Nachhaltigkeit bleibt beim Bauen und Wohnen ein zentrales Thema, allerdings mit neuen Vorzeichen. Das zeigt eine repräsentative Studie der Raiffeisen Bausparkasse, die Ende 2025 und Anfang 2026 gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Spectra unter 2.203 Personen durchgeführt wurde. Für 81 Prozent der Befragten hat das Thema nach wie vor hohe Relevanz. Gleichzeitig offenbart die Erhebung einen Wandel in den Einstellungen der Konsumentinnen und Konsumenten und damit neue Herausforderungen für die Immobilien- und Bauwirtschaft.
Vom Material zum Lebenszyklus: Prioritäten im Wandel
Zwar rangieren ökologische Baumaterialien mit 66 Prozent nach wie vor an der Spitze der Assoziationen, büßten jedoch im Vierjahresvergleich signifikante zehn Prozentpunkte ein. Ähnlich verhält es sich mit energieeffizienten Systemen: Sie folgen mit 76 Prozent, verzeichnen damit allerdings einen leichten Rückgang um drei Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2024. Auch die explizite Präferenz, eine Sanierung einem Neubau vorzuziehen, liegt mit 65 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau, ging jedoch von 72 Prozent im Vorjahr zurück. Das ressourcenschonende Bauen wird von 63 Prozent der Umfrageteilnehmer als bedeutend eingestuft.
Parallel zu diesen leichten Rückgängen im traditionellen Denken lässt sich eine Schärfung des Bewusstseins für langfristige Flexibilität beobachten. Der Wunsch nach kleineren, flächensparenden Wohnformen gewinnt an Zuspruch und klettert aktuell auf 32 Prozent. Gleichzeitig rückt das Konzept des lebenszyklusorientierten Wohnens immer stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit: Mittlerweile nennen 41 Prozent der Befragten diesen ganzheitlichen Ansatz als zentralen Aspekt von Nachhaltigkeit.
"Wohnen im Eigentum ist für immer mehr Menschen eine Entscheidung, die sich im Laufe eines Lebens an sich ändernde Wohnbedürfnisse anpasst. Diese Flexibilisierung ist grundsätzlich begrüßenswert. Sie ist die Voraussetzung für ein optimales Wohnumfeld in jeder Lebensphase. Allerdings ist es dabei wichtig, schon früh Wohneigentum anzustreben. Denn das erste Wohneigentum bildet die finanzielle Grundlage für mögliche künftige Veränderungen der Wohnform. Damit sichert man sich ein Stück Entscheidungsfreiheit, Altersvorsorge inklusive", erklärt Christian Vallant, Geschäftsführer der Raiffeisen Bausparkasse.
Hohe Investitionsbereitschaft trifft auf unzureichende Förderungen
Dass es sich bei diesen Werten nicht nur um theoretische Absichtsbekundungen handelt, zeigt die Umsetzung in der Praxis. 45 Prozent der Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate reale Investitionen in die Energieeffizienz ihrer Immobilien getätigt. Das Spektrum der gesetzten Maßnahmen wird dabei von Photovoltaikanlagen angeführt, dicht gefolgt von gezielten Dämmmaßnahmen sowie dem Austausch von Fenstern. Bei der Finanzierung dieser Modernisierungen vertrauen zwei Drittel der Investierenden primär auf eigene Mittel. Dennoch bleibt die Rolle öffentlicher Zuschüsse essenziell. Die aktuelle Ausgestaltung sorgt jedoch für Unzufriedenheit: Lediglich 19 Prozent der Befragten bewerten die Höhe der staatlichen Unterstützungen als ausreichend, während demgegenüber 39 Prozent eine Anhebung der Fördergelder für Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen fordern.
Sieben von zehn sind am Planen
Für die kommenden fünf Jahre zeichnet sich eine dynamische Entwicklung am Markt ab. Fast sieben von zehn Hauseigentümerinnen und Hauseigentümern, die zuletzt keine Investitionen vorgenommen haben, planen in diesem Zeitraum konkrete Schritte. Ganz oben auf der Agenda stehen auch hier die Installation von Photovoltaikanlagen, die Optimierung der Wärmedämmung oder der Austausch von Heizungssystemen. Die Realisierung steht und fällt dabei mit den politischen Rahmenbedingungen, denn fast jede zweite dieser zukünftigen Investitionen ist direkt von der Bewilligung finanzieller Zuschüsse abhängig.
"Die kontinuierlich hohe Bedeutung von Nachhaltigkeit beim Bauen und Wohnen zeigt, dass die Österreicher:innen langfristige Lebensqualität im Blick haben. Gleichzeitig sehen wir einen klaren Appell an die Politik, die Förderkulisse auszubauen, um die Investitionsbereitschaft zu stärken. Mit 70 % pro Sanierung statt Neubau lässt sich ein klarer Trend ablesen: Wer Wohnraum schafft oder erhält, will Ressourcen schonen und Bestandsobjekte fit für die Zukunft machen", so Vallant.
Der Bestand als Fundament der modernen Wohnraumschaffung
Der Blick auf die Geschäftszahlen der Raiffeisen Bausparkasse zeigt deutlich, wohin sich der Markt entwickelt: Bestehende Immobilien gewinnen für die Schaffung von Wohnraum immer stärker an Bedeutung. Die Entwicklung der Kreditvergabe seit 2022 macht klar, dass neuer Wohnraum in Österreich heute vielfach nicht mehr auf der grünen Wiese entsteht, sondern durch die Sanierung, Renovierung und Modernisierung bestehender Gebäude. Diese Entwicklung setzt sich auch 2026 fort: In den ersten fünf Monaten des Jahres flossen mehr als drei Viertel des gesamten Finanzierungsvolumens in den Erwerb sowie die Sanierung und Modernisierung von Bestandsobjekten. Gegenüber 2025 blieb dieser Anteil auf unverändert hohem Niveau.
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