Österreich ist zurück auf der großen Fußball-Bühne, und das Land fiebert mit. Die erfolgreiche Qualifikation für die Weltmeisterschaft habe gezeigt, welche emotionale Kraft Fußball hierzulande entfalten könne, erklärte Intersport bei der Präsentation des aktuellen "Ballreports", einer gemeinsam mit IMAS durchgeführten repräsentativen Studie zum Ballsport- und Bewegungsverhalten der Österreicher:innen. Kein anderer Sport löst in Österreich derart starke Emotionen aus. Knapp jede zweite Person (49 %) verfolgt Fußball aktiv im TV, per Streaming oder im Stadion.
Zuschauen ja, selbst spielen naja...
Doch genau hier ortet die Studie auch einen Widerspruch: Während Fußball begeistert verfolgt wird, bleibt die aktive Bewegung oft auf der Strecke. 39 Prozent erleben Ballsport vor allem vor dem Bildschirm oder auf der Tribüne, rund 30 Prozent über Freund:innen oder die eigene Fanrolle. 43 Prozent der Befragten sagen sogar, Fußball sei in Österreich eher Zuschauer- als Bewegungssport. "Und doch liegt darin Potenzial", sagt Paul Eiselsberg, Senior Research Director bei IMAS. Public Viewings, gemeinsame Matchabende oder das Mitfiebern bei großen Turnieren könnten Menschen durchaus selbst zum Sport motivieren. Rund vier von zehn Befragten geben an, dass sie beim Zuschauen Lust bekommen, selbst mitzuspielen.
Vom Sofa auf den Sportplatz
Für Intersport steckt darin enormes Potenzial. "Wir sehen, die Begeisterung ist da, der Funke springt beim Zuschauen über, aber zu selten wird daraus echte Bewegung", sagt Franz Koll, Geschäftsführer von Intersport Austria. "Gerade vor der nahenden Weltmeisterschaft ist das eine riesige Chance."
Die Studie, die am ÖFB-Campus in der Wiener Seestadt präsentiert wurde, zeigt gleichzeitig, wie groß die Bedeutung von Ballsport generell ist. 64 Prozent der Österreicher:innen halten Sport für sehr wichtig, 78 Prozent sind zumindest einmal pro Woche aktiv. Dennoch interessiert sich nur gut ein Drittel (37 %) stark für Ballsportarten, während 41 Prozent damit eher wenig anfangen können. Überraschend dabei: Nicht Fußball ist die meistgespielte Ballsportart in Österreich, sondern Tischtennis. 55 Prozent der Befragten haben zumindest ein bis zwei Jahre regelmäßig Tischtennis gespielt. Dahinter folgen Fußball mit 49 Prozent, Volleyball mit 46 Prozent und Tennis mit 43 Prozent.
Gemeinsam mit dem ÖFB will Intersport die aktuelle Fußball-Euphorie nun gezielt nutzen, um mehr Kinder und Jugendliche für Bewegung zu begeistern. Ex-Teamspieler und ÖFB-Nachwuchsleiter Sebastian Prödl sieht darin auch eine gesellschaftliche Aufgabe: "Der Fußball als Lernschule hilft Kindern, Teil eines Teams zu sein, Grenzen auszutesten und regelmäßig in Bewegung zu bleiben."
Bildschirmzeit als Hürde
Als größte Hürden gelten laut Studie Bildschirmzeit und fehlende Bewegung im Alltag. 68 Prozent der Befragten sehen Computer und Smartphones als zentrale Bremse für Ballsport bei Kindern und Jugendlichen. Auch fehlendes Interesse wird von 62 Prozent als wichtiger Hemmfaktor genannt. Gleichzeitig halten 76 Prozent Ballsportarten für besonders wichtig zur Förderung koordinativer und motorischer Fähigkeiten. 65 Prozent würden jungen Menschen empfehlen, eine Ballsportart zu erlernen.
Frauenfußball gewinnt weiter an Bedeutung
Auch der Mädchen- und Frauenfußball war Thema der Präsentation. 58 Prozent der Befragten sehen Fußball noch immer als männlich geprägte Sportart, 37 Prozent halten Fußball mittlerweile für neutral. Gleichzeitig sind 53 Prozent der Meinung, dass Mädchen bei Ballsportarten noch immer weniger gefördert werden als Buben. Für Ex-Teamspielerin Carina Wenninger ist das ein klarer Auftrag: "Was wir brauchen, sind gleiche Zugänge zu Trainings, Vereinen und guter Ausrüstung."
Dass Sportgroßereignisse auch wirtschaftlich relevant sind, zeigt sich laut Intersport besonders bei Fanartikeln. Rund drei Viertel der verkauften ÖFB-Trikots entfallen aktuell auf Heimtrikots, jedes zweite Trikot wird bereits personalisiert verkauft. Besonders gefragt seien individuelle Namen oder Botschaften auf den Shirts.
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