Politiker:innen fordern angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung immer häufiger, dass Menschen länger und mehr arbeiten sollen. Die Realität vieler Arbeitnehmer:innen sieht einer aktuellen Analyse zufolge jedoch anders aus. Steigende psychische Belastungen, Pflegeverantwortung und finanzielle Unsicherheit prägen den Arbeitsalltag. Eine Studie von PwC Österreich zeigt nun, dass Beschäftigte nicht nach Standardlösungen verlangen, sondern nach Arbeitsmodellen, die sich an ihre jeweilige Lebensphase anpassen.
Flexible Arbeitsmodelle statt Einheitslösungen
Für drei Viertel der Arbeitnehmer:innen in Österreich sind lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle der Schlüssel zu einem längeren und gesunden Erwerbsleben. Das geht aus der PwC Studie "Arbeiten im Wandel der Lebensphasen" hervor, für die insgesamt 1.092 Erwerbstätige befragt wurden.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die Anforderungen an den Arbeitsplatz im Laufe des Berufslebens ebenso wie die Bedürfnisse der Beschäftigten verändern. Ob Menschen bereit sind, länger im Erwerbsleben zu bleiben, hängt damit wesentlich davon ab, ob Arbeit auch in späteren Lebensphasen als bewältigbar und unterstützend erlebt wird.
Psychische Belastung nimmt deutlich zu
Besonders alarmierend ist der Anstieg der psychischen Belastung. 63 Prozent der Befragten geben an, dass diese in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat. Noch stärker betroffen sind Menschen mit Pflegeverantwortung. In dieser Gruppe berichten 83 Prozent von einer höheren psychischen Belastung.
Die Mehrfachbelastung wirkt sich auch auf den Blick in die Zukunft aus. Während 70 Prozent der Menschen in der Phase des Karriereaufbaus optimistisch in die Zukunft blicken und in der späteren Berufsphase immerhin noch 59 Prozent, sinkt dieser Wert bei Personen mit Pflegeverantwortung auf lediglich 48 Prozent.
Wertschätzung und Flexibilität wichtiger als Gehalt
Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass Beschäftigte ihre Arbeitsfähigkeit längst nicht mehr allein von der Höhe des Gehalts abhängig machen. Entscheidend sind laut Studie vielmehr die Rahmenbedingungen, unter denen gearbeitet wird. Als wichtigste Faktoren nennen die Befragten eine gute Zusammenarbeit im Team und Flexibilität am Arbeitsplatz – beide Aspekte werden von jeweils 32 Prozent als zentrale Voraussetzung für langfristige Arbeits- und Leistungsfähigkeit genannt. Dahinter folgen Wertschätzung und Anerkennung durch die Arbeitgeber:innen (26 %). Finanzielle Anreize (24 %) und die Möglichkeit zur Telearbeit, sprich Homeoffice (23 %), spielen zwar ebenfalls eine Rolle, rangieren jedoch hinter sozialen und organisatorischen Faktoren.
Gleichzeitig verdeutlicht die Untersuchung Defizite bei der Förderung von Beschäftigten. Fast jede vierte Person (23 %) gibt an, dass die eigene Arbeitsfähigkeit in den vergangenen zwei Jahren von den Arbeitgeber:innen nicht ausreichend unterstützt wurde. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. So berichten 27 Prozent von mangelnder Förderung, während der Anteil beim männlichen Geschlecht bei 20 Prozent liegt. Für Sophie Landsteiner von PwC Österreich zeigt das, dass pauschale Maßnahmen nicht ausreichen: "Arbeitsfähigkeit darf nicht nur über allgemeine Angebote adressiert werden. Entscheidend ist, ob Maßnahmen die relevanten Zielgruppen tatsächlich erreichen, sichtbar sind und zur jeweiligen Lebens- und Erwerbsrealität passen. Unternehmen, die diese Bedürfnisse gezielt adressieren, stärken Bindung, Leistungsfähigkeit und ihre Wettbewerbsfähigkeit am Arbeitsmarkt."
Frauen und pflegende Angehörige besonders benachteiligt
Die Studie zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von Beschäftigten. Frauen und Menschen mit Pflegeverantwortung erleben häufiger Belastungen und Unsicherheiten. Das überrascht jedoch wenig, denn Frauen leisten nach wie vor den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit – also der Betreuung von Kindern, der Pflege von Angehörigen sowie der Hausarbeit. Dieses Ungleichgewicht wird als Gender Care Gap (LEADERSNET berichtete u.a. hier) bezeichnet und wirkt sich vielfach auf Erwerbsbiografien, Einkommen sowie Karrierechancen aus.
So verfügen Frauen deutlich seltener über finanzielle Klarheit hinsichtlich ihrer Pension als Männer. Während 62 Prozent der Herren ihre finanzielle Situation im Alter gut einschätzen können, trifft dies nur auf 42 Prozent der Frauen zu. PwC-Expertin Landsteiner sieht hier einen klaren Handlungsbedarf: "Besonders deutlich werden die blinden Flecken bei Frauen, in späteren Erwerbsphasen und bei Pflegeverantwortung: Hier verdichten sich Belastung, geringere Förderung, schwächerer Zukunftsoptimismus und finanzielle Unsicherheit. Umso wichtiger ist es, Arbeit so zu gestalten, dass sie auch in herausfordernden Lebensphasen tragfähig bleibt."
Mehr über die Studie erfahren Sie in der Infobox.
www.pwc.at
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