinweg habe der durchschnittliche Schaden 329 Euro betragen. Gemessen am gesamten Zahlungsverkehr bleibe das Risiko allerdings gering: Laut OeNB war lediglich eine von 16.000 Transaktionen betrügerisch. Bei den meisten untersuchten Zahlungsarten liege Österreich zudem unter dem EU-Durchschnitt.

"Der deutliche Anstieg der Schadenssumme zeigt aber, dass wir uns auf diesem hohen Sicherheitsniveau nicht ausruhen dürfen", sagt OeNB-Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger.

Überweisungen verursachen 78 Prozent des Schadens

Besonders auffällig sei die Verteilung der Verluste. Neun von zehn Betrugsfällen entfielen der Analyse zufolge auf Kartenzahlungen, bei denen durchschnittlich rund 75 Euro verloren gingen. Überweisungen hätten hingegen nur neun Prozent der Fälle ausgemacht, seien mit rund 89 Millionen Euro aber für 78 Prozent des Gesamtschadens verantwortlich gewesen.

Pro betrügerischer Überweisung gingen im Schnitt rund 3.000 Euro verloren, in Einzelfällen sogar mehr als eine Million Euro. Gemessen an der Anzahl der Transaktionen liegt die österreichische Betrugsrate bei Überweisungen mit 0,004 Prozent doppelt so hoch wie im EU-Schnitt.

Betrüger:innen setzen auf Manipulation

Eine immer größere Rolle spiele sogenanntes Social Engineering. 83 Prozent der Verluste bei Überweisungen entstanden 2025 laut OeNB dadurch, dass Kriminelle ihre Opfer gezielt täuschten und zur eigenständigen Freigabe einer Zahlung brachten.

Die Bandbreite reiche von Kauf-, Anlage- und Liebesbetrug über gefälschte Rechnungen und Paketnachrichten bis zu CEO- und Behördenbetrug sowie dem Enkel- oder Neffentrick. Künstliche Intelligenz erleichtere es zusätzlich, glaubwürdig wirkende E-Mails, Webseiten, Stimmen oder Videos zu erstellen.

Technische Sicherheitsmaßnahmen könnten zwar unbefugte Kontozugriffe erschweren, helfen jedoch nur eingeschränkt, wenn Betroffene eine Zahlung aufgrund einer Täuschung selbst autorisieren.

Wer trägt den Schaden?

Genau das könne im Betrugsfall entscheidend sein. Bei einer nicht autorisierten Zahlung müsse die Bank das Konto grundsätzlich unverzüglich berichtigen. Gibt das Opfer die Zahlung hingegen etwa per TAN oder Banking-App selbst frei, trage grundsätzlich der:die Kund:in den Schaden. Die konkrete Haftung hängt laut OeNB vom Einzelfall ab.

Bei betrügerischen Überweisungen trugen Zahlungsdienstnutzer:innen 2025 97 Prozent der Verluste selbst. Bei Bargeldbehebungen waren es 55 Prozent, bei Kartenzahlungen 32 Prozent.

OeNB setzt auf Prävention

Neben technischen Sicherheitsmaßnahmen setzt die OeNB laut eigenen Angaben verstärkt auf Aufklärung und Finanzbildung. Gemeinsam mit der Polizei sowie der Universität Wien werden unter anderem Projekte durchgeführt, die typische Betrugs- und Phishingmethoden vermitteln.

OeNB-Direktor Josef Meichenitsch rät vor allem zu kritischem Hinterfragen und Vorsicht: "Betrüger:innen werden immer dreister und arbeiten mit immer ausgefalleneren Tricks, um an das hart verdiente Geld ihrer Opfer zu kommen. Jeder von uns kennt die WhatsApp-Nachricht mit windigen Investment-Angeboten, die Fake-Anrufe oder die SMS vom Enkerl, der Nichte oder dem Sohn, der das Handy verloren hat und ein bisschen Geld braucht. Dagegen hilft am besten Bewusstsein schaffen, kritisches Hinterfragen und eine gute Portion Vorsicht."

www.oenb.at

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