Bedarf an zusätzlicher Altersvorsorge
Österreicher verlieren Glauben an staatliche Pension

| Tobias Seifried 
| 19.08.2026

Eine aktuelle Befragung zeigt eine verbreitete Sorge um die finanzielle Absicherung im Alter. Gleichzeitig soll eine weitreichende Reform mehr Beschäftigten den Zugang zur betrieblichen Zusatzpension ermöglichen.

Mehr als zwei Drittel der österreichischen Berufstätigen gehen laut einer aktuellen Erhebung von Unique Research im Auftrag des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen davon aus, im Alter zusätzlich zur staatlichen Pension eine betriebliche Altersvorsorge zu benötigen. Konkret tendieren 68 Prozent zu dieser Einschätzung, während lediglich 22 Prozent eher davon ausgehen, mit der staatlichen Pension allein auszukommen. Besonders ausgeprägt sei der Wunsch nach zusätzlicher Absicherung bei den unter 50-Jährigen.

"Das zentrale Ergebnis ist klar: Viele Menschen sehen den Bedarf an zusätzlicher Absicherung im Alter", sagt Peter Hajek von Unique Research. Gerade bei den unter 50-Jährigen sei die Einschätzung stark ausgeprägt, dass es neben der staatlichen Pension eine betriebliche Vorsorge brauche.

Zeitlich treffen die Ergebnisse auf eine geplante Neuordnung der zweiten Säule des österreichischen Pensionssystems. Das von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Gesetzespaket soll die betriebliche Altersvorsorge einem größeren Kreis von Arbeitnehmer:innen zugänglich machen sowie mehr Wahlmöglichkeiten und Ertragschancen schaffen (LEADERSNET berichtete).

"Abfertigung Neu" soll zur Zusatzpension werden können

Ein wesentlicher Bestandteil ist der sogenannte Generalpensionskassenvertrag. Beschäftigte sollen dadurch künftig leichter Kapital aus der "Abfertigung Neu" in eine Pensionskasse übertragen und damit eine zusätzliche monatliche Pension aufbauen können.

Für ein solches Modell gibt es der Erhebung zufolge durchaus Interesse: 45 Prozent der Befragten halten die Möglichkeit, ihre Abfertigung Neu auf diesem Weg in eine Zusatzpension umzuwandeln, für sehr oder eher sinnvoll. Überdurchschnittlich offen dafür seien jüngere Berufstätige, höher Gebildete sowie Personen, die mit den bisherigen Erträgen ihrer Abfertigung Neu zufrieden sind.

Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands, bezeichnet die Reform als wichtigen Modernisierungsschritt. "Wenn es gelingt, dieses Kapital stärker für eine lebenslange Zusatzpension nutzbar zu machen, entsteht ein konkreter Mehrwert für Arbeitnehmer:innen."

Grundsätzlich positiv bewerten 36 Prozent der Befragten den geplanten Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge, weitere 31 Prozent stehen ihm laut Studie zumindest offen gegenüber.

Sicherheit oder höhere Ertragschancen?

Bei der konkreten Ausgestaltung gehen die Vorstellungen auseinander. 36 Prozent nennen mehr Sicherheit und Garantien als besonders wichtigen Faktor, 31 Prozent wünschen sich steuerliche Vorteile und 29 Prozent höhere Ertragschancen.

Genau darauf sollen künftig unterschiedliche Angebote reagieren. Nach Angaben von Zakostelsky wollen die Pensionskassen eine stärker chancenorientierte Variante mit höheren Ertragsmöglichkeiten sowie ein konservativer ausgerichtetes Modell mit größerem Fokus auf Sicherheit entwickeln.

"Es gibt nicht den einen Zugang, der für alle passt", so der Obmann des Fachverbands. Ein Teil wolle langfristig höhere Ertragschancen nutzen, während für andere Sicherheit und Garantien im Vordergrund stünden.

Pensionskassen mit 4,83 Prozent im ersten Halbjahr

Rückenwind für die Branche liefert laut Fachverband die bisherige Performance im laufenden Jahr. Österreichs Pensionskassen erzielten nach Zahlen der OeKB im ersten Halbjahr 2026 eine Performance von 4,83 Prozent. Seit 1991 liege die langfristige Performance bei durchschnittlich 5,02 Prozent pro Jahr.

Pensions- und Vorsorgekassen vertreten den Angaben zufolge mittlerweile mehr als fünf Millionen Anwartschafts- und Leistungsberechtigte und verwalten ein Vermögen von über 50 Milliarden Euro.

Für den Fachverband entscheidet sich der Erfolg der geplanten Reform nun vor allem daran, wie viele Unternehmen und Beschäftigte die neuen Möglichkeiten tatsächlich nutzen. Zakostelsky sieht deshalb neben der Politik auch Arbeitgeber und Pensionskassen gefordert, über die neuen Modelle zu informieren und die betriebliche Altersvorsorge stärker zu etablieren.

www.wko.at/vorsorgeverband

www.unique-research.at

Zur Studie

Die Befragung wurde im Auftrag des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen von Unique research durchgeführt. Befragt wurden 508 österreichische Berufstätige zwischen 15 und 70 Jahren im Rahmen einer Online-Befragung. Die Feldarbeit fand von 1. bis 10. Juli 2026 statt. Die maximale Schwankungsbreite liegt bei +/- 4,3 Prozent.

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Die Befragung wurde im Auftrag des Fachverbands der Pensions- und Vorsorgekassen von Unique research durchgeführt. Befragt wurden 508 österreichische Berufstätige zwischen 15 und 70 Jahren im Rahmen einer Online-Befragung. Die Feldarbeit fand von 1. bis 10. Juli 2026 statt. Die maximale Schwankungsbreite liegt bei +/- 4,3 Prozent.

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