Laut Studie
Dieser eine Hebel kann Mitarbeiterbewertung verändern

| Janet Teplik 
| 21.07.2026

Beförderung oder Bonus? Oft entscheiden die eigenen Kolleg:innen darüber. Eine neue WU-Studie deckt jetzt einen überraschenden Faktor auf, der diese Peer-Bewertungen fairer macht.

Peer-Bewertungen, sprich Beurteilungen von Mitarbeiter:innen durch ihre Kolleg:innen, spielen in vielen Unternehmen eine wichtige Rolle. Sie bilden häufig die Grundlage für Boni, Beförderungen oder Gehaltsanpassungen. Eine aktuelle Studie der WU Wien zeigt nun, dass der Zeitpunkt dieser Bewertungen entscheidend sein kann. Erhalten Teams etwa vor der gegenseitigen Beurteilung eine externe Bestätigung ihres Erfolgs, fallen ihre Bewertungen deutlich fairer aus.  

Wie Verzerrungen bei Peer-Bewertungen entstehen

Wenn Mitarbeiter:innen die Leistungen ihrer Kolleg:innen bewerten, kommt es häufig zu sogenannten Ingroup-Verzerrungen. Dabei werden Personen aus der eigenen Gruppe systematisch positiver beurteilt als andere. Besonders in diversen Teams können solche Effekte stärker auftreten, da Unterschiede etwa hinsichtlich Herkunft, Geschlecht und Berufserfahrung stärker wahrgenommen werden. 

"In diversen Teams kann es dazu kommen, dass bestimmte Gruppen systematisch schlechter bewertet werden", erklärt WU-Professor Gerhard Speckbacher. Solche Verzerrungen würden nicht ohne Folgen bleiben. Sie könnten Entscheidungen über Boni, Beförderungen oder Gehaltsanpassungen maßgeblich beeinflussen.

Extern bestätigter Erfolg reduziert Vorurteile

Wie sich der Zeitpunkt von Peer-Bewertungen auf deren Fairness auswirkt, untersuchten Speckbacher und Martin Wiernsperger in zwei Experimenten mit insgesamt 247 freiwilligen Studierenden. Die Teilnehmenden arbeiteten in Teams und erhielten eine Rückmeldung über ihren gesamten Erfolg entweder vor oder nach der gegenseitigen Bewertung. 

Das Ergebnis fiel laut den Forschern eindeutig aus. Erfolgte etwa die Peer-Bewertung erst nach einer externen Bestätigung des Teamerfolgs, waren die Beurteilungen deutlich weniger verzerrt. "Wird ein positives Ergebnis von außen bestätigt, identifizieren sich Teammitglieder stärker mit dem gesamten Team. Das schwächt Gruppendenken und reduziert die Bevorzugung der eigenen Gruppe", erklärt Speckbacher. 

Kleine Veränderungen, große Wirkung

Die Studienergebnisse zeigen damit, dass bereits kleine Veränderungen im Ablauf von Evaluierungen einen großen Unterschied machen können. Der Zeitpunkt der Rückmeldung über den Teamerfolg erweist sich laut Untersuchung als wirksames Instrument, um Verzerrungen in Peer-Bewertungen zu reduzieren und damit fairere Personalentscheidungen zu ermöglichen. 

"Der Zeitpunkt ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Hebel, den Unternehmen gezielt einsetzen können, um Bewertungen fairer zu machen", so Speckbacher abschließend. 

Detaillierte Studienergebnisse und weitere Informationen finden Sie hier

www.wu.ac.at

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