Wegen Empfehlung der EZB
Raiffeisen-Holding NÖ-Wien plant umfassende Konzernumstrukturierung

| Tobias Seifried 
| 20.07.2026

Die Holding will ihren gesamten operativen Betrieb inklusive der Industriebeteiligungen auf die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien übertragen. Hintergrund ist eine Empfehlung der Europäischen Zentralbank (EZB).

Geschäftsleitung, Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien sowie Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) haben am Montag einen Grundsatzbeschluss für eine umfassende Konzernumstrukturierung gefasst. Laut verpflichtender Ad-hoc-Meldung soll nahezu der gesamte Betrieb der Holding – darunter auch ihre Industriebeteiligungen – im Wege einer Abspaltung auf die hundertprozentige Tochtergesellschaft RLB NÖ-Wien übertragen werden.

Operative Geschäfte werden in der Landesbank gebündelt

Mit der Transaktion sollen künftig sowohl das Bankgeschäft als auch das Management der Industriebeteiligungen in der RLB NÖ-Wien gebündelt werden. Zum Portfolio der Holding zählen unter anderem Beteiligungen an Strabag, Agrana, NÖM, Leipnik-Lundenburger Invest (LLI) sowie Medienbeteiligungen. Dadurch sollen durch die Neuorganisation die historisch gewachsene Konzernstruktur vereinfacht, die Steuerung effizienter gestaltet und die Positionierung am Kapitalmarkt weiter gestärkt werden.

RLB-NÖ-Wien-Generaldirektor Martin Hauer erklärte im Rahmen einer Pressekonferenz, der gesamte operative Betrieb der Holding werde in die Landesbank übergehen. Durch die neue Struktur werde die Gruppe "noch schlanker, effizienter und transparenter". Zudem soll die vereinfachte Organisation die Refinanzierung am Kapitalmarkt erleichtern.

Holding wird zur Finanzholding

An den Eigentumsverhältnissen der Holding und der Landesbank soll sich durch die geplante Abspaltung nichts ändern. Die Raiffeisen-Holding bleibt bestehen, will nach Umsetzung der Transaktion jedoch ihre Bankkonzession zurücklegen und künftig als reine Finanzholding fungieren. In der Holding verbleiben künftig insbesondere die Beteiligung an der RLB NÖ-Wien sowie einzelne Liegenschaften. Zu ihren Aufgaben sollen darüber hinaus die Eigentümerfunktion, die Aus- und Weiterbildung der Genossenschafter:innen sowie der Förderauftrag zählen.

Hintergrund der Umstrukturierung ist laut Aufsichtsratsvorsitzendem Erwin Hameseder eine Empfehlung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Konzernstruktur zu überdenken. Die bisherige Holdingstruktur sei innerhalb der EZB in dieser Form einzigartig gewesen.

Zustimmung und Genehmigungen noch ausständig

Für die Mitarbeiter:innen soll die Neuorganisation keine Folgen haben. Ein Personalabbau sei nicht vorgesehen, betonte Hauer.

Bevor die Umstrukturierung umgesetzt werden kann, muss noch die Generalversammlung der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien zustimmen. Diese ist für September vorgesehen. Darüber hinaus sind mehrere behördliche und aufsichtsrechtliche Genehmigungen erforderlich, darunter jene der EZB. Die Umsetzung der Abspaltung soll rückwirkend mit 1. Jänner 2026 erfolgen.

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