Hagelversicherung zieht erste Bilanz
Dürre verursacht eine Milliarde Euro Schaden in Österreichs Landwirtschaft

Wochenlange Trockenheit und extreme Temperaturen hinterlassen massive wirtschaftliche Schäden. Laut Hagelversicherung wurde im Agrarsektor eine neue Rekorddimension erreicht – mit Folgen für Ernten und Selbstversorgung.

Die anhaltende Hitze und die außergewöhnliche Trockenheit dieses Sommers hinterlassen in Österreichs Landwirtschaft massive Spuren. Nach einer aktuellen Schadensbilanz der Hagelversicherung belaufen sich die durch die Dürre verursachten Schäden mittlerweile auf rund eine Milliarde Euro. Weitere 80 Millionen Euro seien durch Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmungen entstanden.

Betroffen sei laut dem Agrarversicherer das gesamte Bundesgebiet. Besonders stark leiden demnach Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, regional seien auch Getreidekulturen betroffen. Die Folgen reichten von erheblichen Ernteeinbußen bis zu einer zunehmenden Futterknappheit in der Tierhaltung.

Bis zu 75 Prozent weniger Niederschlag

Wie außergewöhnlich die Situation ist, verdeutlichten die meteorologischen Daten: In manchen Regionen Österreichs fiel seit dem 15. Juni um mehr als 75 Prozent weniger Niederschlag als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2025.

Gleichzeitig wurden in der Wiener Innenstadt bis zum 10. August bereits 42 Hitzetage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad registriert. Zum Vergleich: In den 1980er-Jahren waren es laut den vorgelegten Daten durchschnittlich neun pro Jahr. Am 5. August wurde in Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich mit 41,2 Grad zudem ein neuer Temperaturrekord gemessen.

Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, sprach am Montag angesichts dieser Entwicklung von "Dürreschäden wie noch nie". Während größere Dürreschäden früher etwa alle zehn Jahre aufgetreten seien, sei die Landwirtschaft mittlerweile alle zwei bis drei Jahre damit konfrontiert. Hier hören Sie sein Statement:

Klimaforscher warnt vor zunehmenden Extremen

Für Anders Levermann, Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, steht die Entwicklung in unmittelbarem Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel. Hitzewellen wie jene des heurigen Sommers würden künftig häufiger auftreten.

Besonders problematisch sei, dass das Klimasystem nicht linear reagiere und beim Überschreiten kritischer Schwellen irreversible Prozesse ausgelöst werden könnten. "Beim Klimaschutz geht es direkt um Lebensmittelversorgungssicherheit, um Wettbewerbsfähigkeit und um geopolitische Unabhängigkeit", sagt Levermann. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Nichthandelns würden seiner Einschätzung nach jene einer konsequenten Transformation deutlich übersteigen.

Selbstversorgung könnte weiter sinken

Neben den unmittelbaren finanziellen Schäden sieht die Hagelversicherung langfristige Folgen für die Versorgung Österreichs mit heimischen Lebensmitteln. Durch klimabedingte Ernteausfälle könne der Selbstversorgungsgrad weiter zurückgehen.

Bereits derzeit liege dieser nach Angaben des Versicherers bei Getreide bei 87 Prozent, bei Mais bei 83 Prozent und bei Kartoffeln bei 78 Prozent. Bei Gemüse seien es 55 Prozent, bei pflanzlichen Ölen lediglich 26 Prozent. Neben dem Klimawandel macht die Hagelversicherung auch den Bodenverbrauch für diese Entwicklung verantwortlich.

Weinberger warnt deshalb vor einer zunehmenden Abhängigkeit von Lebensmittelimporten: "Lebensmittelversorgung ist daher ein Sicherheitsthema."

Großteil der Ackerflächen gegen Dürre versichert

Zumindest ein Teil der finanziellen Folgen ist laut Hagelversicherung abgesichert. Demnach verfügen mittlerweile rund 80 Prozent der heimischen Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen über eine Versicherung gegen Dürreschäden. Versicherte landwirtschaftliche Betriebe hätten bei entsprechenden Schäden einen Rechtsanspruch auf Entschädigung. Gerechnet wird mit einer Auszahlung von rund 400 Millionen Euro. Falls die Regierung nicht einschreitet, bleiben die landwirtschaftlichen Betriebe auf einem Schaden von 600 Millionen Euro sitzen. Das Landwirtschafts- und das Finanzministerium haben jedoch baldige Verhandlungen und Lösungen in Aussicht gestellt.

Angesichts der zunehmenden Häufigkeit von Extremereignissen plädiert die Hagelversicherung zudem für ein umfassendes Public-Private-Partnership-Modell, damit entsprechende Versicherungen für landwirtschaftliche Betriebe auch künftig finanzierbar bleiben.

Hitzeperioden werden länger

Neben der Zahl der Hitzetage habe sich laut den vorgelegten meteorologischen Daten auch die Dauer von Hitzeperioden erheblich verändert. Während Hitzewellen zwischen den 1940er- und 1980er-Jahren durchschnittlich ein bis acht Tage dauerten, seien es seit den 2010er-Jahren fünf bis 25 Tage. Damit hätten sie sich in ihrer Dauer ungefähr verdrei- bis verfünffacht.

Für die Landwirtschaft bedeute diese Entwicklung eine zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit. Die diesjährige Schadenssumme von einer Milliarde Euro zeige laut Hagelversicherung, welche Dimension einzelne Dürreperioden mittlerweile erreichen können.

www.hagel.at

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