Neustart nach der Pleite
Mediashop verlässt Neunkirchen und peilt 120 Millionen Euro Umsatz an

| Redaktion 
| 16.08.2026

Ein halbes Jahr nach der Insolvenz meldet der Teleshopping-Anbieter unter neuem Eigentümer wieder einen positiven Cashflow. Die Belegschaft ist dabei auf rund ein Viertel geschrumpft.

Ende Februar hatte die Mediashop GmbH beim Landesgericht Wiener Neustadt ein Sanierungsverfahren beantragt und damit eine der größten heimischen Handelsinsolvenzen des Jahres ausgelöst (LEADERSNET berichtete). Rund ein halbes Jahr später ist die Marke zurück, allerdings in einer grundlegend anderen Form. Die Mediashop by One Spot GmbH hat Markenrechte und wesentliche Vermögenswerte erworben und führt das Geschäft seit 1. Juni weiter. Nach zwei Monaten legt der neue Eigentümer nun eine erste Zwischenbilanz vor: Das operative Geschäft arbeite wieder Cashflow-positiv, für das laufende Geschäftsjahr seien rund 40 Millionen Euro Umsatz budgetiert. Mittelfristig soll die Marke wieder 120 Millionen Euro erreichen.

Vom Konkurs zur schlanken Struktur

Vorausgegangen war ein harter Schnitt. Der angebotene Sanierungsplan mit der gesetzlichen Mindestquote von 20 Prozent scheiterte, das Verfahren wurde in einen Konkurs umgewandelt (LEADERSNET berichtete). In der Folge meldeten Gläubiger:innen Forderungen in Millionenhöhe an (LEADERSNET berichtete). Die Passiva waren bei Antragstellung noch mit rund 46 Millionen Euro beziffert worden, zuletzt war von rund 55 Millionen Euro die Rede. Von den ursprünglich 162 Dienstnehmer:innen sind heute rund 40 Mitarbeiter:innen übrig.

Wie tief der Umbau reicht, zeigt sich auch an den laufenden Fixkosten. Für IT, Infrastruktur und Software fielen in der alten Organisation nach Unternehmensangaben monatlich rund 250.000 Euro an, die vergleichbaren Aufwendungen liegen aktuell bei etwa 20.000 Euro. Auch die technische Basis wurde dabei komplett getauscht, von der Warenwirtschaft bis zur Kundendatenbank. "Entscheidend für unseren Geschäftserfolg ist nicht der Umsatz, sondern was nach den Kosten übrigbleibt. Deshalb haben wir jeden Prozess, jeden Vertrag und jede Struktur hinterfragt", so Christoph Bauer, Eigentümer von Mediashop by One Spot, in einer entsprechenden Aussendung.

Zur Neuaufstellung gehört auch der Abschied vom bisherigen Firmensitz. Das Unternehmen bereitet die Übersiedlung von Neunkirchen an einen anderen Standort vor, der Mietvertrag befindet sich laut Bauer derzeit in Verhandlung. Am neuen Standort soll Mediashop mit spürbar weniger Quadratmetern auskommen, weil sich das Raumkonzept an der kleineren Belegschaft und einer stärker digitalisierten Arbeitsweise orientiere.

Expansion und Kritik am Standort Österreich

Parallel zum internen Umbau wurde die Vertriebsreichweite ausgeweitet. Kurz nach der Insolvenz war die Marke im April auf 16 TV-Sendern in zwei Ländern präsent, im Juni waren es 37 Sender in drei Ländern, aktuell sind es rund 50 Sender in fünf Ländern. Neben Österreich zählen dazu Deutschland, die Schweiz, Ungarn und die Slowakei. In Ungarn wurde bereits eine Tochtergesellschaft gegründet, im Fokus der weiteren Expansion stehen zusätzlich Tschechien und Rumänien. Mitwachsen soll auch die Logistik: Geprüft wird ein weitgehend automatisiertes Lager, das zusätzliche Märkte und steigende Stückzahlen mitträgt, ohne die alte Kostenstruktur zurückzuholen.

Was in diesen Märkten verkauft wird, folgt weiter dem bekannten Prinzip. Mediashop positioniert sich als Spezialist für Demonstrations-Commerce, also für Produkte, deren Nutzen sich vorführen lässt. Der Fernsehauftritt soll dabei nicht mehr für sich stehen, sondern Onlineshop und Social-Media-Kanäle mitziehen. Aus der Übernahme stammen rund 10.000 Paletten Warenbestand, die derzeit systematisch abgebaut und neu bewertet werden. Ins künftige Sortiment kommt nur, was qualitativ überzeugt und sich über mehrere Länder hinweg verkaufen lässt. "Wir wollen nicht Amazon, Temu oder Shein kopieren – das ist nicht unser Geschäft und das sind auch nicht unsere Mitbewerber. Unsere Kompetenz beginnt dort, wo ein Produkt erklärt werden muss, und sein Nutzen durch Demonstration sichtbar wird", so Bauer.

Finanziert werden soll dieses Wachstum nicht allein aus dem laufenden Geschäft. Für den nächsten Schritt kündigt der Eigentümer eine Kapitalmaßnahme an, mit der Investitionen in Märkte, Reichweite, Technologie und Automatisierung gestemmt werden. Kritisch beurteilt Bauer dabei die regulatorischen Rahmenbedingungen am heimischen Standort, allen voran die österreichische Paketabgabe. "Österreichische Händler mit einer Paketabgabe zusätzlich zu belasten, während globale Plattformen den europäischen Markt mit Millionen Paketen bedienen, ist industriepolitisch schwer nachvollziehbar. Wir investieren trotzdem in Österreich. Aber Standortpolitik muss sich daran messen lassen, ob heimische Unternehmen im internationalen Wettbewerb bessere oder schlechtere Voraussetzungen bekommen", meint Bauer.

www.mediashop.tv

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