Deloitte-Studie
Zwei Drittel der Österreicher verbringen jährlich einen ganzen Monat am Handy

Laut einer neuen Deloitte-Studie kommt ein Großteil der Menschen hierzulande täglich auf mindestens zwei Stunden Smartphone-Nutzung. Gleichzeitig wächst der Wunsch, den eigenen Konsum bewusster zu reduzieren.

Kaum ein Gegenstand wird so intensiv genutzt und so schlecht beredet wie das Smartphone. Es organisiert Termine, Nachrichten und Freundschaften, gilt für viele Menschen gleichzeitig aber als das Ding, von dem sie dringend loskommen möchten. Wie groß dieser Widerspruch tatsächlich ist, zeigt eine repräsentative Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte unter 500 Personen.

Demnach verbringen zwei Drittel der Österreicher:innen mindestens zwei Stunden täglich am Handy – hochgerechnet auf ein Jahr sind das mehr als 30 volle Tage und damit rund ein Monat. 15 Prozent der Befragten kommen sogar auf über fünf Stunden pro Tag, also mehr als zweieinhalb Monate pro Jahr. Dass solch ein Konsum durchaus problematisch sein kann, hat mehr als die Hälfte der Österreicher:innen bereits erkannt und setzt konkrete Maßnahmen, um die eigene Smartphone-Nutzung zurückzuschrauben.

Alleskönner in der Hosentasche

Genutzt wird das Gerät in erster Linie zum Kommunizieren und Informieren. So öffnen zwei Drittel der Befragten täglich Messenger-Dienste wie WhatsApp, Signal oder Telegram, dazu kommen klassische Telefonate und die schnelle Online-Recherche zwischendurch. Und auch Künstliche Intelligenz (KI) hat den Sprung in den Smartphone-Alltag geschafft, verwendet immerhin bereits jede:r Dritte (35 %) zumindest einmal pro Woche KI-Apps wie ChatGPT, Claude oder Gemini. "Das Smartphone macht KI jederzeit und überall verfügbar. Dadurch wird sie für viele Menschen zu einem praktischen Alltagswerkzeug, sei es zur Informationssuche, für kreative Aufgaben oder zur Unterstützung im Berufs- und Privatleben", ordnet Christoph Waldeck, Partner bei Deloitte Österreich, ein.

Ein gewichtiger Teil der Bildschirmzeit entfällt zudem auf soziale Netzwerke, die längst mehr sind als reine Unterhaltung. Laut der Studie fühlt sich mehr als die Hälfte der Befragten durch Social Media besser informiert, und ein Drittel sieht darin eine Stärkung der Beziehungen zu Familie, Freund:innen und Bekannten. Das Handy ist damit Zeitung, Telefonbuch und Stammtisch in einem, nur eben ohne Sperrstunde.

Entsprechend beständig ist die Begleitung durch den Tag. Gescrollt wird zu Hause (68 %), zur Überbrückung von Wartezeiten (41 %), beim Fernsehen (27 %) und in öffentlichen Verkehrsmitteln (25 %). Jede:r Vierte nimmt sich den Feed noch vor dem Schlafengehen vor, jede:r Fünfte gleich nach dem Aufstehen. Der Preis dafür lässt sich beziffern, denn jeweils ein Viertel berichtet von negativen Auswirkungen auf den Schlaf oder das eigene Zeitmanagement. Auch Produktivität und Konzentrationsfähigkeit leiden unter dem Konsum.

Ausgerechnet junge Menschen wollen öfter offline sein

Interessanterweise hinterfragt ausgerechnet jene Gruppe ihre Konsumgewohnheiten am selbstkritischsten, die am intensivsten wischt. "Die ständige Erreichbarkeit und der Druck, auf dem Laufenden zu bleiben, führen dazu, dass immer mehr Menschen gezielt digitale Auszeiten schaffen wollen. Besonders bemerkenswert ist dabei die junge Generation. Bereits jede zweite Person zwischen 14 und 29 Jahren empfindet die eigene Smartphone-Nutzung als zu hoch. Der Wunsch nach digitaler Balance ist gerade bei jenen am stärksten ausgeprägt, die Smartphones am meisten nutzen", so Waldeck.

Die Verantwortung sehen die Befragten allerdings nicht ausschließlich bei sich selbst. Laut Waldeck seien vor allem junge Menschen in sozialen Netzwerken regelmäßig mit idealisierten Lebenswelten und problematischen Inhalten konfrontiert. Zwei Drittel der Österreicher:innen fordern deshalb, dass die Plattformbetreiber stärker in die Pflicht genommen werden. "Die Botschaft ist klar: Die sozialen Medien müssen Information und Austausch ermöglichen, problematische Inhalte aber konsequenter eindämmen", erklärt Waldeck abschließend.

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen.

www.deloitte.com

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV