Familien auf dem Panoramaweg, Mountainbiker:innen auf der Trailstrecke, Trailrunner:innen im Aufstieg, dazwischen Weidetiere, Wald und Almwirtschaft. Der Bergsommer bringt heute mehr unterschiedliche Ansprüche auf engem Raum zusammen als je zuvor – und damit auch mehr Reibungsflächen. Die Besten Österreichischen Sommer-Bergbahnen reagieren darauf nun mit der Gipfelcharta "Gemeinsam am Berg", einem Regelwerk, das Gästen in einfachen Worten erklärt, worauf es im alpinen Gelände ankommt. Am Standort Serfaus zeigten die Betriebe bereits, wie das in der Praxis aussieht.
Gütesiegel mit 84 Betrieben im Rücken
Hinter der Charta steht eine Auszeichnung, die den alpinen Sommertourismus seit einem Vierteljahrhundert prägt. Sie geht auf eine Initiative des Fachverbandes der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) zurück und umfasst heute 84 Mitgliedsbetriebe mit 101 Themenbergen, spezialisiert auf die fünf Themenwelten Abenteuer, Familie, Panorama & Naturerlebnis, Genuss sowie Kunst & Kultur. Aufgenommen wird nur, wer mindestens 100 Qualitätskriterien erfüllt, und alle drei Jahre steht eine Rezertifizierung an. Die Gipfelcharta ist mittlerweile fester Teil dieses Kriterienkatalogs. Bei Neu- und Rezertifizierungen wird geprüft, ob und wie die Leitlinien für Gäste sichtbar gemacht werden.
Nachhaltigkeit läuft dabei nicht als Einzelprojekt, sondern als Daueraufgabe. Das KlimaTicket Österreich soll die Anreise ohne Auto attraktiver machen. Darüber hinaus versorgt der Verbund seine Betriebe laufend mit Know-how und zeigt ihnen, welche Maßnahmen im eigenen Gebiet realistisch umsetzbar sind. Die Charta setzt dort an, wo Gäste tatsächlich entscheiden, etwa bei der Begegnung mit Kühen am Steig, beim Müll im Rucksack oder beim Überholen auf schmalen Wegen. "Wenn wir heute über die Gipfelcharta sprechen, dann sprechen wir über einen weiteren Baustein unserer Qualitäts- und Nachhaltigkeitsoffensive im Bergsommer", betont Kornel Grundner, Sprecher der Besten Österreichischen Sommer-Bergbahnen. "Wichtig ist: Nicht die Kampagne allein zählt, sondern das dahinterstehende Versprechen. Alle Mitgliedsbetriebe verpflichten sich, Verantwortung zu übernehmen und ihre Gäste aktiv für nachhaltiges Verhalten am Berg zu gewinnen."
Als Grundlage dienten Programme, die in einzelnen Bundesländern längst etabliert sind, etwa "Bergwelt Tirol – Miteinander erleben", "Respektiere deine Grenzen" und "In unserer Natur". "Man muss das Rad nicht neu erfinden", erklärt Grundner. "Es gibt in den Bundesländern erfolgreiche Initiativen, die wir zusammengeführt haben. So konnten wir Leitlinien definieren, die überregional für ein respektvolles Miteinander am Berg gelten – von Vorarlberg bis in die Steiermark."
Sichtbar an jeder Station
In Serfaus lässt sich nachvollziehen, wie die Botschaft ihren Weg zum Gast findet. Von der Talstation über das Wandergebiet bis in den Erlebnispark Hög ist die Charta an den Punkten präsent, an denen ohnehin Halt gemacht wird. "Dieses Miteinander von Familien, Wandernden, Sportler:innen und Almwirtschaft funktioniert nur, wenn wir gemeinsame Spielregeln haben und ein Grundverständnis dafür, wie wir miteinander und mit der Natur umgehen. Die Gipfelcharta gibt uns dafür einen klaren Rahmen, ohne dass wir mit erhobenem Zeigefinger arbeiten", erklärt Stefan Mangott, Geschäftsführer der Seilbahn Komperdell und Sprecher der Besten Österreichischen Sommer-Bergbahnen in Tirol.
Dazu kommen Ein- und Ausstiege, markante Punkte im Wandergebiet, Infoscreens, Programmhefte, Websites und die Social-Media-Kanäle der Betriebe. Den Mitgliedern stehen dafür praxisnahe Materialien zur Verfügung, von Plakaten und Hinweistafeln bis zu Videoclips und Inhalten für die eigenen Kanäle. "Jeder Ausflug am Berg hinterlässt Spuren und wir können gemeinsam entscheiden, ob diese Spuren positiv sind", so Mangott.
Erklären statt absperren
Der Bedarf an gemeinsamen Regeln ergibt sich aus der Mehrfachnutzung des Geländes. Für die einen ist der Berg Arbeitsplatz und Lebensraum, für die anderen Kulisse für die Freizeit, und beides fällt auf denselben Flächen zusammen. "Tirol ist ein alpines Sport- und Tourismusland und gleichzeitig ein sensibler Natur- und Lebensraum", unterstreicht Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler. "Dass so viele Interessen aufeinandertreffen, ist eine Chance, kann aber auch zu Konflikten führen, wenn es keine klaren Erwartungen und Spielregeln gibt."
Besonders eng wird es auf den Almen und in den Wäldern, wo Land- und Forstwirtschaft, Jägerschaft, Tourismus und Sport unmittelbar zusammenkommen. "Wir müssen beides im Blick behalten: die Natur als Lebensraum und die Berge als Wirtschafts- und Erholungsraum. Das funktioniert nur mit guter Infrastruktur, gegenseitiger Rücksichtnahme und einem gemeinsamen Verständnis dafür, wie wir unsere Naturräume nutzen", so Geisler.
Für die Forstwirtschaft ist die Charta vor allem ein Kommunikationsinstrument. Sie erklärt Zusammenhänge, anstatt Flächen für Gäste zu sperren, und ordnet sich damit in ein Verständnis von Besucherlenkung ein, das den Zugang zur Natur offenhalten will. "Wir arbeiten hier in Tirol seit Jahren daran, Nutzungskonflikte frühzeitig zu entschärfen und damit Bewirtschaftung und Naturerlebnisse langfristig zu sichern. In vielen Regionen haben wir bereits einen konstruktiven Dialog zwischen Forst, Landwirtschaft, Jagd und Tourismus aufgebaut – für ein respektvolles Miteinander", so Harald Oblasser, Vorstand der Gruppe Forst des Landes Tirol. "Die Gipfelcharta stärkt diesen Schulterschluss und formuliert die Ziele klar und verständlich: Sie zeigt, wie Gäste Wege und sensible Bereiche nutzen können, ohne Wildtiere zu stören, Verjüngungsflächen im Wald zu schädigen, oder Weideflächen zu gefährden."
Wie weit die Leitlinien tragen, entscheidet sich am Ende am Verhalten aller Beteiligten. Der Leitgedanke "Gemeinsam am Berg – Erleben, Genießen, Bewahren" adressiert daher nicht nur die Betriebe und ihre Gäste, sondern auch Regionen, Forst und Landwirtschaft. Für das Gütesiegel selbst ist die Charta zugleich ein Wettbewerbsargument, weil die Auszeichnung inzwischen bei der Wahl des Urlaubsziels mitentscheidet.
www.sommer-bergbahnen.at
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