Der europäische Pauschalzoll auf niedrigpreisige Warenimporte aus Drittstaaten zeigt nach Einschätzung des Handelsverbands Wirkung. Laut dem aktuellen Consumer Check "So kauft Österreich", den Reppublika Research im Auftrag der Interessenvertretung durchgeführt hat, bestellen 49 Prozent jener Konsument:innen, die innerhalb der vergangenen zwölf Monate bei Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress eingekauft haben, seit Einführung des Zolls weniger. 42 Prozent haben ihr Einkaufsverhalten nicht verändert, vier Prozent bestellen sogar häufiger. Mehr als die Hälfte der Befragten aus dieser Kundengruppe (53 %) hat höhere Preise oder zusätzliche Kosten wahrgenommen.
Fernost-Paketvolumen deutlich gesunken
Die Befragungsergebnisse werden durch Angaben zum Paketaufkommen ergänzt. Laut Handelsverband hat die Österreichische Post einen Rückgang der Fernost-Pakete im dritten Quartal 2026 um rund 30 Prozent bestätigt. EU-weit soll die Zahl der niedrigwertigen Direktsendungen aus Drittstaaten im selben Zeitraum nach Angaben der Europäischen Kommission um mehr als 60 Prozent gesunken sein. "Der europaweite Pauschalzoll wirkt. Fast die Hälfte aller Fernost-Käufer:innen in Österreich bestellt aktuell weniger", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Mehr Kostenwahrheit helfe auch dem heimischen Handel.
Seit 1. Juli 2026 gilt für Warenimporte aus Nicht-EU-Ländern mit einem Wert unter 150 Euro ein pauschaler Zoll von drei Euro je Warenkategorie. Mit 1. November kam eine zusätzliche EU-Bearbeitungsgebühr von zwei Euro je Artikel hinzu.
Besonders Junge nutzen Plattformen
Trotz der neuen Abgaben spielen chinesische Onlineplattformen weiterhin eine bedeutende Rolle. Insgesamt haben 40 Prozent der Österreicher:innen in den vergangenen zwölf Monaten bei zumindest einer der untersuchten Plattformen bestellt. Am beliebtesten ist Temu mit 30 Prozent, gefolgt von Shein mit elf Prozent und Alibaba beziehungsweise AliExpress mit neun Prozent. TikTok Shop erreicht sechs Prozent und bleibt damit vorerst ein vergleichsweise kleiner Anbieter.
Besonders intensiv nutzen jüngere Konsument:innen die Plattformen. Mehr als die Hälfte der Generation Z hat dort innerhalb eines Jahres eingekauft. Gleichzeitig geben 60 Prozent der Fernost-Kund:innen aus dieser Altersgruppe an, seit der Einführung des Pauschalzolls weniger zu bestellen. Bei Frauen liegt dieser Anteil bei 58 Prozent, bei Männern bei 40 Prozent.
Handelsverband kritisiert nationale Paketsteuer
Deutlich weniger positiv bewertet der Handelsverband die österreichische Paketsteuer, die seit 1. Oktober gilt. Sie beträgt zwei Euro zuzüglich Umsatzsteuer und betrifft Versandhändler mit mehr als 100 Millionen Euro jährlichem Inlandsumsatz im Versandhandel. Laut Consumer Check versuchen 43 Prozent der Konsument:innen, mehrere Produkte in einer Bestellung zusammenzufassen, um die zusätzliche Belastung zu reduzieren. Die Österreichische Post verzeichnete nach Angaben des Handelsverbands einen Rückgang des gesamten Paketvolumens um rund zehn Prozent.
Will sieht darin jedoch keinen Beleg für eine Verlagerung der Umsätze in stationäre Geschäfte. "Die Online-Umsätze brechen nicht ein, nur die Bestellfrequenz geht deutlich zurück", argumentiert er. Einzelne Händler würden sogar von weniger Spontankäufen berichten.
Damit vertritt der Handelsverband eine andere Einschätzung als die kürzlich veröffentlichte Weihnachtsstudie von SES Spar European Shopping Centers. Dort hatten 26 Prozent der Schenkenden angegeben, aufgrund der Paketabgabe künftig weniger online und mehr stationär einkaufen zu wollen. Beide Untersuchungen erfassen allerdings unterschiedliche Aspekte des Kaufverhaltens (KEYaccount LEADERSNET berichtete).
28 Prozent wollen verstärkt europäisch einkaufen
Von der seit 1. November geltenden EU-Bearbeitungsgebühr erwartet sich der Handelsverband weitere Veränderungen. 31 Prozent der befragten Fernost-Kund:innen wollen deshalb weniger bei chinesischen Plattformen bestellen. 28 Prozent beabsichtigen, verstärkt bei österreichischen beziehungsweise europäischen Händlern einzukaufen. Gleichzeitig fordert der Handelsverband die Abschaffung der nationalen Paketsteuer. Nach eigenen Angaben haben bereits mehr als 24.000 Personen eine entsprechende Petition unterzeichnet.
www.handelsverband.at
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