Strukturwandel in der Gastronomie
Konkurrenzdruck steigt und drängt klassische Wirtshäuser aus den Top-Lagen

| Redaktion 
| 11.08.2026

Der Umsatz in Österreichs Gastronomie ist in zehn Jahren stark gestiegen, während die Zahl der Betriebe zurückging. Laut neuen Analysen gewinnen vor allem Systemgastronomen und schnelle Konzepte massiv an Marktanteilen.

Die österreichische Gastronomie verzeichnet steigende Umsätze, gleichzeitig gibt es weniger Betriebe als noch vor einigen Jahren. Ihren bisherigen Höchststand erreichte die Branche 2015 mit rund 41.200 Standorten. 2026 sind österreichweit noch etwa 38.600 Gastronomiebetriebe aktiv. In den vergangenen zehn Jahren ist der Gesamtumsatz der Gastronomie dennoch um 56 Prozent gestiegen, während die Zahl der Standorte um sieben Prozent gesunken ist.

Entwicklung der Gastronomiestandorte in Österreich © RegioData Research 

Der längerfristige Vergleich zeigt laut aktueller RegioData Research-Analyse die Trendwende besonders deutlich. Im Jahr 2000 wurden rund 33.200 Gastronomiestandorte gezählt. Bis 2015 stieg ihre Zahl auf mehr als 41.000, danach setzte eine rückläufige Entwicklung ein. Vor allem seit 2018 nahm die Zahl der Betriebe ab. 2023 wurde mit etwa 38.100 Standorten der niedrigste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht. Nach einer leichten Erholung in den beiden Folgejahren liegt der Bestand 2026 wieder bei rund 38.600 Standorten.

Kleine und schnelle Konzepte legen zu

Obwohl die Konsumausgaben von Einwohner:innen und Tourist:innen weiter steigen, wächst die Zahl der Gastronomiebetriebe nicht flächendeckend. Stattdessen finde eine Neuordnung des Marktes statt. Betriebe verschwinden, neue gastronomische Konzepte kommen hinzu und bestehende Anbieter:innen passen ihre Formate an, so RegioData Research. Die zuletzt wieder leicht steigende Zahl der Standorte ist vor allem auf kleinere und schnell ausgerichtete Angebote zurückzuführen. Dazu gehören insbesondere Imbissstände und Take-away-Standorte.

Gasthäuser und Restaurants bleiben stärkste Kategorie 

Trotz der Veränderungen bleiben einfache Gasthäuser und Restaurants die größte Kategorie innerhalb der heimischen Gastronomie. Laut RegioData weist dieser Bereich einen Anteil von 27 Prozent aller Gastronomiestandorte aus. Die Hotelgastronomie folgt mit 21,2 Prozent an zweiter Stelle. Gemeinsam stellen diese beiden Bereiche damit einen großen Teil des gastronomischen Angebots in Österreich.

Gastronomiestandorte nach Kategorien in Österreich © RegioData Research

Imbiss- und Fast-Food-Konzepte haben sich ebenfalls zu einem bedeutenden Bestandteil des Marktes entwickelt. Ihr Anteil liegt bei 12,1 Prozent, womit sie die drittgrößte Einzelkategorie darstellen. Cafés und Eissalons kommen auf 11,9 Prozent. Die übrigen Kategorien weisen jeweils deutlich geringere Anteile auf.

Systemgastronomie erreicht hohen Umsatzanteil

Systemgastronomie ist dabei nicht automatisch mit Fast Food gleichzusetzen. RegioData versteht darunter gastronomische Konzepte, die an mehreren Standorten nach weitgehend einheitlichen Vorgaben betrieben werden. Dazu zählen Burger- und Pizzaanbieter:innen ebenso wie Coffee-Shops, Bäckerei-Cafés, internationale Restaurantketten, Lieferkonzepte und zunehmend auch höherwertige Fast-Casual-Restaurants.

Ein wesentliches Merkmal dieser Betriebe seien standardisierte Prozesse. Einkauf, Speisekarten, Zubereitung, Personalplanung, Marketing und digitale Bestellvorgänge würden zentral organisiert werden. Das ermögliche eine effizientere Steuerung bestehender Betriebe und erleichtere zugleich die Eröffnung weiterer Standorte. 

Gemessen an der Zahl der Standorte sei die Systemgastronomie dennoch vergleichsweise klein. Nach Berechnungen von RegioData betreiben systemgastronomische Unternehmen in Österreich derzeit etwa 1.100 Standorte und kommen damit auf knapp drei Prozent des gesamten Bestands. Beim Umsatz sei ihr Gewicht wesentlich größer: McDonald's, Interspar-Restaurants und andere Anbieter:innen dieses Segments erreichen zusammen fast 17 Prozent des Gesamtmarktes.

Frequenz entscheidet bei der Standortwahl

Das Wachstum systemgastronomischer Anbieter:innen verteilt sich nicht gleichmäßig über Österreich. Für eine Expansion seien vor allem jene Standorte interessant, an denen eine hohe Besucherfrequenz mit guter Erreichbarkeit und einem entsprechenden Nachfragepotenzial zusammentrifft.

Dazu zählen insbesondere Einkaufs- und Fachmarktzentren, Bahnhöfe und andere Verkehrsknotenpunkte. Auch stark frequentierte Innenstadtlagen sowie touristische Zentren gehören zu den bevorzugten Standorten.

Wettbewerb wird professioneller und selektiver

Die Gastronomielandschaft in Österreich bleibt laut RegioData vielfältig und regional stark verankert. Gleichzeitig liegt die Zahl der Betriebe weiterhin deutlich unter dem Höchststand von 2015. RegioData sieht darin keinen kleiner werdenden Markt, sondern einen zunehmend selektiven Wettbewerb. Anbieter:innen mit einer klaren Positionierung, effizienten Abläufen und geeigneten Standorten würden demnach über gute Wachstumsmöglichkeiten verfügen. Die Systemgastronomie kann dabei von standardisierten Prozessen und professionell organisierter Expansion profitieren.

Die Entwicklung lässt sich laut Analyse daher nicht darauf reduzieren, dass Gastronomieketten traditionelle Wirtshäuser ersetzen. Vielmehr verändere sich ein zuvor flächendeckend wachsender Markt hin zu einem stärker professionalisierten Wettbewerb um geeignete Standorte. Für den Erfolg eines Betriebs werde zunehmend entscheidend, wie gut gastronomisches Konzept, angesprochene Zielgruppe und Standort zusammenpassen.

www.regiodata.eu

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