Bank Austria Konjunkturindikator
Österreichs Wirtschaft zwischen Stabilisierung und anhaltender Unsicherheit

| Redaktion 
| 15.06.2026

Steigende Energiepreise, höhere Inflation und geopolitische Entwicklungen bremsen die heimische Konjunktur. Nach dem konjunkturellen Dämpfer mehren sich vorsichtige Anzeichen einer Stabilisierung. Während Konsument:innen und Industrie etwas optimistischer werden, bleiben Bauwirtschaft und Dienstleistungssektor unter Druck.

Die Aussicht auf ein Ende des Iran-Kriegs sorgt für Erleichterung an den Märkten. Der Ölpreis fiel am Montag auf knapp 83 US-Dollar je Barrel. Das angekündigte Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran soll am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden, bis dahin bleibt die weitere Entwicklung jedoch offen. Ebenfalls am Montag veröffentlichte die UniCredit Bank Austria ihren aktuellen Konjunkturindikator, der erste Anzeichen einer Stabilisierung der heimischen Wirtschaft zeigt. Trotz dieser positiven Signale belasten hohe Energiepreise, Inflation und Unsicherheiten die Konjunktur weiterhin.

Leichte Verbesserung nach deutlichem Rückschlag

"Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator stieg im Mai auf minus 1,4 Punkte", sagte Chefökonom Stefan Bruckbauer und verbesserte sich damit gegenüber dem Vormonat um 0,4 Punkte. Ausschlaggebend dafür waren vor allem eine freundlichere Konsumentenstimmung sowie etwas optimistischere Erwartungen in der Industrie.

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator Österreich © Statistik Austria/Wifo/UniCredit

Die Aufwärtsbewegung sei insbesondere einer besseren Stimmung unter den Konsument:innen sowie verbesserten Erwartungen in der Industrie zu verdanken gewesen. Im Bauwesen und vor allem im Dienstleistungssektor hätten sich die Geschäftseinschätzungen hingegen weiter verschlechtert. 

Die Konsumentenstimmung hatte im Vormonat angesichts geopolitischer Unsicherheiten, steigender Treibstoffpreise und wachsender Sorgen um die Kaufkraft den niedrigsten Wert seit zweieinhalb Jahren erreicht. Die mittlerweile stabilere Inflation und die weiterhin vergleichsweise robuste Lage am Arbeitsmarkt hätten zuletzt für etwas Entlastung gesorgt. Dennoch liegt die Stimmung der Verbraucher:innen weiterhin unter dem Niveau zu Jahresbeginn.

Industrie stabilisiert sich langsam

Unterstützt wurde die Entwicklung durch ein etwas günstigeres Exportumfeld. Vor allem die Lage in Osteuropa und Teilen Asiens habe sich verbessert. Dadurch konnte die Stimmung in der österreichischen Industrie bereits den dritten Monat in Folge zulegen.

Gleichzeitig bleiben die Rahmenbedingungen schwierig. Hohe Energiekosten und die starke Lohndynamik der vergangenen Jahre drücken weiterhin auf die Wettbewerbsfähigkeit. Besonders in der chemischen Industrie, der Kunststofferzeugung, der Metallverarbeitung und im Maschinenbau wird die Geschäftslage aufgrund einer schwachen Auftragsentwicklung weiterhin als angespannt eingeschätzt.

Bau und Dienstleistungen unter Druck

Während die Industrie zumindest leichte Fortschritte verzeichnet, verschlechterte sich die Lage am Bau erneut. Vor allem der Tiefbau sorgte für Belastungen und fiel auf den niedrigsten Stimmungswert seit mehr als 13 Jahren.

Auch im Dienstleistungsbereich nahmen die Sorgen weiter zu. Schwächere Nachfrageerwartungen belasteten insbesondere das Transport- und Lagerwesen, das Gast- und Beherbergungsgewerbe sowie Reisebüros. Zudem bewerteten Personaldienstleister ihre Aussichten deutlich schlechter als noch in den Monaten zuvor.

"Die Stimmung lag in allen Sektoren der heimischen Wirtschaft zur Mitte des zweiten Quartals 2026 im pessimistischen Bereich", betont Bruckbauer. Zudem sei die Stimmung in Österreich mittlerweile den zweiten Monat in Folge in allen Wirtschaftsbereichen schlechter gewesen als im Euroraum. Besonders groß sei der Abstand weiterhin in der Industrie, auch wenn sich dieser zuletzt etwas verringert habe.

Zweites Quartal dürfte ohne Wachstum bleiben

Nach einem leichten Plus zu Jahresbeginn deuten die aktuellen Daten auf eine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik hin. Die höhere Inflation belastet den privaten Konsum, während Unsicherheiten die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen bremsen.

Der durchschnittliche Wert des Konjunkturindikators verschlechterte sich im laufenden Quartal auf minus 1,6 Punkte, nachdem im ersten Quartal noch minus 0,8 Punkte erreicht worden waren. Laut UniCredit Bank Austria spricht dies für eine spürbare Verlangsamung der Konjunktur.

Walter Pudschedl, Ökonom der Bank, erklärte, man gehe für das zweite Quartal von einer Stagnation der österreichischen Wirtschaft aus. Mit der Beruhigung der geopolitischen Lage nach dem ausgehandelten Rahmenabkommen für ein Ende des Iran-Kriegs sollte sich die bereits vorhandene Erholungstendenz jedoch wieder durchsetzen. Für die zweite Jahreshälfte werden daher moderate Wachstumsraten erwartet.

An den Prognosen für die kommenden Jahre hält die Bank fest. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2026 um 0,8 Prozent und 2027 um 1,2 Prozent wachsen.

Arbeitsmarkt reagiert auf die Konjunkturschwäche

Die wirtschaftliche Abkühlung zeigt sich zunehmend auch am Arbeitsmarkt. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag im April und Mai bei jeweils 7,6 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit fast fünf Jahren.

Nach Einschätzung der Ökonomen dürfte sich die Lage mit einer wirtschaftlichen Erholung gegen Ende des Jahres wieder etwas entspannen. Für 2026 wird im Jahresdurchschnitt eine Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent erwartet, nach 7,4 Prozent im Vorjahr. 2027 könnte die Quote; auch aufgrund demografischer Entwicklungen; wieder auf 7,4 Prozent sinken.

Inflation bleibt hartnäckig

Besonders aufmerksam verfolgen die Experten die Entwicklung der Inflation. Der Krieg im Iran und die damit verbundenen höheren Energiepreise haben die Teuerung seit März deutlich beschleunigt.

Während sich der Druck bei den Energieträgern zuletzt etwas abgeschwächt hat, werden mittlerweile erste Zweitrundeneffekte sichtbar. Vor allem Dienstleistungen verteuern sich zunehmend. Für Mai wird eine Inflationsrate von 3,7 Prozent erwartet (LEADERSNET berichtete).

Trotz der Verlängerung der Spritpreisbremse und der geplanten Senkung der Umsatzsteuer auf Grundnahrungsmittel ab 1. Juli dürfte der Preisauftrieb in den kommenden Monaten hoch bleiben. Nach Einschätzung der Bank könnte die Inflation gegen Jahresende sogar auf bis zu vier Prozent steigen.

"Wir haben daher unsere Inflationsprognose von durchschnittlich 3,0 auf 3,4 Prozent für 2026 angehoben", sagt Pudschedl. Für 2027 werde nur mit einer moderaten Abschwächung der Teuerung auf durchschnittlich 2,6 Prozent gerechnet.

Österreich Konjunkturprognose © UniCredit

EZB könnte im September nochmals handeln

Vor dem Hintergrund steigender Inflationsrisiken und gleichzeitig schwächerer Wachstumsaussichten erhöhte die Europäische Zentralbank zuletzt die Leitzinsen um 25 Basispunkte (LEADERSNET berichtete).

Die Experten der UniCredit Bank Austria gehen davon aus, dass die Energiepreise bei einer nachhaltigen Entspannung im Nahen Osten im Sommer wieder langsam sinken könnten. Da die Inflationserwartungen stabil seien, die langfristigen Renditen bereits gestiegen seien und die Lohndynamik überschaubar bleiben dürfte, werde nur eine begrenzte zusätzliche Straffung der Geldpolitik notwendig sein.

"Die EZB hat keine Eile, weitere Schritte zu setzen", so Bruckbauer. Dennoch gehe man weiterhin davon aus, dass es im September zu einer weiteren Zinserhöhung kommen könnte. Diese würde den Einlagenzinssatz auf 2,50 Prozent anheben. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen sei jedoch ebenso möglich, dass dieser Schritt letztlich ausbleibt.

www.bankaustria.at

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