Sehnsucht trifft Sorge
Teuerung und Ängste belasten die Reisepläne der Österreicher

Die Österreicher:innen wollen verreisen, doch Inflation und weltweite Krisen bremsen die Urlaubsfreude. Eine neue Studie offenbart den Widerspruch zwischen Sehnsucht nach Erholung und wirtschaftlicher Unsicherheit.

Die Zeichen für die diesjährige Ferienzeit stehen auf Konflikt – zumindest im übertragenen Sinne. In Anbetracht aktueller geopolitischer und wirtschaftlicher Herausforderungen schwanken die Menschen zwischen Sehnsucht nach Erholung und realen Sorgen. Während der Drang nach Ferne und Entlastung groß bleibt, bestimmen Teuerung, Kriege und wirtschaftliche Unsicherheiten das Buchungsverhalten. Eine aktuelle, repräsentative Online-Umfrage von Integral unter 1.000 Österreicher:innen (16 bis 75 Jahre) liefert nun konkrete Daten zu diesem emotionalen Spagat.

Wie Krise & Kriege sich auswirken

Laut Untersuchung spürt fast die Hälfte der Befragten den Einfluss auf die eigene Reiseplanung, wobei jüngere Menschen unter 30 Jahren sowie Haushalte mit geringerem Einkommen besonders stark betroffen sind. Die Verunsicherung durch weltweite Kriege führt bei 34 Prozent dieser Gruppe dazu, auf Fernreisen zu verzichten und stattdessen im sicheren Europa zu bleiben – ein Trend, der vor allem in der Steiermark und in Kärnten ausgeprägt ist. Weitere 32 Prozent setzen auf maximale Flexibilität und buchen heuer nur noch kurzfristig.

Und auch bei der Wahl des Verkehrsmittels zwingen die Kosten zum Umdenken. Ein Viertel (24 %) weicht demnach auf das Auto aus, da Flüge zu teuer und wegen des Kerosinmangels unzuverlässig geworden sind. Die Bahn nutzt lediglich neun Prozent, wobei dieses Angebot primär von der Jugend wahrgenommen wird, für die Sprit längst zum Luxusgut geworden ist. Nur magere vier Prozent steigen auf den eigenen Camper oder das Wohnwagen-Modell um, weil Pauschalreisen schlicht unerschwinglich geworden sind.

Jede:r Fünfte bleibt heuer unfreiwillig zu Hause

Die anhaltende Teuerung reißt bei vielen Österreicher:innen ein tiefes Loch in die Urlaubskasse. Die Folge: Jede:r Fünfte (20 %) verzichtet heuer komplett auf eine Reise. Besonders Menschen über 50 sowie Haushalte mit geringerem finanziellen Spielraum verbringen die Ferien stattdessen auf "Balkonien", im örtlichen Freibad oder am Baggersee.

Ein deutlicher Kontrast zeigt sich laut Studie beim Blick auf die jüngere Generation. Bei den Unter-30-Jährigen bleiben lediglich elf Prozent zu Hause. Für die Jugend gilt offensichtlich weiterhin: Das Reisen ist ihnen lieb – und trotz allem auch teuer genug.

Fokus auf Komfort

Auch zeigt die Untersuchung: Wer trotz Krise verreist, will für sein Geld den maximalen Komfort. Für 45 Prozent der Befragten – allen voran die jüngere Generation – führt der Weg deshalb ins Hotel, wobei Lage, Preis und Zimmerservice die Hauptgründe dafür sind. Besonders geschätzt wird dabei die Verpflegung. 61 Prozent wählen diese Unterkunftsform wegen des kulinarischen Angebots, was vor allem Reisenden mit höherem Einkommen wichtig ist.

Für die Hälfte der Befragten (50 %) gibt der praktische Aufräum- und Putzservice den Ausschlag, ein Komfortmerkmal, das besonders bei Wiener:innen hoch im Kurs steht. Die gute, zentrale Lage zieht 42 Prozent der Hotelgäste an, was vor allem Befragten aus Tirol und Vorarlberg am Herzen liegt. Während ein attraktiver Preis (34 %) und ein schöner Pool (32 %) ebenfalls wichtige Kriterien sind, spielen Animationsprogramme (13 %) und Kinderbetreuung (7 %) beim Hotelurlaub eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Nische für den Mittelstand

Eine gemietete Ferienwohnung oder ein Ferienhaus über Plattformen wie Airbnb sind für 13 Prozent der Befragten die Unterkunft der Wahl – in Wien liegt dieser Wert mit 17 Prozent sogar noch etwas höher. Diese Option wird besonders stark von Menschen mit einem mittleren Haushaltseinkommen zwischen 2.500 und 3.500 Euro genutzt. Weder einkommensschwächere Haushalte noch Gutverdiener:innen greifen in diesem Ausmaß auf diese Alternative zurück. Während die erste Gruppe oft gezwungen ist, komplett auf das Verreisen zu verzichten, zieht es Wohlhabendere vermehrt in Hotels.

Mathias Mühlhofer, Vorstand der Immobilienrendite AG, analysiert diese Entwicklung: "Speziell für die Mittelschicht sind Ferienwohnungen eine echte Alternative zu Hotels. Alleine in Wien gab es 2025 rund 1,7 Mio. Nächtigungen in Ferienwohnungen, die Verteufelung der Kurzzeitvermietung durch die Politik führt hier also zu richtigem Schaden im Tourismus."

Privates Feriendomizil bleibt ein Luxus

Der Traum vom eigenen Rückzugsort im Grünen oder in den Bergen bleibt für die absolute Mehrheit allerdings unerreichbar. Nur sechs Prozent der Befragten besitzen eine eigene Ferienwohnung oder ein Ferienhaus. Diese Eigentümergruppe setzt sich vor allem aus Menschen mittleren Alters sowie Einwohner:innen aus Tirol und Vorarlberg zusammen. 

Markus Augenhammer, Vorstand der Immobilienrendite AG, überraschen diese niedrigen Eigentumszahlen bei Ferienimmobilien nicht. "Wie beim Wohnungseigentum zeigt sich auch hier, dass die Politik nach wie vor nicht daran interessiert ist, Menschen in Österreich Eigentum und damit die Absicherung gegen Armut im Alter zu ermöglichen", kritisiert er. "Dafür müsste sie nämlich die Steuern senken. Doch das kann nur mit der Verringerung der Ausgaben für die überbordende Bürokratie gelingen, also einem schlanken Staat. Leider ist das nicht in Sicht."

Unabhängigkeit schlägt Hotelkomfort

Für die Nutzer:innen von Ferienhäusern und -wohnungen steht die eigene Selbstbestimmung an oberster Stelle. Satte 59 Prozent der Befragten schätzen an dieser Unterkunftsform die Freiheit, den Tag unabhängig von fixen Essenszeiten im Hotel gestalten zu können. Auch das Budget spielt eine Rolle. 52 Prozent empfinden das Ferienhaus als die günstigere Variante, und knapp die Hälfte (48 %) ist überzeugt, hier schlicht mehr Ruhe und Platz für ihr Geld zu bekommen.

Für 45 Prozent gehört zudem das Ausschlafen und Frühstücken nach dem eigenen Rhythmus zu den größten Vorzügen. Im Gegensatz dazu flauen andere Urlaubstrends ab. Nach dem Boom der vergangenen Jahre zieht es heuer nur noch sechs Prozent auf den Campingplatz, wobei Wohnwagen und Zelt am ehesten noch bei Urlauber:innen aus der Steiermark und Kärnten beliebt sind. Noch seltener geht es aufs Wasser: Lediglich vier Prozent stechen im Urlaub per Schiff in See – Kreuzfahrten und Schiffsreisen sind in Österreich demnach weiterhin ein Nischenphänomen.

Wenn Geld keine Rolle spielt

Würde die Urlaubskasse durch einen Lottogewinn unbegrenzt gefüllt, zeigt sich ein klarer Drang in die Ferne. Fast ein Viertel der Befragten (24 %) würde sofort ein Ticket für eine Weltreise buchen – unter den Jüngeren träumt sogar jede:r Dritte von diesem Abenteuer. Für zwölf Prozent liegt das größte Urlaubsglück dagegen in der absoluten Abgeschiedenheit eines eigenen Ferienhauses am Ende der Welt. Überraschend wenig Anziehungskraft besitzen klassische Luxussymbole. So würden nur fünf Prozent in ein weltberühmtes Luxus- oder Schlosshotel einchecken, und lediglich zwei Prozent zieht es für eine touristische Reise ins Weltall.

Urlaubslust statt – Frust bei Gutverdiener:innen 

Demgegenüber steht eine beachtliche Gruppe von 34 Prozent, die selbst mit Millionen auf dem Konto absolut nichts an ihren aktuellen Ferienplänen ändern würde. Menschen über 50 und mit hohem Haushaltseinkommen zeigen die höchste Zufriedenheit mit bestehenden Urlaubsplänen, erklärt Integral-Studienleiterin Petra Starecek. "45 Prozent der Menschen ab 50 und 42 Prozent der Befragten mit einem Haushalts-Einkommen ab 3.500 Euro leisten sich offenbar ohnehin regelmäßig ihren Traumurlaub und würden daran auch nichts ändern, auch wenn sie alles Geld der Welt hätten."

www.integral.co.at

www.immobilienrendite.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV