Regierung einigt sich auf Paket
Neue Medienförderung sorgt in der Branche für geteilte Reaktionen

| Tobias Seifried 
| 20.07.2026

Während VÖP und VÖZ vor allem die Zustell- und Digitalförderung begrüßen, kritisiert der Verband der Regionalmedien den Ausschluss kostenloser Zeitungen. Weiteren Handlungsbedarf orten alle drei Verbände.

Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) hat die Einigung der Bundesregierung auf ein neues Medienförderpaket, die am Sonntag durchgesickert ist (LEADERSNET berichtete) und am Montag offiziell verkündet wurde, positiv aufgenommen. Vor allem die vorgesehene Fortführung der Digitaltransformationsförderung sei ein wichtiges Signal für private Radio- und Fernsehveranstalter und schaffe die notwendige Planungssicherheit für weitere Investitionen in digitale Angebote. Corinna Drumm, Geschäftsführerin des VÖP, spricht von einem "wichtigen Signal für den privaten Rundfunk".

Verband sieht weiteren Handlungsbedarf

Gleichzeitig verweist der VÖP auf die weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage vieler privater Radio- und Fernsehsender. Die Verlagerung von Werbeeinnahmen zu globalen Plattformen, steigende Kosten und der hohe Investitionsbedarf im Zuge der Digitalisierung stellten die Unternehmen weiterhin vor große Herausforderungen. Private Sender erreichten täglich Millionen Menschen und leisteten einen wichtigen Beitrag zu Information, Meinungsvielfalt und regionaler Berichterstattung. Deshalb brauche es auch künftig verlässliche medienpolitische Rahmenbedingungen.

Positiv bewertet der Verband außerdem die geplanten Maßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz junger Menschen. Angesichts der digitalen Informationsflut sei ein reflektierter Umgang mit Medien wichtiger denn je. Drumm appelliert an die Politik, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und die Rahmenbedingungen für private Fernseh- und Radiosender weiterzuentwickeln, damit diese ihren Beitrag zu Demokratie, Medienvielfalt und gesellschaftlichem Zusammenhalt auch künftig leisten können.

Auch Zeitungsverleger begrüßen Einigung

Auch der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) bewertet das beschlossene Medienförderpaket (siehe Infobox) positiv. Präsident Rainer Nowak sieht darin einen wichtigen Schritt für mehr Planungssicherheit der Medienhäuser. Besonders die geplante Zustellförderung sei entscheidend, um die Medieninfrastruktur in allen Regionen Österreichs aufrechtzuerhalten. Sie könne dazu beitragen, dass auch künftig alle Bevölkerungsgruppen mit qualitätsvollem Journalismus versorgt werden. Zudem unterstütze sie den laufenden Transformationsprozess vom Print- zum Digitalgeschäft.

Geschäftsführer Gerald Grünberger hebt insbesondere die Verlängerung des Digitaltransformationsfonds hervor. Angesichts des Wettbewerbs mit internationalen Tech-Konzernen sei diese Förderung essenziell, um digitale Reichweiten und Aboangebote heimischer Medienhäuser auszubauen und Arbeitsplätze zu sichern. Positiv bewertet der Verband außerdem die geplante Aufstockung der Mittel für Medienkompetenz. Aus Sicht des VÖZ sollten die zusätzlichen Gelder vor allem etablierten und pädagogisch fundierten Programmen zugutekommen.

Kostenlose Regionalzeitungen sehen Benachteiligung

Deutliche Kritik kommt hingegen vom Verband der Regionalmedien (VRM). Dieser hält es für nicht nachvollziehbar, dass kostenlose Zeitungen von der neuen Zustellförderung ausgeschlossen werden. Da sie bereits von der klassischen Presse- und Vertriebsförderung ausgenommen seien, werde die bestehende Wettbewerbsverzerrung gegenüber Kaufzeitungen weiter verschärft.

Gerade die Zustellung in ländliche Regionen sei kostenintensiv, gleichzeitig erfüllten kostenlose Regionalzeitungen eine wichtige Funktion bei der Berichterstattung über Lokalpolitik, Chronik, Kultur, Sport und freiwillige Organisationen. Nach Angaben des Verbands lesen rund 60 Prozent der Menschen Gratiszeitungen. Der VRM vertritt mehr als 200 Titel mit einer Gesamtauflage von etwa 7,8 Millionen Exemplaren pro Erscheinungstermin.

Von den künftig auf verschiedene Fördertöpfe verteilten 115 Millionen Euro würden laut VRM weiterhin lediglich rund fünf Millionen Euro auf seine Mitglieder entfallen. Positiv bewertet der Verband hingegen die Neuauflage des Digitaltransformationsfonds sowie zusätzliche Mittel für Medienkompetenz und Angebote für junge Menschen. Zugleich fordert er, die Einnahmen aus der Digitalsteuer künftig zweckgebunden für den Medienmarkt einzusetzen und dabei auch kostenlose Regionalmedien zu berücksichtigen.

www.vrm.at

www.voep.at

www.voez.at

Medienförderpaket der Bundesregierung

Neue Journalismusförderung ab 2028: Schrittweise Umstellung aller Medienförderungen. Fokus auf Sicherung journalistischer Arbeitsplätze, redaktionelle Leistung, Innovation, digitale Geschäftsmodelle und Medien-Start-ups. Förderkriterien orientieren sich u. a. an redaktioneller Unabhängigkeit, ethischen Standards und journalistischer Qualität. 

Zeitungszustellungsförderung: Für die Hauszustellung abonnierter Tages- und Wochenzeitungen stehen 2027 und 2028 jeweils 22,5 Mio. Euro zur Verfügung. Gefördert wird insbesondere die kostenintensive „letzte Meile“. 

Digitale Transformation: Für Digitalisierungsprojekte von Medienunternehmen werden 2027 und 2028 jeweils 22,5 Mio. Euro bereitgestellt. Die Mindestbemessungsgrundlage sinkt auf 100.000 Euro, wodurch auch kleinere und nichtkommerzielle Medien leichter Zugang zur Förderung erhalten sollen.

Medienkompetenz & „Young Media“: Ab 2027 steigt die Förderung für Medienkompetenz von 700.000 Euro auf 10 Mio. Euro. Davon fließen 7 Mio. Euro in den neuen Fördercall „Young Media“ für innovative journalistische Angebote für junge Zielgruppen.

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Neue Journalismusförderung ab 2028: Schrittweise Umstellung aller Medienförderungen. Fokus auf Sicherung journalistischer Arbeitsplätze, redaktionelle Leistung, Innovation, digitale Geschäftsmodelle und Medien-Start-ups. Förderkriterien orientieren sich u. a. an redaktioneller Unabhängigkeit, ethischen Standards und journalistischer Qualität. 

Zeitungszustellungsförderung: Für die Hauszustellung abonnierter Tages- und Wochenzeitungen stehen 2027 und 2028 jeweils 22,5 Mio. Euro zur Verfügung. Gefördert wird insbesondere die kostenintensive „letzte Meile“. 

Digitale Transformation: Für Digitalisierungsprojekte von Medienunternehmen werden 2027 und 2028 jeweils 22,5 Mio. Euro bereitgestellt. Die Mindestbemessungsgrundlage sinkt auf 100.000 Euro, wodurch auch kleinere und nichtkommerzielle Medien leichter Zugang zur Förderung erhalten sollen.

Medienkompetenz & „Young Media“: Ab 2027 steigt die Förderung für Medienkompetenz von 700.000 Euro auf 10 Mio. Euro. Davon fließen 7 Mio. Euro in den neuen Fördercall „Young Media“ für innovative journalistische Angebote für junge Zielgruppen.

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