Im Jubiläumsjahr
Kostensteigerungen treiben beliebte Bäckerei in die Pleite

| Tobias Seifried 
| 03.11.2026

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr wurde das Aus des Handwerkbetriebs besiegelt. Von der Insolvenz sind bis zu 70 Gläubiger:innen betroffen.

Der anhaltende Druck im Bäckerhandwerk fordert ein weiteres Opfer: Über das Vermögen von Inhaber Simon Engleder und sein Einzelunternehmen Bäckerei Engleder e.U. wurde am Landesgericht Linz auf Eigenantrag ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet.

Wie aus den Erhebungen der Gläubigerschutzverbände KSV1870 und AKV hervorgeht, führten eine Kombination aus Teuerungswelle, Investitionsstau und einem privaten Schicksalsschlag zur Zahlungsunfähigkeit. Von der Pleite sind zehn Dienstnehmer:innen sowie rund 60 bis 70 Gläubiger:innen betroffen.

Mehrere Gründe

Das im Jahr 2016 gegründete Handwerksunternehmen, das heuer seinen zehnten Geburtstag feiert, betrieb eine beliebte Bäckerei direkt im Zentrum von Arnreit sowie den zugehörigen Handel mit Nahrungsmitteln. Laut eigenen Angaben führten drastische Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Material und Energie sowie hohe Reparaturkosten für veraltete Produktionsanlagen zu starker finanzieller Schräglage. Die hohe Zins- und Tilgungsbelastung der Fremdfinanzierung habe im Verhältnis zu den erwirtschafteten Betriebsergebnissen schlussendlich nicht mehr gestemmt werden können. Den ausschlaggebenden Impuls habe der langfristige gesundheitliche Ausfall des Inhabers infolge eines Unfalls gegeben.

Schuldenstand im sechsstelligen Bereich

Die exakte Höhe der Passiva wird im Insolvenzverfahren derzeit noch ermittelt. Aus den Bilanzen zum 31. Dezember 2025 geht eine Summe von knapp 376.000 bis 475.000 Euro hervor; die offenen Lieferantenverbindlichkeiten belaufen sich auf rund 41.000 Euro. Dem stehen Aktiva in Form des Betriebs- und Fuhrparks sowie Liegenschaftsbesitz (darunter das Alleineigentum an der Betriebsliegenschaft sowie Miteigentum an der Privatliegenschaft) gegenüber, deren exakter Verkehrswert nun durch die Verwaltung geprüft wird.

Produktion bereits eingestellt

Eine Weiterführung der Produktion ist nicht vorgesehen; der Geschäftsbetrieb in Arnreit wurde bereits vollständig eingestellt. Um eine geordnete Entschuldung zu erreichen, wird den Gläubiger:innen ein Sanierungsplan mit der Mindestquote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren ab Annahme, vorgelegt. Die Mittel dafür sollen aus der gerichtlichen Verwertung des Unternehmensvermögens sowie über Zuschüsse von dritter Seite aufgebracht werden.

Zum Insolvenzverwalter wurde der Linzer Rechtsanwalt Wilhelm Deutschmann bestellt. Gläubigerforderungen können bis zum 5. Jänner 2027 angemeldet werden. Die finale Abstimmung über den Sanierungsplan soll am 23. Februar 2027 stattfinden.

www.ksv.at

www.akv.at

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