Wie bereits mehrmals berichtet, ist die wirtschaftliche Lage der internationalen Autoindustrie derzeit herausfordernd. Und diese Entwicklung hinterlässt zunehmend Spuren in den Bilanzen der großen Autobauer. So sank im ersten Halbjahr 2026 das durchschnittliche Konzern-EBIT je ausgeliefertem Pkw bei den 15 vom Center of Automotive Management (CAM) untersuchten Herstellern von 1.409 auf 1.187 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr (LEADERSNET berichtete), entspricht das einem Rückgang um 16 Prozent. Acht Hersteller liegen über diesem Wert, sieben darunter.
Mercedes und BMW an der Spitze
Besonders deutlich werden dem CAM zufolge die Unterschiede beim Blick auf das EBIT je ausgeliefertem Fahrzeug. Mercedes-Benz führt das Ranking mit 4.122 Euro klar an, gefolgt von BMW (inklusive Mini) mit 3.142 Euro. Danach klafft bereits eine beträchtliche Lücke: GM kommt als Drittplatzierter auf 1.694 Euro, vor Toyota mit 1.649 Euro und Hyundai/Kia mit 1.638 Euro.
Die Volkswagen-Gruppe (VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche, Cupra, etc.) erreicht 1.492 Euro je Fahrzeug, Tesla 1.374 Euro und Ford 1.315 Euro. Damit liegen acht der 15 untersuchten Hersteller über dem Branchendurchschnitt von 1.187 Euro. Dieser ist gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 16 Prozent gesunken.
Unterhalb des Durchschnitts folgen Suzuki mit 1.059 Euro, Renault mit 966 Euro, Mazda mit 960 Euro, Mitsubishi mit 755 Euro, Nissan mit 525 Euro und Stellantis mit 471 Euro. Schlusslicht ist Honda mit minus 3.418 Euro je Fahrzeug, wobei hier hohe Abschreibungen im Zuge der Neuausrichtung der Elektroauto-Strategie das Ergebnis massiv belasten.
| Rang |
Hersteller |
EBIT je Pkw |
| 1 |
Mercedes-Benz |
4.122 Euro |
| 2 |
BMW |
3.142 Euro |
| 3 |
GM |
1.694 Euro |
| 4 |
Toyota |
1.649 Euro |
| 5 |
Hyundai-Kia |
1.638 Euro |
| 6 |
Volkswagen |
1.492 Euro |
| 7 |
Tesla |
1.374 Euro |
| 8 |
Ford |
1.315 Euro |
| 9 |
Suzuki |
1.059 Euro |
| 10 |
Renault |
966 Euro |
| 11 |
Mazda |
960 Euro |
| 12 |
Mitsubishi |
755 Euro |
| 13 |
Nissan |
525 Euro |
| 14 |
Stellantis |
471 Euro |
| 15 |
Honda |
-3.418 Euro |
Auch bei mehreren profitablen Herstellern zeige die Entwicklung nach unten. BMW, Toyota, Hyundai/Kia, GM, Tesla und Volkswagen verdienten demnach auf EBIT-Basis pro ausgeliefertem Fahrzeug deutlich weniger als im Vorjahr. BMW, Toyota und Volkswagen leiden laut Analyse insbesondere unter der schwächeren Entwicklung und dem hohen Wettbewerbsdruck in China. Bei Hyundai/Kia schlagen höhere Zoll- und Incentive-Kosten durch, während GM und Tesla mit Transformationsaufwendungen und einem schwierigeren Marktumfeld kämpfen.
"Der Rückgang des EBIT je Pkw ist ein Warnsignal dafür, dass viele Hersteller ihre hohen Transformationskosten derzeit nicht ausreichend über Preise, Produktmix und Effizienz kompensieren können", sagt Studienleiter und CAM-Direktor Stefan Bratzel. Besonders betroffen seien Unternehmen, die gleichzeitig stark vom chinesischen Markt abhängig seien und hohe Investitionen in Elektromobilität, Software und neue Produktionsstrukturen stemmen müssten.
Gewinne sinken wesentlich stärker als die Umsätze
Dass es sich nicht nur um Verschiebungen innerhalb des Rankings handelt, zeige die Entwicklung der gesamten Branche. Das gemeinsame EBIT der untersuchten Hersteller sei im ersten Halbjahr um 17,5 Prozent beziehungsweise 7,6 Milliarden Euro auf 35,6 Milliarden Euro gesunken. Bei den Umsätzen gab es hingegen lediglich einen Rückgang von 1,4 Prozent – die durchschnittliche EBIT-Marge verringerte sich von 3,5 auf 3,3 Prozent.
"Die Schere zwischen Umsatz- und Ergebnisentwicklung ist das eigentliche Alarmsignal des ersten Halbjahres", erklärt Bratzel. Wenn das EBIT wesentlich stärker einbreche als der Umsatz, verliere die Branche nicht primär Marktanteile, sondern Ertragskraft – und das sei strategisch gefährlicher.
Quelle: CAM
Beim absoluten operativen Ergebnis bleibt Toyota mit 8,8 Milliarden Euro Spitzenreiter. Allerdings musste der japanische Konzern gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Rückgang von mehr als fünf Milliarden Euro hinnehmen. Auch Hyundai/Kia, BMW, GM und Volkswagen zählten weiterhin zu den ergebnisstärkeren Konzernen, verloren jedoch einen erheblichen Teil ihrer operativen Ergebnisbasis.
Bei der Marge führt überraschend Suzuki
Ein anderes Ranking ergibt sich beim Verhältnis von EBIT zu Umsatz. Hier erreicht Suzuki mit 10,1 Prozent die höchste EBIT-Marge. Toyota, Hyundai/Kia und BMW liegen ebenfalls über dem Durchschnitt, mussten gegenüber dem Vorjahr jedoch deutlich Federn lassen. Mercedes-Benz kommt auf 5,4 Prozent und konnte seine Marge vergleichsweise stabil halten. Ford verbesserte sich von 0,9 auf 3,2 Prozent.
Die Ursachen für den Ergebnisdruck unterscheiden sich je nach Hersteller. Neben der China-Schwäche nennt das CAM unter anderem Zölle, höhere Material-, Logistik- und Incentive-Kosten sowie Belastungen durch die Neuausrichtung von Elektrostrategien. Die Studienautor:innen sehen deshalb einen wesentlichen Teil des Ergebnisrückgangs als strukturell und nicht lediglich durch vorübergehende Sondereffekte verursacht.
Quelle: CAM
Chinesische Hersteller fehlen im Ranking
Bei der Interpretation des Rankings gibt es allerdings eine wichtige Einschränkung: Große chinesische Hersteller wie BYD, Geely, SAIC oder Chery sind nicht enthalten. Zum Auswertungsstichtag (siehe Infobox) lagen laut CAM noch keine vollständig vergleichbaren Halbjahresangaben zu Konzernumsatz und EBIT vor. Die Untersuchung stellt daher ausdrücklich keine vollständige globale Profitabilitätsrangliste dar.
Gerade das dürfte künftig relevant werden. Bratzel geht davon aus, dass die Expansion chinesischer Hersteller den Maßstab für wettbewerbsfähige Kostenstrukturen weiter verändern wird. Für die etablierten Autobauer erhöht das den Druck zusätzlich.
Keine schnelle Entspannung erwartet
Auch für die zweite Jahreshälfte rechnet das CAM nicht mit einer breiten Erholung. US-Zölle, der Preiswettbewerb in China, Währungsschwankungen und weitere Anpassungen der Elektroauto-Strategien dürften Ergebnisse und Margen belasten. Kostensenkungen und ein profitablerer Produktmix könnten gegensteuern, nach Einschätzung der Studienautor:innen die Belastungen aber nicht bei allen Herstellern kompensieren.
www.auto-institut.de
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