IHaM-Studie
Iran-Konflikt und Inflation lassen Österreicher Urlaubspläne überdenken

| Larissa Bilovits 
| 17.06.2026

Laut einer aktuellen IHaM-Studie ist die Reiselust der Österreicher:innen nach wie vor ungebrochen. Bei Destinationen, Budgets und Reisedauer planen viele ihren Sommerurlaub inzwischen aber deutlich anders als noch zu Jahresbeginn.

Die Sommerurlaubssaison steht vor der Tür und für viele Österreicher:innen ist die Reiseplanung mittlerweile abgeschlossen. Während die Reiselust weiterhin hoch bleibt, rückt die Frage der Finanzierbarkeit stärker in den Vordergrund, weswegen viele Menschen ihren Urlaub zunehmend aus Ersparnissen finanzieren (LEADERSNET berichtete). Eine aktuelle Analyse (siehe Infobox) des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität (JKU) zeigt nun, dass neben dem finanziellen Druck auch geopolitische Unsicherheiten konkrete Reiseentscheidungen beeinflussen, etwa in Hinblick auf die Wahl der Destination und die Reisedauer.

Europa statt Fernreise

Während im Februar – sprich vor Beginn des Iran-Konflikts und der erneut steigenden Inflation – erst 32 Prozent der Urlauber:innen ihren Sommerurlaub fix gebucht hatten, lag dieser Anteil Mitte Mai bereits bei 62 Prozent.

Bei den bevorzugten Reisezielen zeigen sich allerdings deutliche Verschiebungen: Vor Beginn des Iran-Konflikts wollten noch 65 Prozent der Urlauber:innen ins europäische Ausland (vor allem an die Mittelmeerküste) und 16 Prozent außerhalb Europas verreisen, während 19 Prozent ihren Sommerurlaub in Österreich planten. In der aktuellen Erhebung von Mai wollen nun bereits 20 Prozent in Österreich urlauben, 69 Prozent zieht es in andere europäische Länder. Fernreisen verlieren hingegen an Attraktivität: Nur noch elf Prozent planen einen Urlaub außerhalb Europas. 

GRAFIK Geplante Destinationen im Sommerurlaub 2026

Urlaubsbudgets geraten unter Druck

Obwohl die Reiselust ungebrochen bleibt, machen sich die wirtschaftlichen Folgen der jüngsten Entwicklungen auch laut dieser Studie bemerkbar. Im Februar planten 26 Prozent der Urlauber:innen, für ihren Sommerurlaub weniger Geld auszugeben als im Vorjahr. Im Mai stieg dieser Anteil bereits auf 29 Prozent.

Viele Reisende reagieren darauf mit Anpassungen ihrer Urlaubsplanung. 17 Prozent (Mehrfachnennungen möglich) haben intensiver nach günstigen Angeboten gesucht, sieben Prozent ein preiswerteres Quartier gebucht. 16 Prozent sparen bei den Anreisekosten, indem sie ein näher gelegenes Urlaubsziel wählen, und 13 Prozent reisen mit dem Auto statt mit dem Flugzeug. Zudem wollen zwölf Prozent heuer kürzer verreisen als ursprünglich vorgesehen – die durchschnittlich geplante Reisedauer sank gegenüber Februar von elf auf zehn Tage.

GRAFIK Auswirkungen der steigenden Kosten bzw. Inflation auf den Sommerurlaub 2026

Österreicher:innen betreiben "Mentale Buchführung"

"Der aktuelle Inflationsschub setzt die Reisebudgets unter Druck, sodass näher gelegene Reiseziele, günstigere Urlaubsangebote, billigere Unterkünfte und eine kürzere Reisedauer in den Fokus rücken. Interessant ist, dass zwar im und rund um den Sommerurlaub gespart wird, aber auf die Urlaubsreise nicht gänzlich verzichtet wird", ordnet IHaM-Handelsforscher Ernst Gittenberger die Ergebnisse ein und ergänzt: "Insbesondere Urlaube in Österreich entfalten dabei eine doppelte wirtschaftliche Wirkung: Von den Reiseausgaben profitieren nicht nur Tourismus- und Freizeitbetriebe, sondern auch Gastronomie und Handel vor Ort."

"Die Ergebnisse zeigen einmal mehr die besondere Stellung des Urlaubs im Konsumverhalten. Während bei Lebensmitteln über wenige Euro Entlastung durch eine Umsatzsteuersenkung diskutiert wird, die Inflation wieder steigt und höhere Treibstoffpreise den Alltag verteuern, bleiben die Urlaubspläne vieler Haushalte erstaunlich stabil. Aus Sicht der Konsumentenforschung ist das ein typisches Beispiel für 'Mental Accounting' (mentale Buchführung): Ausgaben für Urlaub werden häufig in einem eigenen mentalen Budget geführt und dadurch stärker vor Einsparungen geschützt als viele andere Konsumbereiche. Nicht die Reise selbst wird gestrichen, sondern ihr Kostenrahmen angepasst", erklärt IHaM-Institutsvorstand Christoph Teller

Gleichzeitig dürfe man sich von den aggregierten Zahlen nicht täuschen lassen, warnt der Wissenschaftler: "Während viele Haushalte ihren Urlaub lediglich anpassen, sieht die Realität für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen oft anders aus. Wie bereits 2024 geben auch heuer 17 Prozent der Österreicher:innen (16 bis 74 Jahre) an, sich keine Urlaubsreise im Sommer leisten zu können. In Haushalten mit einem Netto-Haushaltseinkommen unter 2.000 Euro pro Monat trifft dies auf rund ein Drittel zu. Hier wird nicht zwischen Konsumbereichen umgeschichtet, sondern tatsächlich verzichtet – Urlaubsreisen werden damit zunehmend zu einer Frage der finanziellen Möglichkeiten."

www.jku.at/iham

Über die Studie

Die Studienergebnisse basieren auf zwei Online-Befragungen im Februar 2026 und im Mai 2026 unter 1.002 bzw. 1.067 Konsument:innen (repräsentativ für die österreichische Bevölkerung 16 bis 74 Jahre) sowie darauf aufbauenden Berechnungen und Analysen des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Laut den Forschenden seien ihre Studien aus Eigenmitteln finanziert (keine Verwendung von Steuergeldern) und daher ergebnisoffen sowie unabhängig von Einflüssen von Interessenvertretungen sowie Unternehmen. Man sehe sich nur der Ethik und den Grundsätzen der Forschung verpflichtet.

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Über die Studie

Die Studienergebnisse basieren auf zwei Online-Befragungen im Februar 2026 und im Mai 2026 unter 1.002 bzw. 1.067 Konsument:innen (repräsentativ für die österreichische Bevölkerung 16 bis 74 Jahre) sowie darauf aufbauenden Berechnungen und Analysen des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Laut den Forschenden seien ihre Studien aus Eigenmitteln finanziert (keine Verwendung von Steuergeldern) und daher ergebnisoffen sowie unabhängig von Einflüssen von Interessenvertretungen sowie Unternehmen. Man sehe sich nur der Ethik und den Grundsätzen der Forschung verpflichtet.

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