Gegen Diskriminierung
Neue WKO-Empfehlung für Gastronomie und Hotellerie

| Janet Teplik 
| 10.08.2026

Eine neue Musterhausordnung soll Betriebe der Branche dabei unterstützen, klare Standards für ein respektvolles Miteinander und gegen Diskriminierung zu schaffen.

Die Fachverbände Gastronomie und Hotellerie der Wirtschaftskammer Österreich haben gemeinsam mit der Gleichbehandlungsanwaltschaft Zara -Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, dem Klagsverband und Black Voices die bisherige Publikation "Merkblatt zur Gleichbehandlung im Gastgewerbe" umfassend überarbeitet. 

Die neue "Empfehlung und Musterhausordnung gegen Rassismus und Diskriminierung in Hotels und Lokalen" verbindet die praktische Erfahrung der Branche mit der fachlichen Expertise der beteiligten Antidiskriminierungsorganisationen. Sie bietet Betrieben konkrete Orientierung für diskriminierungsfreie Abläufe, den Umgang mit Beschwerden sowie transparente Regeln für den Zutritt zu Hotels, Lokalen und Clubs.

Zusammenarbeit verschiedener Expert:innen

Die beteiligten Organisationen sehen die neue Empfehlung als gemeinsames Instrument, um Diskriminierung im Gastgewerbe aktiv entgegenzuwirken. Die Fachverbände Gastronomie und Hotellerie der Wirtschaftskammer Österreich betonen die Bedeutung der Zusammenarbeit. "Unser besonderer Dank gilt den mitwirkenden Organisationen für die hervorragende und konstruktive Zusammenarbeit. Die gebündelte Expertise aller Beteiligten hat wesentlich dazu beigetragen, eine praxisnahe und ausgewogene Orientierungshilfe für die Betriebe zu schaffen. Gemeinsam setzen wir damit ein wichtiges Zeichen für Respekt, Gleichbehandlung und Anti-Diskriminierung", betonen Alois Rainer, Fachverbandsobmann der Gastronomie, und Georg Imlauer, Fachverbandsobmann der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich.

Verantwortung für ein sicheres Umfeld

Noomi Anyanwu, Vorsitzende von Black Voices Österreich, verweist auf die gesellschaftliche Bedeutung von Begegnungsorten wie Hotels und Lokalen: "Sich willkommen zu fühlen, ist ein wichtiger Teil des Zusammenlebens. Und wo kommen die Leute mehr zusammen als in Lokalen? Diese Betriebe tragen eine wichtige Verantwortung, ein sicheres und angenehmes Zusammentreffen aller Menschen zu gewährleisten. Rassismus und Diskriminierung sind Alltag für viele Menschen in Österreich. Mit der Musterhausordnung soll das Problem bei der Wurzel gepackt werden und so hoffen wir, einer anti-rassistischen und diskriminierungsfreien Gesellschaft einen Schritt näherzukommen."

Klare Prozesse und geschulte Ansprechpersonen

Aus Sicht der Gleichbehandlungsanwaltschaft sind klare Strukturen innerhalb von Betrieben ein wesentlicher Faktor, um Diskriminierung vorzubeugen. Flora Alvarado-Dupuy, zuständig für die Sensibilisierungsarbeit der Gleichbehandlungsanwaltschaft, erklärt: "Betriebe, die klare Prozesse und Richtlinien sowie ein Bewusstsein für Diskriminierungen haben, können ein viel sichereres Umfeld für alle schaffen."

Die Expertin betont zudem, dass es bei Vorfällen wichtig ist, betriebsinterne geschulte Ansprechpersonen zu haben, die Betroffene ernst nehmen und unterstützen.

Nachhaltige Maßnahmen gegen Diskriminierung

Auch Zara unterstreicht, dass Antidiskriminierungsarbeit langfristig angelegt sein muss. Fiorentina Azizi-Hacker, Leiterin der Beratungsstellen des Vereins Zara, erklärt: "Rassismuskritische Auseinandersetzungen innerhalb von Betrieben sind dabei nicht mit einem einmaligen Workshop oder dem Einführen einer passenden Hausordnung abgeschlossen."

Die vorgeschlagenen Maßnahmen für Lokalbetreiber:innen machen daher deutlich, dass interne Prozesse für mehr Nicht-Diskriminierung regelmäßiger Evaluierung, Reflexion und Trainings bedürfen.

Unterstützung für Betriebe im Umgang mit Diskriminierung

Der Klagsverband verweist auf die Bedeutung konkreter Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen. Geschäftsführerin Theresa Hammer sagt: "Diskriminierungen kommen immer wieder vor. Der Klagsverband führte in der Vergangenheit bereits Gerichtsverfahren für Betroffene von rassistischer Diskriminierung." Und ergänzt: "Umso wichtiger ist, dass nun diese Branche aktuelle Informationen und Empfehlungen an die Hand bekommt, um selbst aktiv gegen Diskriminierung vorgehen zu können. Diese Initiative begrüßen wir daher sehr."

Gastfreundschaft als Grundlage für Respekt

Mit der neuen Empfehlung sollen Hotels, Restaurants und andere Gastronomiebetriebe ein praxisnahes Instrument erhalten, das sie bei der Umsetzung diskriminierungsfreier Standards unterstützt.

Die Fachverbandsobleute Imlauer und Rainer fassen die Zielsetzung abschließend zusammen: "Gastfreundschaft bedeutet, allen Menschen mit Wertschätzung und Respekt zu begegnen. Mit der Neuauflage geben wir den Betrieben ein praxisnahes Instrument an die Hand, das Orientierung bietet, Gleichbehandlung stärkt und klare, faire Standards für ein diskriminierungsfreies Miteinander schafft."

Die neue Empfehlung steht ab sofort hier zur Verfügung.

www.wko.at

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