Die Raimundspiele Gutenstein haben erst kürzlich ihre Premiere von "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" gefeiert. Im Theaterzelt im Bleichgarten stand damit eines der bedeutendsten Werke Ferdinand Raimunds im Mittelpunkt des Premierenabends. Das romantisch-komische Original-Zauberspiel aus dem Jahr 1828 erzählt die Geschichte des verbitterten Gutsbesitzers Rappelkopf, der sich von der Welt verraten fühlt und sich zunehmend von seinen Mitmenschen entfernt.
Nach den erfolgreichen Produktionen "Der Verschwender" und "Der Bauer als Millionär" setzt Intendant Norbert Gollinger die Auseinandersetzung der Raimundspiele mit dem klassischen österreichischen Volkstheater fort. Die neue Produktion bleibt dem Zauber und Humor Raimunds verpflichtet, öffnet den Blick aber zugleich für Fragen, die bis in die Gegenwart reichen.
Zwischen Menschenfeindlichkeit und Selbsterkenntnis
Regisseurin Lea Dalfen richtete den Fokus ihrer Inszenierung auf die innere Einsamkeit der Figuren. Rappelkopf wird nicht nur als grantiger Außenseiter gezeichnet, sondern als Mensch, der durch Angst und Enttäuschung den Zugang zu seinem Umfeld verloren hat. "Wir stellen die Frage, wie Isolation, Angst und Selbstentfremdung in Versöhnung und Heilung verwandelt werden können", so die Regisseurin. Erst durch das Eingreifen des Alpenkönigs Astragalus erhält er die Möglichkeit, sich selbst aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Der berühmte Körpertausch wird dabei zum zentralen Moment der Erkenntnis. Rappelkopf muss erleben, welche Wirkung sein eigenes Verhalten auf seine Familie und Umgebung hat. Aus dem magischen Kunstgriff entwickelt die Inszenierung eine Geschichte über Empathie, Veränderung und die Möglichkeit eines Neubeginns.
Starkes Ensemble trug den Abend
In der Titelrolle des Alpenkönigs Astragalus überzeugt Elisa Seydel mit einer Figur, die zwischen Märchenwesen und Vermittlerin menschlicher Konflikte angesiedelt ist. Andreas Patton gibt den Rappelkopf als widersprüchlichen Charakter zwischen Härte und Verletzlichkeit.
An seiner Seite gestalten Sophie Aujesky als Sophie, Carmen Kirschner als Malchen und Matthias Rauth als August Dorn die familiären Beziehungen, die im Zentrum der Handlung stehen. Für die humorvollen Momente sorgt Rudi Roubinek als Diener Habakuk, der bereits zum dritten Mal bei den Raimundspielen auf der Bühne steht. Das Ensemble wird durch Theresa Lustig und Benita Martins ergänzt.
Musik als emotionale Ebene
Eine besondere Rolle in der Produktion spielt die Live-Musik. Unter der musikalischen Leitung von Tobias Grabher begleitet sie die Entwicklung der Figuren und verstärkt die emotionalen Übergänge der Handlung. Die Musik orientiert sich an der historischen Theatertradition, wird jedoch mit einer zeitgemäßen Tonsprache verbunden.
Und auch das Bühnenbild sowie die Kostüme tragen dazu bei, die Verbindung zwischen Raimunds Fantasiewelt und den heutigen Themen der Inszenierung herzustellen. Simina Nicolaescu gestaltet den Bühnenraum, Anna Hoss zeichnet für die Kostüme verantwortlich. Gemeinsam schaffen sie eine Atmosphäre zwischen Alpenromantik, Märchenwelt und psychologischem Kammerspiel.
Ein Premierenabend zwischen Tradition und Gegenwart
Mit der Premiere "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" zeigen die Raimundspiele Gutenstein, dass Ferdinand Raimunds Werk auch fast zwei Jahrhunderte nach seiner Entstehung seine Wirkung entfalten kann. Die Produktion verbindet die Leichtigkeit des Zauberspiels mit einer nachdenklichen Betrachtung menschlicher Beziehungen. Damit eröffnete das Stück nicht nur die Saison der Raimundspiele 2026, sondern setzte auch ein Zeichen für die anhaltende Bedeutung des klassischen österreichischen Theaters im Sommerbetrieb.
Bei der Premiere gesehen wurde neben dem Intendanten Norbert Gollinger auch Bischof Alois Schwarz sowie der ehemalige niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll und seine Ehefrau, die ehemalige Präsidentin des Hilfsvereins "Hilfe im eigenen Land", Elisabeth "Sisi" Pröll.
Einen Eindruck vom Premierenabend können Sie sich zudem mittels Galerie verschaffen.
www.raimundspiele.at
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