Exxpress-Herausgeberin wirft Hut ins Rennen
Eva Schütz kandidiert als ORF-Generaldirektorin

| Tobias Seifried 
| 26.05.2026

Die Exxpress-Herausgeberin strebt an die Spitze des Öffentlich-Rechtlichen. Mit einer Reformagenda und dem Anspruch auf absolute Unabhängigkeit kandidiert sie um das Spitzenamt.

Im Rennen um das Amt der ORF-Generaldirektion gibt es eine weitere Kandidatin: Eva Schütz bewirbt sich offiziell um die Spitzenposition am Küniglberg. Am Dienstag kündigte die 52-jährige Juristin an, ihre Bewerbung in den kommenden Tagen einzureichen. Für die Society-Spalten bringt die Personalie zusätzlichen Zündstoff. Denn die Wiener Medienmanagerin und Exxpress-Herausgeberin ist mit dem ehemaligen Tiroler SPÖ-Vorsitzenden Georg Dornauer verlobt – das Paar plant für den 13. Juni die Hochzeit in Tirol.

Reformagenda "ORF 2030"

Doch vor den Hochzeitsglocken steht der medienpolitische Angriff. Unter dem Titel "ORF 2030" legt Schütz eine umfassende Reformagenda zur strategischen Neuausrichtung vor. Sie fordert, Privilegien im Haus zu beenden. Darunter versteht die einstige Leichtathletin Sonderverträge, Sonderzulagen sowie intransparente Zusatzleistungen. Zudem plädiert sie für eine Deckelung von Spitzengehältern und einen klaren Österreichbezug im Programm.

In einer Aussendung betonte die Medienmacherin: "Der ORF ist eine der wichtigsten demokratischen Institutionen unseres Landes. Gerade in unruhigen Zeiten braucht es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der unabhängig, wirtschaftlich solide, technológico modern und zugleich nahe an den Gebührenzahlern bleibt." Der Rundfunk müsse seine Größe künftig stärker rechtfertigen – "nicht durch Erklärungen, sondern indem er täglich zeigt, dass er gebraucht wird“. Sie wünsche sich einen "sauberen und wirtschaftlich geführten ORF".

Spannung verspricht ihr Ansatz, dass öffentliche Mittel künftig auch privaten Medien offenstehen sollten, sofern diese einen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen – eine Entscheidung, die letztlich beim Gesetzgeber liegt.

Bunter Lebenslauf

Ihre Ambitionen untermauert Eva Schütz mit einem bunten Lebenslauf. Sie sammelte Erfahrung im Kabinett des ÖVP-Finanzministeriums unter Sebastian Kurz sowie als stellvertretende Kabinettchefin von Hartwig Löger. Zudem saß sie im Regierungsverhandlungsteam für Justiz und war in den Aufsichtsräten der Volksbank Wien und von ÖBB-Konzernunternehmen aktiv. Sportlich blickt sie auf eine Karriere als Leichtathletin zurück, wobei sie eine EM-Nominierung 2009 wegen der nicht angemeldeten Einnahme eines Asthmasprays verpasste. Ihr Ex-Ehemann, Investor Alexander Schütz, war Aufsichtsrat der Deutschen Bank AG.

Inzwischen fühlt sich die Juristin im Journalismus zuhause. Sie baute das rechts ausgerichtete und nicht unumstrittene Online-Medium Exxpress mit auf, das heute mehrheitlich zum deutschen Unternehmen Vius (u.a. Nius unter Ex-Bild-Chef Julian Reichelt) gehört. Eva Schütz hält noch reduzierte Anteile, agiert aber weiterhin als Herausgeberin und leitet seit Jänner 2024 die Chefredaktion gemeinsam mit der ehemaligen ÖVP-Politikerin Laura Sachslehner (LEADERSNET berichtete).

Trotz ihrer politischen Vergangenheit versteht sich die Bewerberin als ausdrücklich unabhängig. "Ich bin keine Kandidatin der Bundesregierung oder der Koalition, ich bin keine Kandidatin von Freundeskreisen oder einzelner Gremien. Ich bin die Kandidatin der Zuseherinnen und Zuseher und der Gebührenzahler", stellte sie klar.

Weitere Kanidat:innen

Die Konkurrenz um den Chefsessel ist jedenfalls prominent besetzt. Neben Eva Schütz streben auch ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer (LEADERSNET berichtete), der langjährige Privat-TV-Manager Markus Breitenecker (LEADERSNET berichtete) sowie Unternehmensberater Ernst Primosch nach dem Amt. Als potenzielle Mitbewerber:innen werden zudem Streaming-Chef Johannes Larcher, APA-CEO Clemens Pig, der letzte Woche beim Mediengipfel in Seefeld seine Vision für den ORF präsentierte (LEADERSNET berichtete), und kronehit-Chef Philipp König gehandelt, die ihre offiziellen Bewerbungen bisher aber noch nicht eingereicht haben.

www.orf.at

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