Interview mit Christian Nehammer
"Egal ob Sportler oder Unternehmer – es gibt weder Glück noch Pech"

Im LEADERSNET-Interview spricht Christian Nehammer, Geschäftsführer und Gründer von FPX, über seine Teilnahme bei der heurigen Segel-WM und erklärt, warum Talent schädlich ist sowie was er in den letzten Jahrzehnten beim Segelsport für sein Unternehmen gelernt hat.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Nehammer, Sie treten heuer sowohl bei der Segel-Europameisterschaft als auch bei der Weltmeisterschaft an. Warum tut man sich das in dieser Lebensphase noch an?

Christian Nehammer: Weil ich überzeugt bin, dass man nie aufhören sollte, sich mit den Besten der Welt zu messen. Ich bin heuer 50 Jahre alt und viele fragen mich, warum ich mir das noch antue. Meine Gegenfrage lautet: Warum sollte ich aufhören?

Spitzensport hält einen demütig. Dort interessiert niemanden, was man beruflich erreicht hat. Es zählt ausschließlich die Leistung in diesem Moment.

Ich glaube nicht an Glück oder Pech. Über eine ganze Meisterschaft hinweg setzen sich fast immer jene durch, die sich am besten vorbereitet haben. Genau diese Haltung prägt auch mein unternehmerisches Denken: Konsequenz schlägt Talent, Vorbereitung schlägt Zufall. Glück gibt es nicht. 

Und ich habe mittlerweile verstanden: Es geht nicht mehr um den Gewinn eines einzelnen Titels, sondern vielmehr um das gesamte, das man als Sportler erreichen kann. Natürlich habe ich aber auch gerade in diesem Jahr nach meinen bisherigen Erfolgen noch Großes vor.

LEADERSNET: Sie sind Geschäftsführer und Gründer des Finanzunternehmens FPX in Wien. Inwieweit profitieren Sie im Alltag von Ihren Erfahrungen im Spitzensport?

Nehammer: Eigentlich täglich. Im Segelsport lernt man sehr schnell, dass man die Natur nicht kontrollieren kann. Wind, Wellen oder Wetter lassen sich nicht verändern. Was man aber beeinflussen kann, sind die eigene Vorbereitung, die Qualität der Entscheidungen und die Zusammenarbeit im Team.

Und genau das erleben wir auch in Unternehmen: Märkte verändern sich permanent. Die entscheidende Frage ist nicht, was passiert – sondern wie schnell und wie gut man darauf reagiert.

Ich habe im Spitzensport gelernt, Entscheidungen auch unter Unsicherheit zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Das ist letztlich die Kernaufgabe eines guten CFO. In meinem Arbeitsethos ist der Wille, dass wir uns laufend verbessern, verankert, genau das lernt man im Spitzensport. 

LEADERSNET: Welche Eigenschaften braucht man, um im weltweiten Spitzenfeld beim Segeln vorne dabei zu sein?

Nehammer: Die wichtigste Eigenschaft ist für mich Lernfähigkeit. Viele glauben, Talent sei der entscheidende Faktor. Ich sehe das anders, Talent ist sogar gefährlich, weil es dazu verleitet, sich auf seine Begabung zu verlassen.

Weltklasse entsteht durch tausend kleine Verbesserungen über viele Jahre hinweg – permanente Analyse, Disziplin, Selbstreflexion und der Wille, jeden Tag besser zu werden.

Man muss auch akzeptieren, dass Fehler dazugehören. Entscheidend ist nicht, ob man Fehler macht – sondern wie schnell man daraus lernt. Und wie gut kann ich das Erlernte aus den Niederlagen wieder als Stärke einsetzen.

LEADERSNET: Ihre Firma FPX bietet Unternehmen CFO- und Controlling-Services an. Warum kommen Unternehmen auf Sie zu?

Nehammer: Weil viele Unternehmen heute vor einer völlig neuen Realität stehen. Früher reichten eine gute Buchhaltung und ein erledigter Jahresabschluss. Entscheidungen sind unter geringen Unsicherheiten getroffen worden. Heute müssen Geschäftsführer:innen ihre Zahlen jederzeit verstehen und daraus Entscheidungen ableiten können.

Genau hier setzen wir an. Wir übernehmen für Unternehmen die Rolle eines externen CFO und bauen gemeinsam mit ihnen professionelle Steuerungsinstrumente auf – von Controlling über Liquiditätsplanung bis hin zu Strategie und Finanzierung.

Unser Ziel ist nicht, Berichte zu produzieren, unser Ziel sind bessere Unternehmensentscheidungen. Und diese Entscheidungen führen zu messbar besseren Ergebnissen in Unternehmen. Vielleicht ist das auch die größte Gemeinsamkeit zwischen Spitzensport und Unternehmertum: Am Ende gewinnt selten der:die mit den schönsten Präsentationen, sondern jene:r, der:die die besseren Entscheidungen trifft.

www.fpx-vienna.at

Über Christian Nehammer

Hans-Christian Nehammer OLY ist Managing Partner und Geschäftsführer von FPX. Gleichzeitig war er immer Profisegler (sowohl als Steuermann als auch als Mannschaft) und hat dabei zahlreiche Erfolge verzeichnen können: Olympische Spiele 2008 Teilnahme, Top3 Weltmeisterschaft, Europameister, 9 x österreichischer Staatsmeister etc. 

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Über Christian Nehammer

Hans-Christian Nehammer OLY ist Managing Partner und Geschäftsführer von FPX. Gleichzeitig war er immer Profisegler (sowohl als Steuermann als auch als Mannschaft) und hat dabei zahlreiche Erfolge verzeichnen können: Olympische Spiele 2008 Teilnahme, Top3 Weltmeisterschaft, Europameister, 9 x österreichischer Staatsmeister etc. 

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