Grenzüberschreitender Onlinehandel
Am 1. Juli 2026 beendet die EU das Zollprivileg für Billigimporte

| Redaktion 
| 28.06.2026

Ab kommenden Mittwoch gilt für Kleinsendungen aus Drittstaaten ein EU-weiter Pauschalzoll von drei Euro pro Warenkategorie. Der Handelsverband begrüßt die Neuregelung als wichtigen Schritt zu faireren Wettbewerbsbedingungen.

Mit dem neuen Pauschalzoll reagiert die Europäische Union auf den rasant wachsenden Onlinehandel über Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress. Die bisherige Zollfreigrenze für Sendungen unter 150 Euro entfällt. Künftig werden drei Euro pro Warenkategorie eingehoben. Betroffen sind neben Bestellungen aus China auch Lieferungen aus Drittstaaten wie Großbritannien, der Schweiz oder den USA.

Für den Handelsverband ist die Neuregelung ein wichtiger Schritt zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit. "Der EU-weite Pauschalzoll ist ein wichtiger Schritt, damit Europa nicht länger das Tollhaus des globalen Onlinehandels bleibt, sondern zu einem faireren Wettbewerbsraum wird. Endlich kommen wir der Kostenwahrheit näher. Die neue Zollregelung sorgt dafür, dass die tatsächlichen Kosten der grenzüberschreitenden Paketflut nicht länger ausschließlich von europäischen Unternehmen und Steuerzahler:innen getragen werden. Das war längst überfällig", sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

Milliarden an Paketen stellen Europa vor Herausforderungen

Die Dimension der Paketflut ist enorm. Laut EU-Kommission wurden 2025 insgesamt 5,8 Milliarden Kleinsendungen in die Europäische Union eingeführt. Das entspricht rund 15,9 Millionen Paketen pro Tag. Die enorme Menge bringt Zollbehörden und Marktüberwachung seit Jahren an ihre Grenzen und führt nach Ansicht des Handelsverbands zu Wettbewerbsnachteilen für europäische Händler.

Auch in Österreich haben internationale Plattformen zuletzt massiv an Bedeutung gewonnen. Temu erreichte laut Handelsverband 2025 einen Bruttowarenwert von 646 Millionen Euro und ist damit bereits der zweitgrößte eCommerce-Marktplatz des Landes. AliExpress folgt mit 236 Millionen Euro auf Rang neun, Shein mit 192 Millionen Euro auf Platz elf.

Bearbeitungsgebühr als nächster Schritt

Mit dem neuen Pauschalzoll sei die Reform aus Sicht des Handelsverbands noch nicht abgeschlossen. Nun müsse die bereits angekündigte europäische Bearbeitungsgebühr für Drittstaatensendungen rasch beschlossen und umgesetzt werden. Gleichzeitig spricht sich die Interessenvertretung gegen nationale Alleingänge wie eine Paketsteuer aus.

"Der neue Paketzoll darf noch nicht das Ende der Reform sein. Die EU-weite Bearbeitungsgebühr muss jetzt rasch beschlossen und wie angekündigt auch ab November dieses Jahres eingehoben werden. Wer Milliarden Pakete in die Europäische Union liefert, muss sich auch angemessen an den dadurch entstehenden Kontroll- und Verwaltungskosten beteiligen", fordert Will.

Kritisch beurteilt der Handelsverband nationale Sonderwege. Maßnahmen wie eine Paketsteuer könnten internationale Handelsströme im europäischen Binnenmarkt nicht wirksam steuern, betont der Handelsverband. Nachhaltige Lösungen seien vielmehr europaweit einheitliche Regelungen, die für alle Marktteilnehmer gleichermaßen gelten.

www.handelsverband.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV