Neues Verständnis der HR
Warum Personalabteilungen einen Platz in der Führungsriege brauchen

Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Fachkräftemangel verändern die Arbeitswelt grundlegend. Expert:innen plädieren deshalb für ein neues HR-Verständnis. 

Die Anforderungen an Unternehmen wachsen. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und der anhaltende Fachkräftemangel verändern Arbeitsabläufe ebenso wie Führungsaufgaben. Nach Ansicht von Great Place To Work (GPTW) Österreich reicht es deshalb nicht mehr aus, Human Resources auf Recruiting, Personalverwaltung oder arbeitsrechtliche Themen zu reduzieren. Personalabteilungen sollten künftig stärker in strategische Entscheidungen eingebunden werden.

Mit einer bewusst provokanten Aussage bringt Jörg Spreitzer, Managing Partner von Great Place To Work Österreich, dieses Verständnis auf den Punkt: "HR rettet Leben." Gemeint sei dies allerdings nicht im medizinischen Sinn. Vielmehr gestalte Human Resources die Arbeitsbedingungen, die Unternehmenskultur und die Führung in Unternehmen. Dadurch beeinflusse der Bereich Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden und letztlich auch den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Mehr als Recruiting und Administration

Nach Einschätzung von GPTW greift das traditionelle Verständnis der HR-Rolle heute zu kurz. Während Personalabteilungen häufig noch mit Recruiting, Administration, Employer Branding oder arbeitsrechtlichen Fragestellungen in Verbindung gebracht würden, übernehme Human Resources in Zeiten tiefgreifender Transformation eine wesentlich umfassendere Aufgabe.

HR fungiere als Bindeglied zwischen Geschäftsführung, Führungskräften und Mitarbeitenden und könne Veränderungen maßgeblich begleiten. Gerade in einer Arbeitswelt, die sich laufend weiterentwickle, komme diesem Zusammenspiel eine zentrale Bedeutung zu.

Menschlichkeit und Technologie gemeinsam denken

GPTW zufolge dürfen technologische Innovation und Menschlichkeit nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Unternehmen, die ausschließlich auf neue Technologien setzten und die menschliche Komponente vernachlässigten, liefen Gefahr, Vertrauen zu verlieren. Das könne sich wiederum negativ auf Motivation, Innovationskraft und langfristige Wettbewerbsfähigkeit auswirken.

Besonders sichtbar werde diese Entwicklung beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Neue Technologien eröffneten zwar große Chancen, könnten bei vielen Mitarbeitenden aber gleichzeitig Unsicherheit auslösen. Führung sei deshalb mehr denn je gefordert, Orientierung zu geben und Veränderungen transparent zu begleiten.

"AI bringt für viele Menschen auch Ängste mit sich. Führung bedeutet deshalb heute mehr denn je, Orientierung zu geben, zuzuhören und Veränderungen gemeinsam mit den Mitarbeitenden zu gestalten", sagt Spreitzer.

Führung aus Sicht der Mitarbeitenden betrachten

Für Great Place To Work sollte gute Führung nicht ausschließlich aus der Perspektive des Managements beurteilt werden. Entscheidend sei vielmehr, wie Mitarbeitende ihre Führungskräfte tatsächlich erleben. Die European Workforce Study zeige, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung häufig auseinanderlägen. Wer Unternehmenskultur nachhaltig weiterentwickeln wolle, müsse deshalb bereit sein, zuzuhören und ehrliches Feedback einzuholen.

Auf diesem Ansatz basiert auch die Methodik von Great Place To Work. Statt auf Juryentscheidungen oder subjektive Einschätzungen stütze sie sich ausschließlich auf das vertrauliche Feedback der Mitarbeitenden. Unternehmen würden dadurch objektive und vergleichbare Ergebnisse sowie konkrete Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung ihrer Führungskultur erhalten.

HR als strategischer Partner

Für Spreitzer steht fest, dass sich die Rolle von Human Resources weiterentwickeln müsse, von einer operativen Unterstützungsfunktion hin zu einer strategischen Mitgestalterin der Unternehmensentwicklung. "HR kennt die Menschen im Unternehmen wie kaum ein anderer Bereich. Deshalb braucht es diese Perspektive überall dort, wo über Strategie, Veränderung und Zukunft entschieden wird", so der GPTW-Österreich-Chef.

Vor diesem Hintergrund stellt sich aus Sicht von Great Place To Work die Frage, weshalb HR in vielen Unternehmen noch immer nicht selbstverständlich am Entscheidungstisch vertreten ist, obwohl der Bereich maßgeblich zu Vertrauen, Führung und Unternehmenserfolg beitrage. Sein Appell richtet sich daher direkt an HR-Verantwortliche: "Traut euch in die Führungsriege hinauf. Bringt die Perspektive der Menschen dort ein, wo strategische Entscheidungen getroffen werden. Menschlichkeit und wirtschaftliche Performance gehören zusammen", sagt Spreitzer.

www.greatplacetowork.at

Podcast und Fachbeitrag liefern Impulse

Die Aussagen von Jörg Spreitzer stammen aus der aktuellen Folge des Podcasts "Geht so. Passt schon. Oder? – Der Podcast zur Zukunft der Arbeit" von Karin Bauer. Darin spricht er über moderne Führung, die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz, die Bedeutung von Vertrauen sowie die Rolle von Human Resources als strategischen Erfolgsfaktor.

Ergänzend dazu zeigt der Fachbeitrag "So wird Leadership Kommunikation neu gedacht", wie Unternehmen Führung messbar machen, Vertrauen stärken und ihre Unternehmenskultur nachhaltig weiterentwickeln können.

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Podcast und Fachbeitrag liefern Impulse

Die Aussagen von Jörg Spreitzer stammen aus der aktuellen Folge des Podcasts "Geht so. Passt schon. Oder? – Der Podcast zur Zukunft der Arbeit" von Karin Bauer. Darin spricht er über moderne Führung, die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz, die Bedeutung von Vertrauen sowie die Rolle von Human Resources als strategischen Erfolgsfaktor.

Ergänzend dazu zeigt der Fachbeitrag "So wird Leadership Kommunikation neu gedacht", wie Unternehmen Führung messbar machen, Vertrauen stärken und ihre Unternehmenskultur nachhaltig weiterentwickeln können.

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