Gastkommentar von Daniela Gruber
Recruiting ist kein HR-Prozess – Es ist eine Führungsaufgabe

| Redaktion 
| 28.05.2026

Ein Gastkommentar von Daniela Gruber, Mitgründerin von LP impact Personalmanagement und Leitung Sales bei Lindlpower. 

"Der Arbeitsmarkt ist schwierig. Viele Bewerbungen, aber wenig passende Kandidat:innen." Das höre ich weiterhin in vielen Gesprächen. Und ganz ehrlich: Oft stimmt das so einfach nicht.

Wenn ich mir anschaue, wie viele gute Gespräche aktuell möglich sind, komme ich zu einem anderen Schluss: Der Arbeitsmarkt ist da. Und er ist zugänglicher, als viele glauben. Kandidat:innen reagieren, die Wechselbereitschaft ist vorhanden und es kommen Gespräche zustande. Es scheitert daran, dass Unternehmen nicht in der Lage sind, konsequent zu entscheiden. Ich sehe dabei in meiner Arbeit als Personalberaterin bei Lindlpower immer wieder dieselben Muster.

1. Es wird nach dem Ideal gesucht – nicht nach der Lösung

Es gibt eine Menge Anforderungen, aber diese sind oft nicht priorisiert.

Man sucht:

  • Erfahrung, die es so kaum gibt
  • Persönlichkeiten, die alles gleichzeitig abdecken
  • Profile, die "perfekt ins Team passen"

Was fehlt, ist eine einfache Frage: Was brauchen wir wirklich, damit diese Rolle funktioniert? Solange die nicht klar beantwortet ist, zieht sich jeder Prozess.

2. Unternehmen verlieren Kandidat:innen nicht – sie lassen sie liegen

Ein Punkt, der selten offen und direkt angesprochen wird: Viele Kandidat:innen springen nicht deshalb ab, weil sie nicht interessiert sind, sondern weil Entscheidungen vertragt werden und Prozesse zu lange dauern. Und genau in dieser Zeit entscheidet sich jemand anders. Nicht, weil die andere Option besser ist. Sondern, weil das andere Unternehmen schneller und entschlossener ist. Recruiting ist ein Führungsthema – und daran scheitert es. 

3. Der größte Fehler passiert nach der Zusage

Viele Prozesse enden gedanklich mit der Unterschrift. In der Praxis beginnt dort das nächste Problem:

  • keine klare Rolle
  • kein sauberes Onboarding
  • keine echte Integration ins Team

Und dann wundert man sich, dass Menschen wieder gehen oder nie wirklich wirksam werden.

Was das Unternehmen wirklich kostet

Kennen Sie das? 

  • Projekte verzögern sich
  • Teams laufen dauerhaft am Limit
  • Führungskräfte kompensieren operative Lücken

Und genau das bleibt oft unsichtbar, weil es niemand direkt als Kostenstelle ausweist.

Was sich ändern muss

Der Arbeitsmarkt wird sich nicht anpassen. Aber Unternehmen können lernen, besser mit ihm zu arbeiten. Die entscheidende Frage: Wird Recruiting als Führungsaufgabe verstanden – oder weiterhin delegiert?

Das bedeutet aus meiner Sicht:

  • weniger Wunschprofile, mehr Klarheit
  • schnellere Entscheidungen
  • aktive Verantwortung in der Führung – statt Weitergabe an HR
  • und ein stärkerer Fokus auf das, was nach dem Recruiting passiert 

www.lp-impact.com


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