Ölpreisschock bremst Wirtschaft
Wifo sieht Österreichs Konjunkturerholung unterbrochen

| Tobias Seifried 
| 11.08.2026

Nach zwei Quartalen mit leichtem Wachstum ist die heimische Wirtschaft im Frühjahr nicht mehr gewachsen. Zwar hellen sich wichtige Frühindikatoren auf, doch hinter den Kulissen offenbaren sich weiterhin deutliche Schwachstellen.

Die zaghafte Erholung der österreichischen Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2026 einen Dämpfer offenbar erhalten. Laut einer am Dienstag (11. Juli) veröffentlichten Schnellschätzung des Wifo stagnierte das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem ersten Quartal. In den beiden vorangegangenen Quartalen war die Wirtschaftsleistung jeweils noch um 0,2 Prozent gewachsen. Gegenüber dem Vorjahresquartal blieb den Studienautor:innen zufolge ein Plus von 0,8 Prozent.

Als wesentlichen Belastungsfaktor nennt das Wirtschaftsforschungsinstitut den infolge des Iran-Krieges gestiegenen Erdölpreis. Höhere Energie- und Vorleistungskosten sowie die damit verbundene Verunsicherung hätten die seit Anfang 2025 beobachtete verhaltene Konjunkturerholung vorerst unterbrochen.

Industrie und Bau kommen nicht voran

Auf der Angebotsseite stagnierte die Industrie, nachdem sie im ersten Quartal noch expandiert hatte. Im Bau ging die Wertschöpfung demnach bereits das fünfte Quartal in Folge zurück. Bei den Dienstleistungen verzeichneten Finanz- und Versicherungsdienstleister die stärksten Zuwächse, während andere Bereiche Einbußen hinnehmen mussten.

Auch vom Konsum kamen laut Wifo keine Wachstumsimpulse. Sowohl die privaten als auch die öffentlichen Konsumausgaben stagnierten. Damit fiel auch der öffentliche Sektor, der die Konjunktur in den vergangenen zwei Jahren mehrfach gestützt hatte, vorerst als Impulsgeber aus. Lediglich die Bruttoanlageinvestitionen legten leicht zu, vom Außenhandel kamen kaum Impulse.

Produktion steigt – Aufträge gehen zurück

Etwas mehr Zuversicht vermittelten die jüngsten Frühindikatoren. Der Wifo-Konjunkturklimaindex verbesserte sich im Juli, während der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex bereits den fünften Monat in Folge eine Ausweitung der Industrieproduktion signalisierte (LEADERSNET berichtete).

Allerdings stehe diese Entwicklung auf einem schwachen Fundament: Die Neuaufträge gingen im Juli erneut zurück, bei den Exportaufträgen wurde sogar der niedrigste Wert seit einem Jahr verzeichnet. Die höhere Produktion resultiert laut Wifo vor allem aus der Abarbeitung bestehender Auftragsrückstände und dem vorsorglichen Aufbau von Materiallagern – und nicht aus einer stärkeren Nachfrage.

Ölpreis könnte Inflation wieder anheizen

Zusätzliche Unsicherheit bringe die Entwicklung der Energiepreise. "Seit dem jüngsten Anstieg des Rohölpreises sind die Verkaufspreiserwartungen der Sachgütererzeugung wieder deutlich erhöht. Dies trübt die Aussicht auf eine Abschwächung des allgemeinen Preisauftriebs", sagt Christian Glocker, Autor des aktuellen WIFO-Konjunkturberichts.

Zwar sank die Inflation laut Schnellschätzung von Statistik Austria im Juli auf 2,7 Prozent, nach 3,2 Prozent im Juni. Rund die Hälfte dieses Rückgangs entfiel laut Wifo allerdings auf die mit 1. Juli erfolgte Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Die Kerninflation blieb mit 3,1 Prozent hoch, während die Energiepreise stärker anzogen.

Arbeitsmarkt bleibt robust

Stabil zeige sich bislang der Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote lag im Juli nach nationaler Definition saisonbereinigt bei 7,6 Prozent und damit nahezu unverändert gegenüber dem Vormonat. Gleichzeitig nahm die Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten weiter zu.

Unterm Strich bleibt das Konjunkturbild damit widersprüchlich: Frühindikatoren und Industrieproduktion hellen sich zwar auf, sinkende Neuaufträge und höhere Energiepreise lassen die Basis für einen nachhaltigen Aufschwung jedoch weiterhin schmal erscheinen.

www.wifo.ac.at

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