Fenster auf oder Klimaanlage an?
Wie kühlt Europa? Fünf Länder im Hitze-Check

| Janet Teplik 
| 05.08.2026

Wenn die Wohnung zum Hitzepol wird, suchen Menschen nach unterschiedlichen Lösungen. Zwischen Komfort, Kosten und Klimaschutz gehen die Wege in Europa weit auseinander.

Die derzeitige Hitzewelle sorgt in vielen Teilen Europas für außergewöhnlich hohe Temperaturen und macht den Klimawandel im Alltag spürbar. Neben gesundheitlichen Risiken für vulnerable Bevölkerungsgruppen leiden auch Wälder, Landwirtschaft und Gewässer unter der anhaltenden Trockenheit und Hitze. Entsprechend wächst für viele Menschen die Bedeutung wirksamer Maßnahmen, um Wohnräume auch während extremer Sommerlage erträglich kühl zu halten. Wie unterschiedlich die Bevölkerung dabei vorgeht, zeigt eine Befragung in fünf europäischen Ländern. 

Deutliche Unterschiede beim Kühlen der Wohnung

Für die Untersuchung wurden im Auftrag des Onlinehändlers Galaxus insgesamt 2.616 Personen in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Italien befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die bevorzugten Methoden zur Kühlung von Wohnräumen je nach Land erheblich unterscheiden.

In der Schweiz und Deutschland setzen die meisten Haushalte auf klassische Maßnahmen. Rund vier von fünf Befragten in der Schweiz lüften demnach ihre Wohnung in den frühen Morgenstunden und halten Fenster sowie Rollläden während des Tages geschlossen. Auch außenliegende Beschattung durch Jalousien, Rollläden oder Markisen wird dort laut Erhebung besonders häufig genutzt.

Ganz anders präsentiert sich die Situation in Italien. Dort verfügt etwa jeder zweite Haushalt über eine fest installierte Klimaanlage. In Deutschland und der Schweiz ist diese Technik hingegen nur in rund jedem zwanzigsten Haushalt zu finden. Ventilatoren erfreuen sich dagegen in fast allen untersuchten Ländern großer Beliebtheit. Lediglich in der Schweiz fällt ihre Verbreitung mit etwa einem Drittel der Haushalte deutlich geringer aus. 

Umweltbewusstsein prägt Entscheidungen

Die Gründe für oder gegen eine Klimaanlage unterscheiden sich ebenfalls deutlich. In der Schweiz spielen ökologische Überlegungen eine besonders große Rolle. Mehr als ein Drittel der Befragten verzichtet aus Umweltgründen auf eine Klimaanlage – ein Spitzenwert im internationalen Vergleich. Die Anschaffungskosten stehen dort dagegen nur für etwa zwei von zehn Personen im Vordergrund. 

In Deutschland und Frankreich werden die hohen Anschaffungskosten wesentlich häufiger als Hindernis genannt. Deutsche Haushalte sorgen sich zudem besonders um die laufenden Stromkosten. In Italien hingegen beeinflussen Umweltaspekte die Entscheidung am wenigsten. 

Die unterschiedlichen Einstellungen spiegeln sich auch in der Bewertung von Klimaanlagen wider. Nur etwa jede fünfte befragte Person in der Schweiz hält deren Einsatz in Wohnräumen für ökologisch vertretbar. Gleichzeitig wächst jedoch das Bewusstsein dafür, dass steigende Temperaturen neue Lösungen erforderlich machen. Vier von zehn Schweizer:innen sehen Klimaanlagen angesichts zunehmender Hitzewellen als immer notwendiger an. In Italien vertreten sogar acht von zehn Befragten diese Ansicht. 

Schlafkomfort wird zur Herausforderung

Wenn die hohen Temperaturen bis in die Nachtstunden hineinreichen, greifen viele Menschen zu zusätzlichen Maßnahmen. In Deutschland und der Schweiz lassen rund zwei Drittel der Befragten nachts die Fenster geöffnet. Etwa die Hälfte verwendet leichtere Bettwäsche oder sorgt tagsüber für eine konsequente Verdunkelung des Schlafzimmers. 

In Italien kommt dagegen deutlich häufiger eine Klimaanlage zum Einsatz. Rund vier von zehn Befragten lassen sich nachts oder vor dem Schlafengehen laufen. Frankreich folgt mit deutlichem Abstand. Unterschiede zeigen aber auch bei persönlichen Gewohnheiten. Während in Frankreich und Österreich etwa jede dritte Person unbekleidet schläft, trifft dies in Deutschland, der Schweiz und Italien nur auf etwa jede vierte Person zu. 

Unterschiedliche Hitzetoleranz

Die persönliche Schmerzgrenze bei hohen Raumtemperaturen liegt in den untersuchten Ländern zwischen 26 und 27 Grad Celsius. Italienische Befragte zeigen sich dabei etwas hitzeresistenter. Dort empfindet rund ein Viertel der Teilnehmer:innen erst zwischen 28 und 29 Grad Celsius als unangenehm. 

Erfahrung macht den Unterschied

Die Ergebnisse der Umfrage legen nahe, dass der Umgang mit Hitze nicht allein von den aktuellen Temperaturen abhängt, sondern auch von den klimatischen Bedingungen, an die Menschen über viele Jahre gewöhnt sind. In Italien gehören lange, heiße Sommer seit jeher zum Alltag. Entsprechend sind Klimaanlagen dort deutlich weiter verbreitet, und auch die persönliche Hitzetoleranz fällt höher aus als in den übrigen untersuchten Ländern. In Mitteleuropa hingegen, wo extreme Hitze lange Zeit eher die Ausnahme war, dominieren weiterhin traditionelle Maßnahmen wie Lüften oder Beschattung.

Mit der Zunahme von Hitzewellen könnte sich dieser Unterschied jedoch zunehmend verringern – darauf deutet nicht zuletzt die wachsende Nachfrage nach Klimaanlagen hin. 

www.galaxus.at

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