Bank Austria Einkaufsmanagerindex
Industrie setzt Erholung trotz geopolitischer Spannungen fort

| Redaktion 
| 29.07.2026

Während die Produktion deutlich zulegte und der Optimismus der Unternehmen zunahm, bleiben die schwache Nachfrage und geopolitische Unsicherheiten die größten Risiken.

Die Erholung der österreichischen Industrie hat sich im Juli fortgesetzt. Darauf deutet der aktuelle Einkaufsmanagerindex der UniCredit Bank Austria hin, der mit 51,5 Punkten bereits den fünften Monat in Folge über der Wachstumsschwelle liegt. Ausschlaggebend für den Anstieg war vor allem die höhere Produktionsleistung. Gleichzeitig blieb die Nachfrage verhalten, der Personalabbau setzte sich in abgeschwächter Form fort und auch der Preisauftrieb verlor an Dynamik.

UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex © S&P Global/UniCredit Bank Austria

"Die österreichische Industrie ist positiv ins dritte Quartal gestartet. Der Erholungstrend, der trotz des Kriegs am Golf bislang Bestand hatte, gewann zuletzt sogar etwas an Stärke", sagt Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria. Er verweist jedoch darauf, dass die neuerliche Eskalation in der Region die Energie- und Rohstoffmärkte wieder stärker belasten könnte. Eine nachhaltige Erholung bleibe daher von erheblichen Unsicherheiten begleitet.

Produktion wächst trotz rückläufiger Aufträge

Für den Anstieg des Einkaufsmanagerindex war vor allem die stärkere Produktionsleistung verantwortlich. Die heimischen Industriebetriebe steigerten ihre Produktion im Juli so deutlich wie seit Mai 2022 nicht mehr. Der Produktionsindex erhöhte sich auf 53,0 Punkte.

Demgegenüber blieb die Nachfrage schwach. Der Index für die Neuaufträge sank auf 47,7 Punkte und bewegte sich damit weiterhin unter der Wachstumsschwelle. Vor allem die Entwicklung auf den Auslandsmärkten belastete die Unternehmen. Der Index für die Exportaufträge verringerte sich auf 45,7 Punkte und erreichte den niedrigsten Stand seit einem Jahr.

Walter Pudschedl, Ökonom der UniCredit Bank Austria, erklärte, die Betriebe hätten ihre Produktion zunehmend von der aktuellen Nachfrage entkoppelt. Im Vordergrund hätten vielmehr die Abarbeitung bestehender Aufträge und die Sicherstellung der Lieferfähigkeit gestanden. Darauf würden sowohl die höhere Einkaufsaktivität als auch der weitere Aufbau der Vormateriallager und der leichte Rückgang der Auftragsrückstände hindeuten.

Versorgungssicherheit hat Vorrang

Die Unternehmen bauten ihre Lagerbestände an Rohstoffen und Vormaterialien bereits den vierten Monat in Folge aus. Der entsprechende Index stieg auf 51,8 Punkte und signalisiert eine leichte Beschleunigung dieses Trends. Gleichzeitig wurden die Fertigwarenbestände weiter reduziert. Mit 47,6 Punkten erreichte dieser Index den stärksten Rückgang seit einem Jahr.

Nach Einschätzung der Bank Austria zeigt diese Entwicklung, dass die Absicherung der Versorgung derzeit Vorrang vor dem Aufbau von Lagerbeständen für den Absatz hat. Hintergrund sind geopolitische Unsicherheiten sowie weiterhin nicht vollständig normalisierte Lieferketten.

Pudschedl erklärte, die Unternehmen hätten ihre Fertigwarenlager bewusst schlank gehalten, um Kosten zu begrenzen und Kapital möglichst effizient einzusetzen.

Lieferketten stabilisieren sich langsam

Obwohl die Lieferzeiten im Juli erneut länger wurden, fiel die Verzögerung deutlich geringer aus als noch im Vormonat. Nach Einschätzung der Bank Austria spricht dies für eine vorsichtige Stabilisierung der Versorgungslage. Gleichzeitig bleibe die Unsicherheit entlang der internationalen Lieferketten aufgrund der geopolitischen Entwicklungen weiterhin hoch.

Beschäftigungsabbau hält an

Auch im Juli reduzierten die heimischen Industriebetriebe ihren Personalstand. Der Beschäftigungsindex verbesserte sich zwar leicht auf 47,4 Punkte, lag damit aber weiterhin klar unter der Wachstumsschwelle.

Insgesamt verringerte sich die Zahl der Beschäftigten in der österreichischen Sachgütererzeugung in den ersten sieben Monaten des Jahres saisonbereinigt um fast 7.000 Personen beziehungsweise etwas mehr als ein Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Pudschedl erklärte, die Kombination aus steigender Produktion und sinkender Beschäftigung spreche für eine höhere Arbeitsproduktivität. Die Unternehmen hätten ihre Produktionsleistung gesteigert, ohne zusätzliches Personal aufzubauen. Dies lasse sowohl auf Effizienzsteigerungen als auch auf eine weiterhin vorsichtige Personalpolitik angesichts der schwachen Auftragsentwicklung schließen.

Preisauftrieb verliert an Tempo

Der Inflationsdruck in der Industrie nahm im Juli weiter ab. Der Index für die Einkaufspreise sank von 77,7 auf 68,3 Punkte. Auch bei den Verkaufspreisen verlangsamte sich der Anstieg. Der entsprechende Index ging auf 56,2 Punkte zurück und signalisiert weiterhin steigende, allerdings weniger dynamisch zunehmende Preise. Nach Angaben der Bank Austria sorgten niedrigere Energie- und Rohstoffpreise vor der jüngsten Eskalation sowie nachlassende Versorgungsängste und eine verhaltene Nachfrage nach Vorleistungen für Entlastung. Gleichzeitig blieben die Möglichkeiten der Unternehmen eingeschränkt, höhere Kosten vollständig an ihre Kund:innen weiterzugeben.

Pudschedl geht davon aus, dass der Margendruck im Juli etwas nachgelassen habe. Mit den zuletzt wieder gestiegenen Ölpreisen könnte der heimischen Industrie jedoch eine Phase neuerlicher Kostensteigerungen bevorstehen, die den Druck auf die Erträge erneut erhöhen dürfte.

UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex und Teilindizes © S&P Global/UniCredit Bank Austria

Optimismus nimmt wieder zu

Die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate haben sich im Juli verbessert. Der Erwartungsindex stieg auf 57,9 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Februar. Nach Einschätzung der UniCredit Bank Austria sprechen die gestiegene Produktion und die optimistischeren Geschäftserwartungen für eine Fortsetzung der konjunkturellen Stabilisierung. Die höhere Produktionsleistung lasse zudem auf eine bessere Auslastung der Kapazitäten schließen und dürfte sich positiv auf die Ertragskraft der Unternehmen ausgewirkt haben.

"Die österreichische Industrie dürfte ihren Erholungskurs in den kommenden Monaten fortsetzen. Die deutliche Verbesserung der Geschäftserwartungen sowie die steigende Produktionsleistung sprechen für eine anhaltende Stabilisierung der Konjunktur", so Bruckbauer. 

Gleichzeitig betonte Bruckbauer, der Aufschwung stehe weiterhin auf einer schmalen Basis. Die rückläufigen Neu- und Exportaufträge sowie die zurückhaltende Personalpolitik würden zeigen, dass die Nachfrage noch nicht ausreichend an Dynamik gewonnen habe. Zudem könnten geopolitische Spannungen jederzeit über höhere Energiepreise, steigende Transportkosten, neuerliche Störungen der Lieferketten oder zunehmende Verunsicherung die positive Entwicklung wieder bremsen.

www.bankaustria.at

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