Die anhaltende Diskussion über ein mögliches Social-Media-Verbot bewegt die Gemüter wie kaum ein anderes Thema der digitalen Ära (LEADERSNET berichtete u.a. hier und hier). Auf der einen Seite bieten Plattformen wie Instagram, TikTok und Co. unschätzbare Vorteile. So vernetzen sie Menschen über Kontinente hinweg, geben marginalisierten Stimmen Gehör und dienen als unerschöpfliche Quelle für Kreativität, Information oder auch Bildung. Doch auf der anderen Seite rücken die Schattenseite der permanenten Online-Präsenz verstärkt in den Fokus. Expert:innen warnen schon länger vor der manipulativen Wirkung von Algorithmen, den Gefahren von Cybermobbing sowie den nachweislich negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit junger Menschen.
Inmitten dieses Spannungsfelds zwischen digitaler Freiheit und notwendigem Schutz sucht die Gesellschaft nach Antworten. Genau diesen gesellschaftlichen Nerv traf auch der 16. Niederösterreichische Journalismuspreis. Bei einer feierlichen Verleihung in St. Pölten wurden die herausragenden Arbeiten ausgezeichnet, die sich intensiv und kritisch mit der komplexen Debatte rund um ein Social-Media-Verbot auseinandersetzen.
Gewinner:innen 2026
Die Auszeichnung, die vom "Verein zur Förderung des Journalismus in Niederösterreich" ausgeschrieben wird, wurde bereits zum 16. Mal vergeben. Alle Einreichungen wurden von einer Jury unter dem Vorsitz von Georg Wailand bewertet. Der mit 4.000 Euro dotierte erste Platz ging in diesem Jahr an Kristina Leitner. Auf sie folgt Louis Ebner auf dem zweiten Platz, der mit 3.000 Euro gefördert wird. Der dritte Platz wurde gleich zweifach vergeben. Zum einen an Markus Strohmayer und zum anderen an Felix Attalah. Beide erhalten jeweils 1.000 Euro.
Gemeinsames Wirken von Politik und Journalismus
Laut der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner haben Politik und Journalismus ein gemeinsames Ziel, "Vertrauen für die Gesellschaft zu übernehmen". Wie sie im Interview mit Moderatorin Alice Herzog betont, brauche es gegenseitige Wertschätzung und Respekt und das, "trotz unterschiedlicher Standpunkte und Sichtweisen". Politik habe die Aufgabe, ihre Entscheidungen und Vorhaben zu erklären. Journalist:innen wiederum sollen objektiv informieren, "damit sich die Menschen eine eigene Meinung bilden können".
Mikl-Leitner zeigt sich grundsätzlich offen gegenüber einem Verbot der sozialen Medien für unter 14-Jährige. Es sei "klar, dass Social Media in unser aller Leben Einzug gehalten hat", und damit auch alle verbundenen Gefahren wie Desinformationen und Fake News. Laut der Landeshauptfrau brauche es daher zusätzlich zum Verbot vor allem ein Mehr an Medienkompetenz. Gleichzeitig sprach sich die Politikerin für eine "Balance zwischen der Nutzung von Social Media und den sozialen Kontakten" aus und betonte, dass Social Media den echten Austausch, das persönliche Gespräch, nicht komplett ersetzen könne.
Förderung junger Journalist:innen
Daniel Lohninger, Obmann des Vereins zur Förderung des Journalismus in Niederösterreich, hob wiederum hervor, dass der Journalismuspreis "den jungen Journalist:innen die erste große Bühne" gebe. Positiv sei zudem die Vielzahl der Einreichungen in diesem Jahr. Wolfgang Ecker, der Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, betonte zudem die Bedeutung eines qualitätsvollen Journalismus. Zusätzlich diskutierten Martin Gebhart (Chefredakteur Kurier), Claudia Schubert (Chefredakteurin ORF Niederösterreich), Daniel Lohninger (Chefredakteur NÖN) sowie Nicole Resch und Benjamin Wartha (Social Media-Mitarbeiter:innen von Raiffeisen) über das Social-Media-Verbot.
Über den Verein
Der Verein zur Förderung des Journalismus in Niederösterreich" begleitet junge Talente praxisnah in den Beruf. Jedes Jahr ermöglicht ein Stipendium fünf angehenden Journalist:innen den Brancheneinstieg. Zudem schreibt der Verein jährlich den NÖ Journalismuspreis für herausragende Beiträge mit Niederösterreich-Bezug aus. Bewerben können sich EU-Journalist:innen bis 30 Jahre, die maximal fünf Jahre im Beruf tätig sind. Erlaubt sind alle Medienformate von Print über TV bis Online. Das aktuelle Thema lautet: "Ist das Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige Schutz für die Jugend oder Einschränkung der Meinungsfreiheit für Junge?"
www.noe-journalismusverein.at
Kommentar veröffentlichen