Thomas Kicker im Interview
"Wir sind die digitale Lebensader Österreichs"

| Tobias Seifried 
| 19.08.2026

Im LEADERSNET-Interview erläutert Thomas Kicker, CEO von Magenta Telekom, warum der massive Ausbau der Glasfaser- und Mobilfunkinfrastruktur die Grundvoraussetzung für Zukunftstechnologien wie KI ist, wie das Unternehmen nach dem Prinzip "Security by Design" schützt und weshalb digitaler Optimismus der Schlüssel für eine erfolgreiche Transformation ist. Zudem gibt er einen Einblick in seine Führungsphilosophie.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Kicker, wohin entwickelt sich die Digitalisierung und welche Rolle nimmt Magenta dabei ein? Wofür steht das Markenversprechen Ihres Hauses?

Thomas Kicker: Magenta steht kurz gesagt für einen vertrauenswürdigen digitalen Partner. In einer Zeit rasanter technologischer Veränderungen sehen wir bei den Menschen vor allem zwei zentrale Bedürfnisse: Einerseits möchten sie mit der besten verfügbaren Technologie digital vernetzt sein, andererseits suchen sie einen verlässlichen Partner, der höchste Sicherheitsanforderungen erfüllt.

LEADERSNET: Sie stehen seit 1. August 2025 als CEO an der Spitze von Magenta Telekom. Welcher Weg hat Sie in diese Führungsposition geführt?

Kicker: Ich bin bereits seit längerer Zeit im Gesamtkonzern tätig, war davon neun Jahre im Ausland und konnte dort vielfältige Erfahrungen sammeln. Ich kenne das Unternehmensumfeld daher sehr genau und durfte an verschiedenen Stellen Wertbeiträge leisten. Nun die Verantwortung für das operative Geschäft in Österreich zu tragen, ist eine außergewöhnlich reizvolle und erfüllende Aufgabe.

LEADERSNET: Sie bezeichnen die Infrastruktur oft als echten "Gamechanger". Wo stehen wir hier aktuell und wie sieht die Roadmap für die Zukunft aus?

Kicker: Digitale Infrastruktur wird in der klassischen Kundenwahrnehmung oft unterschätzt, bildet jedoch das tragende Fundament unserer digitalen Zukunft. Sie umfasst sowohl die mobile Luftschnittstelle via Mobilfunk als auch die physische Festnetz-Infrastruktur – allen voran echte Glasfaserverbindungen bis in die Wohnungen und Unternehmen. Genau hier entscheidet sich die Leistungsfähigkeit unseres Standorts.

LEADERSNET: Magenta positioniert sich explizit als Komplettanbieter. Was genau verstehen Sie unter diesem Ansatz?

Kicker: In puncto Sicherheit und Vertrauen macht es wenig Sinn, sich eine SIM-Karte hier und einen Router unklarer Herkunft dort zusammenzustückeln. Wir übernehmen gesamtheitliche Verantwortung. Das bedeutet: Mobilfunk, Festnetz, TV-Entertainment, Sicherheitslösungen und Cloud-Services kommen bei uns aus einer Hand – vereint auf einer einzigen Rechnung und betreut von einem zentralen Ansprechpartner. Das ist ein ganz wesentlicher Differenzierungsfaktor.

LEADERSNET: Das Datenvolumen wächst seit Jahren exponentiell. Wird sich diese Dynamik ungebremst fortsetzen?

Kicker: Definitiv. Wir verzeichnen jährlich einen Zuwachs des Datenverbrauchs von rund 20 bis 30 Prozent – auf einem ohnehin schon enorm hohen Niveau. Heuer transportieren wir circa 6.000 Petabyte an Daten durch unser Netz. Durch den Vormarsch von KI-Anwendungen, Cloud-Services und der allgemeinen Digitalisierung wird dieser Bedarf weiter steigen. Eine hochleistungsfähige Infrastruktur ist unverzichtbar.

LEADERSNET: Welche Treiber sind primär für diese enormen Bandbreitenanforderungen verantwortlich? Ist es der Medienkonsum, autonomes Fahren oder Künstliche Intelligenz?

Kicker: Aktuell treibt vor allem der alltägliche Medienkonsum den Verbrauch. Allein eine Stunde Nutzung von Plattformen wie Instagram schlägt mit rund einem Gigabyte zu Buche. Zukünftig potenziert sich dieser Bedarf durch KI-Rechenleistungen, Robotics sowie autonomes Fahren – Bereiche, die gigantische Datenmengen, hohe Rechenkapazitäten und extrem geringe Latenzzeiten erfordern.

LEADERSNET: Oft fehlt in der Öffentlichkeit die volle Wertschätzung für die Leistung der Telekommunikationsanbieter. Was sehen Sie als Ihre Kernaufgabe?

Kicker: Als Teil des einzigen echten europäischen Telekommunikationskonzerns ist es unsere primäre Aufgabe, eine verlässliche und hochsichere Infrastruktur bereitzustellen. Das bringt komplexe regulatorische und bauliche Vorgaben mit sich, etwa beim Glasfaserausbau. Wir garantieren die Einhaltung aller Compliance-Standards, den Schutz sensibler Daten und eine erstklassige Netzqualität.

LEADERSNET: Wie begegnen Sie den wachsenden Herausforderungen im Bereich Cybersecurity?

Kicker: Cybersecurity ist ein hochsensibles Kernthema, bei dem wir als europäisches Unternehmen besondere Verantwortung tragen. Wir verfolgen ein Schichtenmodell – ähnlich einer Zwiebel. Netzseitig agieren wir nach dem Prinzip "Security by Design": Sicherheit ist bereits in der Architektur verankert. Zudem betreiben wir europaweit 14 Cyber Security Operations Centers, sind dreifach Geo-redundant aufgestellt und beschäftigen allein in der Deutschen Telekom Gruppe rund 4.000 spezialisierte Security-Expert:innen.

LEADERSNET: Wo steht Österreich im europäischen Vergleich beim digitalen Ausbau?

Kicker: Das Bild ist zweigeteilt: Im Mobilfunkbereich sind wir in Österreich extrem weit entwickelt und verfügen über ein hervorragendes Netz. Beim Thema Glasfaser ist die Penetrationsrate hingegen noch vergleichsweise schwach. Unsere Aufgabe ist es nun, Glasfaser flächendeckend auszubauen und den Nutzen zu vermitteln. Glasfaser ist kein geteiltes Medium, bietet stabile Raten und ist gerade beim Upload – der für KI-Anwendungen essenziell ist – unschlagbar. Hier müssen wir als Land aufholen.

LEADERSNETÜberwiegt bei Ihnen beim Blick in die Zukunft die Sorge vor Cyber-Risiken oder die Freude auf den technologischen Fortschritt?

Kicker: Ich plädiere für einen gesunden Respekt vor den Risiken, keinesfalls für Angst. Man muss sich der Stärken und Schwächen von Technologien bewusst sein und passende Rahmenbedingungen schaffen. Meine persönliche Grundhaltung ist von digitalem Optimismus geprägt. Er fördert das Interesse, schärft den Blick für Chancen und lässt uns Innovationen aktiv nutzen.

LEADERSNET: Sie haben einen Fußball mitgebracht. Welcher Bezug besteht hier – abgesehen von Ihrem Nachnamen?

Kicker: Der Name ist natürlich ein Stück weit Programm, auch wenn ich selbst nur hobbymäßig kicke. Fußball hat für uns als Unternehmen einen enormen Stellenwert. Wir sind stolzer Sponsor des österreichischen Nationalteams. Dieser Ball stammt von der Mannschaft aus dem Jahr 2022 mit allen Unterschriften. Zudem übertragen wir auf Magenta TV alle relevanten Spiele live und auf Abruf.

LEADERSNET: Welchen konkreten Rat geben Sie Konsument:innen im Umgang mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz mit auf den Weg?

Kicker: Digitale Kompetenz ist heute eine Schlüsselqualifikation – völlig unabhängig vom Alter. Ich rate allen Generationen, neugierig zu bleiben und Technologien einfach auszuprobieren, sei es über Sprachmodelle wie ChatGPT, Gemini oder spezialisierte Podcasts. Wer sich damit beschäftigt, baut Berührungsängste ab und entwickelt das nötige Verständnis. Der digitale Zug fährt extrem schnell – wer jetzt aufspringt, dem eröffnet sich eine hochspannende Reise.

LEADERSNET: Vielen Dank.

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